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Zürich West
04.07.2022
30.06.2022 14:42 Uhr

Im Kreis 5 läuft viel, aber nicht alles rund

Das Josefareal wird bis Ende 2025 für Sport und Kultur zwischengenutzt. Bei der Areal-Neuentwicklung redet das Quartier mit.
Das Josefareal wird bis Ende 2025 für Sport und Kultur zwischengenutzt. Bei der Areal-Neuentwicklung redet das Quartier mit. Bild: Lisa Maire
An der jährlichen Veranstaltung «Zürich-West Diagonal» gab es aktuelle Informationen zu einer ganzen Reihe von öffentlichen und privaten Bau- und Infrastrukturprojekten im Industriequartier.

Lisa Maire

Vor einem rund 100-köpfigen Publikum im Schulhaus Schütze machte Stadtrat André Odermatt (SP) den Anfang mit ­Infos zu diversen Hochbauvorhaben. Dazu gehört unter anderem das Projekt Tramdepot/Wohnsiedlung Hard am Escher-Wyss-Platz. Das Projekt sei voll auf Kurs, sagte er. Bleibt das so, soll Ende 2025 der Wohnbau, ein Jahr später das Depot bezugsbereit sein. Beim Entwicklungskonzept für das Josefareal (u. a. Pflegezentrum und Alterswohnungen, Hallenbad, Quartierpark) ging die letzte Dialogveranstaltung über die Bühne. 180 Teilnehmende aus dem Quartier hätten ihre Ideen für ergänzende publikumsorientierte Nutzungen eingebracht, so Odermatt. Noch 2022 folgt der Projektwettbewerb. Baustart ist frühestens 2026.

SBB-Projekt kann scheitern

Das SBB-Überbauungsprojekt Neugasse, unter anderem mit 375 Mietwohnungen  – zu je einem Drittel gemeinnützig, preislich reduziert, Marktmiete –, gerät nach intensiver Planungsphase inklusive Mitwirkungsprozess ins Stocken. Denn im Gegensatz zum Stadtrat hat der Gemeinderat vor kurzem eine Volksinitiative für gültig erklärt, die 100 Prozent Gemeinnützigkeit will und deshalb fordert, die Stadt solle das Bauareal kaufen. «Die SBB wollen aber nicht verkaufen!», betonte Odermatt. Sollte die Initiative bei der Volksabstimmung im Herbst angenommen werden, drohe ein Projektstopp.

Auf wackeligen Beinen steht zudem der Terminplan für das Schulprojekt Hardturm. Die Stadt möchte in einem der beiden von der Credit Suisse geplanten Hochhäuser Räume für 18 Klassen plus Doppelturnhalle im Fussballstadion anmieten. Zurzeit seien aber immer noch Beschwerden gegen die Stadion-Abstimmung vom Herbst 2020 hängig, so Odermatt. Auch könnten noch Baurekurse folgen. Damit sei sehr unsicher, ob die neue Schule wie geplant 2027 in Betrieb gehen kann.

Beim Bauvorhaben «Maaglive», das unter anderem einen Wohnturm und ein Kulturhaus anstelle der heutigen Maaghallen vorsieht, hatte Drazenka Dragila Salis von Swiss Prime Site (SPS) das Wort. Das Projekt ist im Quartier umstritten, weil es den Abriss der Maaghallen – Zeitzeugen des Industriequartiers und kultureller Publikumsmagnet – beinhaltet. Die SPS-Vertreterin gab sich jedoch überzeugt, dass «Maaglive» mit seinem Raumkonzept für diversifiziertere und zeitlich besser verteilte Veranstaltungen sowie neuen, grosszügig begrünten Freiräumen ein Gewinn für das Quartier sein werde. Im Herbst erfolgt nun die Baueingabe.

Dauerbrenner und Zukunftsmusik

Über den Stand beim Dauerbrenner Hardturmstrasse berichtete Simone Rangosch, Direktorin Tiefbauamt. Da das definitive Strassenumbauprojekt, das auch die Frage der Tramgleislage umfasst, nicht vor 2028 startet, werden nun Sofortmassnahmen umgesetzt. Sie sollen dafür sorgen, dass der Durchgangsverkehr auf der Quartierstrasse schwindet. Dazu gehören unter anderem Engstellen in der Fahrbahn sowie breite grüne Bänder zur Markierung der Velovorzugsroute.

Noch in weiter Ferne schwebt die Umsetzung einer neuen Fuss- und Velo­brücke zwischen den Kreisen 4 und 5. Die 530 Meter lange Brücke soll vom PJZ über das Gleisfeld hinweg zum Geroldareal führen und bis zu 8 Meter breit sein, mitsamt grosszügigem Grünstreifen in der Mitte. Rangosch sprach von einem «wichtigen Projekt an einem wichtigen Ort». Das Vorhaben gestalte sich aber vor allem wegen der Sicherheitsanforderungen für Bauten über Bahninfrastruktur sehr komplex. Es gebe noch sehr viele Fragen zu klären, so dass das Brückenprojekt frühestens 2027 dem Stimmvolk vorgelegt werden könnte.

Das Schlusswort gehörte Franz Hollinger von der ZKB: Der Immobilienportfolio-Manager berichtete engagiert über gezielte Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt und zur Hitzeminderung im Aussenbereich von 35 ZKB-Standorten. Dabei geht es um die Umgestaltung von insgesamt 65 000 m2 Fläche zu einem Wildblumen- und Wildbienenparadies.

Am Standort Neue Hard im Kreis 5 wurde unter anderem ein grosser Dachgarten mit Wildblumen und Beerensträuchern angelegt. Zusätzlich sollen nun 400  m2 Fläche in der Kurve zum Viadukt entsiegelt und nach dem Prinzip «Schwammstadt» die Regenwasserspeicherung verbessert werden. Davon profitieren werden vor allem die fünf geplanten grossen Wildkirschenbäume. Auch mit kleinen Projekten könne man fürs Stadtklima viel erreichen, gab sich Hollinger überzeugt.

Wann kommt die Nebelwolke?

Im Gegensatz zu früheren Diagonal-Veranstaltungen fiel die Fragerunde diesmal recht zahm aus. Ein Quartierbewohner wollte wissen, ob er sich als Velofahrer auf der umgebauten Hardturmstrasse im  Fussgängerbereich bewegen werde? Nein, in Koexistenz mit den Autos, stellte Rangosch klar. Und was wird zur Hitzeminderung auf dem Südtrottoir getan? Als Sofortmassnahme werde es Pflanztröge mit Bäumen geben, so Rangosch. Begrünung und Entsiegelung im grösseren Stil könnten aber erst mit dem de­finitiven Projekt umgesetzt werden. Im ­Hitzespot Kreis 5 wartet man zudem sehnlichst auf die letztes Jahr angekündigte Sprühnebelanlage auf dem Turbinenplatz. Sie solle im Juli realisiert werden, versprach Rangosch.

Lisa Maire