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Wohnungen bezahlbar und autoarm planen – bitte auch in Witikon

Mischa Schiwow
Mischa Schiwow Bild: zvg
Sind wir nicht an einem Punkt angelangt, wo die Stadt auch private Bauträger verpflichten muss, die Wohnungsnot zu lindern und einen Beitrag gegen die Erderwärmung zu leisten?

Mischa Schiwow, Gemeinderat AL, Kreis 7+8

Witikon hat sich in den letzten 100 Jahren vom ländlichen Dorf zum Stadtteil entwickelt, der mit der geplanten Verdichtung bald sehr stark weiterwachsen wird. Gerade mal 800 Einwohnende wurden 1934 vor der Eingemeindung gezählt. Heute sind es über 11 000, weitere Tausenderschritte sind in Sicht. So beispielsweise auf dem Areal Harsplen, wo auf einem knapp 25 Hektaren grossen Feld 350 Wohnungen gebaut werden. So weit, so gut. Bei einer kürzlich im «Tagblatt» veröffentlichten Planauflage war dann allerdings zu erfahren, dass das Areal zwar direkt an der Witikonerstrasse liegt, aber über diese Strasse nicht erschlossen werden kann. Die Zufahrt ist nur über die Katzenschwanzstrasse möglich, wo allerdings nur gerade vier Meter an die Strasse anstossen, neben Parzellen, welche als Freihaltezonen definiert sind.

Um dennoch u sicherzustellen, dass das Areal – so gross wie das halbe Hardturmareal – korrekt erschlossen werden kann, liegt nun ein Vorschlag zur Umzonung auf dem Tisch: 130 m2 der Erholungszone sollen gegen ein ebenso grosses Stück in der Wohnzone abgetauscht werden. Allerdings, und da reibt man sich die Augen, soll dieser Abtausch mit der Eigentümerin, der Swisscanto, keine Gegenleistungen beinhalten. Das ist in zweifacher Hinsicht problematisch: Zum einen benötigt die Stadt dringendst mehr bezahlbaren Wohnraum. Dieser kann nicht allein durch gemeinnützige Wohnbauträger erstellt werden. Auch private Immobilienfirmen sollen dazu beitragen, was im vorliegenden Fall durchaus eine denkbare Option wäre. Denn Anlagestiftungen wie Swisscanto dürfen sich auch solchen Werten verpflichtet fühlen.

Zum zweiten stehen wir vor den gewaltigen Herausforderungen der Klimakrise, welcher die Stadt Zürich dank einem klaren Volksentscheid mit einem ambitionierten Netto-null-Ziel per 2040 begegnen will. Es kommt also darauf an, ob in der Neubausiedlung 357 oder nur 217 Parkfelder gebaut werden, ob jede Wohnung über einen Parkplatz verfügt oder eine möglichst verkehrsarme Siedlung geplant wird. Umso mehr, als gemäss Richtplan Verkehr eine neue Buslinie erstellt wird, also eine von der Öffentlichkeit finanzierte ÖV-Verbindung. Zusammen mit Angelica Eichenberger (SP) habe ich den Stadtrat letzte Woche in einer dringlichen schriftlichen Anfrage gebeten zu erklären, weshalb die in meinen Augen unbedingt zu stellenden sozialen und ökologischen Bedingungen im Vorschlag zur Umzonung nicht enthalten sind. Sind wir nicht an einem Punkt angelangt, wo die Stadt auch private Bauträger verpflichten muss, die Wohnungsnot zu lindern und einen Beitrag gegen die Erderwärmung zu leisten?

In der Rubrik «Aus dem Gemeinderat» schreiben Volksvertreterinnen und Volksvertreter regelmässig einen Beitrag. Alle im Stadtparlament vertretenen Parteien bekommen hierzu regelmässig Gelegenheit. Die Schreibenden äussern im Beitrag ihre persönliche Meinung.

Mischa Schiwow, Gemeinderat AL, Kreis 7+8