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Leserbrief
Zürich West
27.06.2022
27.06.2022 18:59 Uhr

Überdimensionierter SZU-Bahnhof, den niemand will

Die SZU-Haltestelle Friesenberg soll verlegt werden.
Die SZU-Haltestelle Friesenberg soll verlegt werden. Bild: hot
Die SZU plant, ab 2024 die Haltestelle Friesenberg der Uetlibergbahn an den Agnes-Robmann-Weg zu verschieben, mitten in ein Wohngebiet.

Die SZU plant, ab 2024 die Haltestelle Friesenberg der Uetlibergbahn an den Agnes-Robmann-Weg zu verschieben, mitten in ein Wohngebiet. Es soll zwei erhöhte Perrons geben, und der Gleis­betrieb wird doppelspurig geführt. Dies alles, weil vor fast zwei Jahrzehnten im Richtplan eine Haltestelle eingetragen wurde.

Wenn man sich die Pläne ansieht, wird ersichtlich, dass alle Bäume entlang des Weges gefällt werden. Wo jetzt ein lebendiger Grünstreifen ist, wird eine erhöhte Betonschneise gebaut. Als Anwohnerin und Biologin kann ich nur den Kopf schütteln. Noch bis vor drei, vier ­Wochen standen am Agnes-Robmann- Weg Schilder, die Velofahrende bitten, auf die Bergmolche und Erdkröten zu achten, die jeweils von Anfang März bis April den Agnes-Robmann-Weg kreuzen. Diese Schilder wird man sich künftig sparen können, die Amphibien werden keine Chance mehr haben.

Als ich vom Projekt erfahren habe, habe ich bei der schweizerischen Amphibien- und Reptilienstelle Karch, bei Pro Natura Zürich und auch bei der Amphibienstelle von Grünstadt Zürich nachgefragt, ob sie nicht die Möglichkeit hätten, etwas gegen diese Pläne zu unternehmen. Obwohl die meisten Stellen davon wussten, lautete die Antwort unisono, die SZU sei zu stark, gegen die Bahn könne man nichts machen.

Ich frage mich: Warum will die SZU ­einen überdimensionierten Bahnhof bauen, den niemand will? Die grossen Menschenmassen sind in der Binz, dem Industriequartier. Und das Hauptargument der SZU, man müsse den Bahnhof behindertengerecht aufstellen, ist hinfällig, auf den Plänen sieht man, dass die Perronzugänge beim Alters- und Pflegeheim Gehrenholz als Treppe vorgesehen sind.

Auch beim aktuellen Umstromungsprojekt von Gleich- auf Wechselstrom läuft es seltsam. Die SZU wäre eigentlich verpflichtet, die Strahlungswerte einzuhalten. Allerdings gibt es keine Kontrollstellen. Das Wort «Eigenkontrolle» ist in den Unterlagen zu lesen. Wenn man sich die Situation vor Ort ansieht, wird sofort klar: Die Strahlungswerte können gar nicht eingehalten werden. Zudem wurde das Projekt nie für die Anwohnenden sichtbar ausgesteckt, eine Einsprache war damit auch nicht möglich. Auf Nachfrage, ob man die Unterlagen und die Fotos von der Aussteckung 2019 sehen könne, heisst es von Seiten SZU, es gäbe keine.

Désirée Sterchi, 8055 Zürich