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Gesundheit
13.03.2022

Jede zehnte Frau betroffen – Was ist Endometriose?

Nicht selten liegt ein Leidensweg von über fünf Jahren vor, bevor es zur Diagnose Endometriose kommt.
Nicht selten liegt ein Leidensweg von über fünf Jahren vor, bevor es zur Diagnose Endometriose kommt. Bild: unsplash
Endometriose zählt mit zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Die betroffenen Frauen haben gutartige, schmerzhafte Wucherungen aus gebärmutterschleimhautartigem Gewebe, das ausserhalb der Gebärmutterhöhle in benachbarten Organen und Geweben wächst.

Endometriose ist ein häufiges, aber wenig bekanntes Leiden, von dem etwa jede zehnte Frau betroffen ist. In der Schweiz leiden rund 190'000 Frauen darunter. Der Name der Krankheit leitet sich von der medizinischen Bezeichnung für die Gebärmutterschleimhaut, «Endometrium» ab. Bei den Betroffenen fliesst das Menstruationsblut nicht vaginal ab, wodurch Teile der Gebärmutterschleimhaut an verschiedene Orte im Körper gelangt. So kommt es zu Zysten und schmerzhaften Wucherungen, die teilweise operativ entfernt werden können. In seltenen Fällen kann die Endometriose auch andere Organe befallen wie z.B. die Leber, die Lunge oder sogar das Hirn.

Sehr häufig erzählen Frauen mit Endometriose von heftigen Schmerzen während der Mens mit häufiger Schmerzmitteleinnahme und Krankheitsausfällen. Bild: unsplash

Normalerweise wird die Gebärmutterschleimhaut vom Körper abgebaut. Menschen, die an Endometriose leiden, haben allerdings ein verändertes Immunsystem, wodurch diese Abbaufunktion gestört zu sein scheint.

Entzündung wegen Blut-Zysten

Man kann sich die Endometriose also folgendermassen vorstellen: Im Bauch-Raum gibt es verschiedene «Endometrioseherde», die an denen sich die Gebärmutterschleimhaut bildet und die während der Menstruation zu bluten anfangen. Das Blut kann allerdings nicht abfliessen, wodurch sich parallel Blut-Zysten bilden können. Meistens sind es nur kleine – einem Muttermal auf der Haut ähnelnden – Herde, manchmal aber auch grosse Eierstock-Zysten. Diese wachsen und bluten mit dem durch die Geschlechtshormone des Monatszyklus getrieben mit und verursachen dadurch eine lokale Entzündungsreaktion. Dadurch leiden Betroffene an der durch die Entzündung irritierten Nerven an Schmerzen in diesem Bereich.

Die Endometriose ist behandelbar, aber nicht heilbar. Nach einer operativen Entfernung der Endometriose lassen die Schmerzen meistens nach, können aberwieder auftreten. Bild: unsplash

Schwierigkeiten, schwanger zu werden

Insbesondere während der Menstruation haben betroffene Frauen somit dann die stärksten Schmerzen. Ausserdem haben viele Betroffene Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Die Wucherung der Gebärmutterschleimhaut kann direkt die Eileiter vernarben oder Eierstockgewebe zerstören, wodurch der Transport des Eis zur Gebärmutter sowie dessen Befruchtung im Eileiter erschwert oder verhindert wird. Viel häufiger ist aber, dass die Endometriose indirekt den Prozess der Befruchtung und Einnistung in der Gebärmutterhöhle durch die regionale Entzündungssituation zu behindern scheint.

Wird die Krankheit nicht behandelt, können die Endometrioseherde invasiv wachsen und bleibende Schäden verursachen. Am Darm und an den Eileitern kann es dann zu Verwachsungen kommen. Auch der Hormonhaushalt und das Immunsystem werden von der Endometriose beeinflusst.

Bei 40 bis 60 Prozent der ungewollt kinderlosen Frauen ist Endometriose die Ursache. Bild: unsplash

Wie weiss ich, ob ich es habe?

Litt die Mutter unter Endometriose, so hat die Tochter ein sechs Mal höheres Risiko ebenfalls an einer Endometriose im Verlauf ihrer reproduktiven Jahre zu leiden. Trotz dieser familären Häufung konnte kein einzelnes Endometriose-Gen bisher gefunden werden. Umwelteinflüsse – im Mutterleib, im Neugeborenenalter – sowie Ernährunsgfaktoren scheinen ebenso eine Rolle zu spielen.

Endometriose lässt sich nur durch einen operativen Eingriff sicher feststellen. Bei der Bauchspiegelung kann etwas Gewebe entnommen und untersucht werden. Wenn du den Verdacht hast, solltest du zunächst mit deinem Arzt oder deiner Ärztin ein ausführliches Anamnesegespräch führen. Vorab kannst du schon mal beobachten, wann die Schmerzen auftreten. Auch ein Schmerztagebuch kann hilfreich sein.

Anouk Arbenz, Redaktion March24 & Höfe24