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Stadt Zürich
30.03.2022
12.08.2022 18:57 Uhr

Höngg: Wie die Stadt den Tramausfall von 13 Monaten kompensieren will

Bild: So sehen die engen Strassenverhältnisse auf der 13er-Linie an der Hönggerstrasse aus. Die VBZ-Busse umfahren die Strecke eher weiträumig. Bild pm
Die Tramlinie 13 wird wegen Bauarbeiten ab 16. Juli während 13 Monaten zwischen Escher-Wyss-Platz und Frankental in Höngg eingestellt. Weil der Ersatzbusbetrieb entlang der 46er-Linie fährt, ist mit massiven ÖV-Einbussen zu rechnen. Für Härtefälle wollen die VBZ einen Taxidienst einrichten.

Die Tramgleise an der Höngger- und Limmattalstrasse zwischen Wipkingerplatz und Ottenbergstrasse sind zwischen 34 und 50 Jahre alt. Sie sind deshalb abgenutzt und müssen laut der Stadt ersetzt werden. Zudem entsprechen sie nicht mehr den heutigen Normen. Die Bauarbeiten erfolgen in drei Hauptetappen: 1. Etappe vom Wipkingerplatz bis Waidfussweg von Mai bis November 2022, 2. Etappe vom Waidfuss- bis Eschergutweg von September 2022 bis Juni 2023 sowie 3. Etappe vom Eschergutweg bis Ottenbergstrasse von März 2023 bis Oktober 2023.

Nicht nur neue Tramschienen

«Das Projekt ist schwierig, aber nötig», urteilte Noch-Stadtrat Richard Wolff anlässlich einer Informationsveranstaltung im reformierten Kirchgemeindehaus Wipkingen. Es handle sich hier um ein grosses Bauvorhaben in der Länge von 1,6 Kilometern zwischen Wipkingerplatz und Tramhaltestelle Schwert. Es würden aber nicht nur die Gleise, sondern auch die Kanalisation und andere Werkleitungen saniert.

Als Ergänzung würden Klimaziele umgesetzt wie mehr Bäume und Aufenthaltsqualität, hindernisfreie Tramhaltestellen Alte Trotte, Waidfussweg und Eschergutweg, Velostreifen vom Wipkingerplatz bis zur Dorfstrasse und Tempo 30. Bei der Haltestelle Waidfussweg sei ein kleiner Park mit Bäumen und Sitzgelegenheiten vorgesehen. «Einige Bäume müssen gefällt werden, aber am Schluss gibt es 15 Bäume mehr vor Ort», betonte Wolff. Aus Platzgründen würden 35 Parkplätze an der Limmattalstrasse wegfallen. Es sind dies 16 weisse und 19 Blaue-ZonenParkplätze. Ein entsprechender Plan wird noch erstellt. Anwesende kritisierten, dass es bereits jetzt zu wenig Parkplätze gebe, denn die alten Häuser hätten keine Tiefgaragen.

Betriebseinstellung als Bestvariante

Auch Stadtrat Michael Baumer hielt fest, dass die Trameinstellung kein erfreuliches Thema sei. Er wies auf die Gründe für diese Massnahme hin, wie die vorhandenen engen Platzverhältnisse und die breiteren Trams, welche neue Abstände zwischen den Gleisen verlangen. Ein Problem sei auch, dass die Werkleitungen unter den Tramgleisen seien. Man habe verschiedene Varianten geprüft. Dabei seien auch Nachtarbeiten in den Wohngebieten thematisiert worden. «Die 13-monatige Einstellung des Trams 13 auf dieser Strecke ist die Bestvariante», bekräftigte Baumer. Insgesamt betrage die Bauzeit eindreiviertel Jahre.

«Wir sind daran, dass die Bauarbeiten verträglich ins Quartier passen», betonte Christian Meier, Projektleiter Tiefbauamt. Gearbeitet werde im Schichtbetrieb von 7 bis 22 Uhr von Montag bis Samstag. Weiter werde an 12 Wochenenden gearbeitet, teilweise auch nachts. «Technisch geht es nicht anders», meinte Meier. Es handle sich um ein schwieriges Projekt, noch sei jedoch nicht alles fix. Wichtig sei ein Minimum an Nachtarbeiten, dass die Zugänglichkeit zu den Liegenschaften gewährleistet und die Anlieferung möglich sei. Zudem soll die Umsetzung rasch erfolgen. Weiter sollen die Blaulichtorganisationen und private Bauvorhaben nicht behindert werden. Der Zeitplan sei aber witterungsabhängig. «Ich hoffe, dass es keine Verzögerungen gibt», meinte Alexander Jäger, Quartiervereinspräsident Höngg.

Kritik im Saal: «Ungenügend»

Die Trams der Linie 13 fahren während ihrer Einstellung nach Höngg vom Escher-Wyss-Platz neu zum Hardturm. Der Ersatzbus fürs Tram 13 verkehrt wie die Linie 46 über die Nord-/Ottenbergstrasse bis Frankental. Der Takt sei derselbe wie das Tram 13. Und nicht zuletzt würden zusätzliche Kurse auf der Linie 46 eingesetzt. «Bis zu einem 2-Minuten-Takt ist möglich», betonte Baumer. Allerdings meinten Anwesende, dass dies nicht genügen werde. Der Ersatzbus könne nicht das Tram ersetzen. «Falls notwendig, werden weitere Massnahmen ergriffen», betonte Meier.

Für den Individualverkehr gilt ein Einbahnregime bergwärts während der ganzen Bauzeit. Es gibt einen kombinierten Verkehr Anwohner- und Baulogistikspur. Der Transitverkehr wird umgeleitet. Stadteinwärts bestehen Ausweichmöglichkeiten über die Strasse am Wasser und andere. Für den Veloverkehr ist stadteinwärts die Umleitung über die Ottenberg-/Nordstrasse und die Ackerstein-/Sydefädelistrasse vorgesehen.

Taxi statt neue Bus-Führung

Eine Herausforderung ist die Hanglage, wie Meier weiter ausführte. Die Ottenbergstrasse liegt höher als die Limmattalstrasse. «Ein Angebot für das Gesundheitszentrum für das Alter Sydefädeli ist uns wichtig», betonte Meier. Zudem werde die bessere Begehbarkeit des Kempfhofsteigs, wo es teilweise Treppen gibt, geprüft. Der Waidfussweg hingegen sei gut begehbar. Es werde ein Angebot mit einem ortsansässigen Taxi für alte Menschen vom Sydefädeli und Menschen mit eingeschränkter Mobilität, zum Beispiel von der Ackersteinstrasse, in Erwägung gezogen. Ein Bezug von entsprechenden Gutscheinen soll organisiert werden. «Die VBZ setzen auf ein solches Angebot und nicht auf einen zusätzlichen Bus in der Ackersteinstrasse», sagte der ebenfalls anwesende VBZ-Direktor Marco Lüthi. Dieser wird mittels einer schriftlichen Anfrage im Gemeinderat gefordert. Noch liegt die definitive Lösung aber nicht vor.

Das gesamte Projekt kostet ungefähr 33,5 Millionen Franken.

Zu wenig ÖV-Angebote?

Sind Sie damit einverstanden, dass der 13er-Ersatzbus einfach entlang der Trolleybuslinie 46 fährt? Fühlt man sich dadurch nicht abgehängt auf der nun temporär stillgelegten Tramlinie 13? Sind die Umleitungen für den Individualverkehr sinnvoll? Schreiben Sie uns! Lokalinfo AG, Buckhauserstrasse 11, 8048 Zürich. E-Mail: zuerichnord@lokalinfo.ch

Pia Meier