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Stadt Zürich
29.06.2022
30.06.2022 09:49 Uhr

Zürichs grösster Harry-Potter-Fan hat eine wertvolle Sammlung

Bei der Stadtzürcherin Daniela «Dany» Hermel (49) dreht sich alles um Harry Potter, den bekanntesten Zauberlehrling der Welt: «Harry Potter hat mein Leben verändert.»
Bei der Stadtzürcherin Daniela «Dany» Hermel (49) dreht sich alles um Harry Potter, den bekanntesten Zauberlehrling der Welt: «Harry Potter hat mein Leben verändert.» Bild: Anna-Sofia Schaller
Im Juni 1997 ist mit «Harry Potter und der Stein der Weisen» der erste Potter-Band der britischen Autorin J. K. Rowling erschienen. 25 Jahre später ist die Faszination rund um den bekanntesten Zauberlehrling der Welt ungebrochen. Lokalinfo hat Zürichs grössten Potter-Fan, Daniela Hermel (49), besucht.

Was von aussen wie ein gewöhnliches Mehrfamilienhaus in Zürich Nord anmutet, birgt in seinem obersten Stockwerk eine Welt, wie sie eigentlich nur zwischen den Seiten von Rowlings Harry-Potter-Büchern anzutreffen ist. Dass Potter-Zauber in der Luft liegt, wird spätestens im Treppenhaus klar: Die Tür zur Wohnung von Zürichs grösstem Potter-Fan Daniela «Dany» Hermel (49) ist von einem lebensgrossen Gemälde einer adligen Dame in weissem Kleid überzogen – in den Potter­-Büchern bewacht diese «Fette Dame» den Gemeinschaftssaal des Hauses «Gryffindor», welchem auch Harry und seine Freunde Ron und Hermine zugehören. Zutritt gewährt die «Fette Dame» an Hermels Wohnungstür nur denjenigen, die sich durch das vorab mitgeteilte Passwort auszuweisen wissen.

Die Haustüre öffnet sich. Auf der anderen Seite der Türschwelle steht eine herzlich strahlende Frau. Sie ist in einen Zaubererumhang gehüllt und trägt einen schwarzen Hexenhut. Kaum hat man die Wohnung betreten, ist es, als sei man geradewegs in einen Potter-Roman «appariert», wie die von Zauberern bevorzugte Fortbewegungsweise heisst. Schon der Eingangsbereich von Hermels Wohnung lässt keinen Zweifel daran, dass hier ein echter Harry-Potter-Fan wohnt. Die Wände im Gang zieren die Wappen der vier Häuser der Zaubererschule Hogwarts. Und bei der Garderobe hängen mehrere schwarze Zaubererumhänge griffbereit.

Von Butterbier über Zauberstäbe bis hin zu Langziehohren

So weit das Auge reicht, gibt es in der ganzen Wohnung Utensilien aus dem Universum des bekanntesten Zauberlehrlings der Welt zu entdecken. Das Zentrum von Hermels Potter-Universum befindet sich jedoch in ihrem Wohnzimmer. Der Raum ist mit seinen «schwebenden Kerzen» der Grossen Halle von Hogwarts nachempfunden. Die Wände sind mit einem Sammelsurium von Potter-Artefakten geschmückt, der Türrahmen von Filmpostern gesäumt. Auf dem Tisch steht schon eine Flasche Butterbier bereit. Dem in der Zaubererwelt wohl beliebtesten Erfrischungsgetränkt. «Muggel, also Menschen ohne magische Fähigkeiten, nennen das Getränk auch Rivella», verrät Harry­-Potter-Fan Dany Hermel.

Über 20 Mal hat Hermel die Potter-Bücher, die sich im Holzregal aneinanderreihen, schon gelesen. Neben dem grossen Regal in einem kleine Holzmöbel stapeln sich Dutzende personalisierte Zauberstäbe der Harry-Potter-Charaktere. Die unzähligen Gegenstände aus der Potter-Welt würden die Herzen so mancher Potter-Fans höherschlagen lassen: Von allerlei Hogwarts-Schulbüchern über eine Dobby-Figur bis hin zu einer Miniaturausgabe des fliegenden Ford Anglia, dem verzauberten Auto der Weasley-Familie, das im zweiten Potter-Band «Die Kammer des Schreckens» in die Fänge der peitschenden Weide geriet und von dieser völlig demoliert wurde. Daneben im Regal liegen «Langziehohren», die im Potter-Universum von Harry und seinen Freunden zu Spionagezwecken verwendet werden.

Zürcher Harry-Potter-Fan gibt Zauberei-Unterricht für «Muggel»

Harry-Potter-Fan Hermel öffnet seit gut sechs Jahren ihr Potter-Universum auch für Kinder jeden Alters. An den soge­nannten «Hexen- und Zauberertagen», die einmal im Monat stattfinden, werden bis zu acht Zauberlehrlinge in den Schul­-fächern, die auch Harry und seine Freunde in Hogwarts besuchten, unterrichtet.

