Die Lage für das neue Quartiercafé ist geradezu optimal. Der Zürichsee liegt in unmittelbarer Nähe, und wer einen Bummel durch die Parkanlagen machen oder den gegenüberliegenden Chinagarten besuchen will, wird bestimmt an diesem zentral gelegenen Ort gerne Halt machen und etwas Kleines zu sich nehmen. Der hohe, lichtdurchflutete Raum eignet sich bestens, um ihn gemütlich einzurichten, und vor dem künftigen Café gibt einen geräumigen Platz für eine sommerliche Aussenbestuhlung.
Doch noch ist alles kahl und leer. «Wir haben die beiden Gewerberäume im Rohbau gemietet», erzählt Geschäftsführer Christoph Maurer. «Den gesamten Innenausbau müssen wir selber übernehmen. Mit den vielen Auflagen zum Beispiel für die Küche, die Lüftungsanlage und die Toiletten wird das eine kostspielige Sache, deshalb müssen wir dringend Spenden generieren. Wir hoffen nach wie vor auf Subventionen vom Kanton und aus Kulturförderungsfonds sowie auf Unterstützung von privaten Sponsoren.» Die projektierten Gesamtkosten belaufen sich auf rund zwei Millionen Franken. Das ehrgeizige Ziel ist es, für einen Grossteil davon Sponsoren zu finden.
Mehrwert für das Quartier Im Juni 2020 beschloss der Verein Wohnheime im Seefeld, sich nebst der Clusterwohnung auch für zwei Gewerberäume zu bewerben. In nur einem Monat erarbeitete eine Arbeitsgruppe ein Konzept für ein inklusives Kulturcafé mit geschützten Arbeitsplätzen und Atelier­räumen, die den Projekttitel «WHISper» erhielten.
Für den Verein Wohnheime im Seefeld arbeiten drei professionelle Köche. «Wir haben die Idee, dass diese Köche an den drei Standorten auch Menus für das Bistro zubereiten. Die Mahlzeiten werden dann mit Cargo-Velos angeliefert», so Christoph Maurer. Im Café selber sollen kleine Snacks, Kuchen, Getränke und am Abend Apéro und leichte Küche angeboten werden. Voraussichtliche Öffnungszeit ist abends bis 21 Uhr und am Freitag und Samstag bis 22 Uhr.
Geplant ist auch eine Bühne, auf der Darbietungen verschiedenster Art stattfinden können. «Im Bereich Kleinkunst ist vieles möglich. Wir haben einen eigenen Chor und eine Theatergruppe, die zum Beispiel auftreten können. Daneben soll ein sorgfältig kuratiertes Kulturprogramm stattfinden. Die Bühne steht aber auch Leuten aus dem Quartier zur Verfügung. Möglich sind zudem Ausstellungen sowie ein Verkaufspunkt, an denen wir unsere eigenen Produkte verkaufen», so Christoph Maurer weiter. Die Atelierräume im Obergeschoss können sowohl von den Bewohnerinnen und Bewohnern der Wohnheime als auch von Leuten aus dem Quartier genutzt werden. Durch das Kulturcafé und die Atelierräume kann der Verein Wohnheime im Seefeld verschiedene neue geschützte Arbeitsplätze schaffen. Zum Beispiel im Bereich Küche und Service oder im technischen Bereich für die Beleuchtung und Einrichtung der Bühne.
Elf attraktive neue Wohnplätze Die Clusterwohnung in der Siedlung Hornbach konnte bereits am 1. September bezogen werden. Sie bietet auf 457 Quadratmetern Wohnraum für elf Menschen mit Beeinträchtigung. Verteilt auf drei Stockwerken gibt es acht Nasszellen, mehrere Teeküchen und Gemeinschaftsräume und zwei grosse Terrassen mit Blick auf den See. Die Menschen mit Beeinträchtigung, die hier leben, führen ein selbstbestimmtes Leben und gehen einer Tätigkeit nach. Montag bis Freitag ist während mehrerer Stunden sowie in der Nacht Betreuungspersonal vor Ort anwesend. Falls während der übrigen Zeit ein Problem auftaucht, ist auch immer ein Pikettdienst schnell zur Stelle. «Dieser Standort ist wie ein Hotelbetrieb», erklärt Christoph Maurer. «Unser Ziel ist es, den Menschen so viel Freiheiten wie möglich zu geben. Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe – und das mitten in einem belebten Quartier.» Der Standort ist selbsttragend, die Miete für die Wohnung wird durch die Taxen der Bewohnerinnen und Bewohner abgedeckt. In den anderen drei Wohnheimen leben Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Der Standort Ottenweg zum Beispiel ist ein «Altersstöckli» und auf ältere Menschen ausgerichtet, die in dem 200-jährigen, renovierten und rollstuhlgängig ausgebauten Stadthaus mit Unterstützung ihren Lebensabend geniessen können. «Wir können jetzt das ganze Spektrum abdecken», so Christoph Maurer.