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Leserbrief
Stadt Zürich
27.06.2022
27.06.2022 07:17 Uhr

Stadt Zürich spekuliert

Der Uetlihof.
Der Uetlihof. Bild: Lisa Maire
Grundsätzlich ist es nicht Aufgabe einer Kommune, vermietbare Gewerbeliegenschaften zu erwerben.

«Stadt will über 1,2 Milliarden Franken ­ausgeben», Ausgabe 12. Mai

Grundsätzlich ist es nicht Aufgabe einer Kommune, vermietbare Gewerbeliegenschaften zu erwerben. Bekannt sind  vom Liegenschaftenkauf Brunau nur Daten aus Medien, für eine Wertermittlung sind jedoch alle nicht vorliegenden relevanten Verträge von Belang, auch der Mietvertrag mit allen Details bis hin zu den Unterhaltspflichten und allfälligen langjährigen Sicherheiten für den Vermieter. Grundlage für den Verkauf der Liegenschaft an den Norwegischen Staatsfonds, die heutige Verkäuferschaft, war eben der Mietvertrag mit der damals eher noch solventen Mieterschaft Credit Suisse, ein damals typischer Verkauf- und Rückmietvertrag durch die veräussernde Credit Suisse. Bereits damals war dieser Liegenschaftenverkauf eine Notwendigkeit seitens der Finanzmarktaufsicht gegenüber der Credit Suisse. Deren Rating fällt seither. Damit ist der auf sichere Anlagen fokussierte Staatsfonds wohl nicht mehr an diesem Geschäft interessiert. Jeder mögliche Käufer spekuliert nun darauf, dass der Mietvertrag eingehalten wird. Hoffnungen und Pläne bezüglich der Verwendung der Liegenschaft nach dem Jahr 2037 sind weit weg.

Zu beurteilen ist die heutige Situation. Bei einem Worst-Case wird die heutige Mieterin während Jahren den vereinbarten Mietzins nicht bezahlen, allenfalls droht ein jahrelanger Leerstand – alles zulasten der Käuferin, eventuell dann der Stadt Zürich. Das Gebäude ist durch die Mieterin für die eigene Nutzung erneuert worden, dennoch bald 50 Jahre alt und muss irgendwann abgebrochen und für viele Millionen entsorgt werden. Der neuen Eigentümerschaft bleibt eine Forderung mit allen weiteren Gläubigern der Credit Suisse mit ungewissem Zahlungseingang. Ein solcher Fall bedeutet einen Immobilienwert von etwa 600 Millionen Franken, immer noch weit mehr als 10 000 Franken pro Quadratmeter, und dies ist für den kommunalen Wohnungsbau viel zu teuer. Die Verkäuferschaft erhielt in den letzten zehn Jahren mehr als 400 Millionen Franken Mieteinnahmen und so eine faire Rendite. Mit höheren Kapitalzinsen steigen die Risiken zusätzlich. Deshalb ist bereits ein Kaufpreis über 600 Millionen Franken eine Spekulation, dies zeigten die vergangenen Immobilien­krisen deutlich.

Rolf Walther, 8048 Zürich