Den Muggel-Kindern werden Kenntnisse über «Fantastische Tierwesen», «Verteidigung gegen die dunklen Künste» und «Zaubertrankkunde» vermittelt. Vor allem bei Letzterem wird grosses Augenmerk auf die Praxis gelegt: So können sich die Kinder etwa am Brauen des Glückselixiers «Felix Felicis», des Liebestranks «Amorentia» oder des gestaltsverändernden «Vielsafttranks» versuchen.

Schwer aufzutreibende Zutaten wie Baumschlangenhaut oder Blutegel werden durch Algen oder Schokolade ersetzt. «Der Vielsafttrank schmeckt schokoladig, hat aber eine leicht irritierende Algennote im Abgang», wirft Hermels Partnerin und Mitbewohnerin Linnéa, die beimGespräch mit Lokalinfo ebenfalls zugegen ist, ein. Und fügt an, dass es für sie damals die erste und letzte Kostprobe des Zaubertranks gewesen sei. Nebst den «Hexen- und Zauberertagen» hat Hermel auch schon Harry-­Potter-Abende inBibliotheken und Veranstaltungen für das Ferienangebot der Verkehrsbetriebe Zürich organisiert.

Quidditch-Award für ausserordentliche Leistungen trägt ihren Namen

Hermels Begeisterung für das Potter-­Universum prägt ihr Leben massgebend. Abgesehen von ihrem «Muggeljob» als Sachbearbeiterin Sales Service bei der Firma BASF Coatings gibt es bei Hermel keinen Lebensbereich, der nicht in irgend­einer Weise von Harry Potter beeinflusst sei. So betreibt Hermel in ihrer Freizeit den Zauberersport Quidditch, der ­ursprünglich von Rowlings Romanwelt inspiriert wurde.

Sie ist Teil des Zürcher Quidditch-Teams «Turicum Thunderbirds», welches sie im April an den European Quidditch Cup nach Nord­italien begleitet hat. Hermels Verdienste in der Schweizerischer Quidditch Community wurden bereits im Jahr 2018 entsprechend gewürdigt, indem der «Hermel Award» ins Leben gerufen wurde. Seitdem wird der Preis einmal im Jahr für ausserordentliche Leistungen in der Quidditch-Community verliehen.

«Harry Potter hat mein Leben verändert und wurde Teil meiner Identität»

Auch 25 Jahre nach Erscheinen des ersten Potter-Bands «Harry Potter und der Stein der Weisen» ist Hermel von der magischen Welt fasziniert. «Rein theoretisch könnte diese Parallelwelt existieren – Rowling liefert für alles eine Erklärung», so Dany Hermel. Die Erzählweise der Autorin sei derart realitätsorientiert, dass die von ihr entworfene Zaubererwelt nicht zwangsläufig unvereinbar mit unserer Realität sei. Hermel betont dennoch, nicht von der Existenz einer solchen Parallelwelt auszugehen.

Nebst Rowlings Erzählkunst seien es aber auch die von den Romanen vermittelten Werte, welche Hermel so für Potter begeistern: «Potter-Fans sind einfach eine tolerantere Gruppe von Menschen – jeder hat Platz, man wird aufgenommen, wie man ist. Das kommt definitiv von den Büchern.» Somit ist Dany Hermel überzeugt, dass Rowlings Harry-Potter-GeschichtenMenschen toleranter machen könnten. Deswegen hat Hermel auch keinen Zweifel daran, dass die Potter-Reihe auch nachfolgende Generationen weiterhin in ihren Bann ziehen und ihre Magie somit auch zukünftig entfalten werde.

Für Hermel steht fest: «Harry Potter hat mein Leben verändert und wurde damit ein Teil meiner Identität.» Lachend fügt Dany Hermels Partnerin und Mitbewohnerin Linnéa an: «Ich sage immer, dass ich im Harry-Potter-Museum vonZürich wohne.» Tatsächlich hat es Potter-­Fan Hermel über die Jahre zu einer beeindruckenden Potter-Sammlung gebracht. «Ich schätze den Wert meiner Sammlung auf 25'000 bis 30'000 Franken», sagt Hermel und lässt den Blick zufrieden über ihren Bestand schweifen.

  • Das erste Harry-Potter-Buch ist vor 25 Jahren, am 26. Juni 1997, auf Englisch erschienen. Bild: Anna-Sofia Schaller
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  • Bei der Stadtzürcherin Daniela «Dany» Hermel (49) dreht sich alles um Harry Potter, den bekanntesten Zauberlehrling der Welt: «Harry Potter hat mein Leben verändert.» Bild: Anna-Sofia Schaller
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  • Das Gemälde der «Fetten Dame» ziert die Eingangstüre zu Hermels Potter-Universum. Bild: Anna-Sofia Schaller
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  • Einmal im Monat unterrichtet Hermel MuggelKinder in Zauberei und Zaubertrankzubereitung. Bild: Anna-Sofia Schaller
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Anna-Sofia Schaller