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Zürich 2
30.06.2022
30.06.2022 07:34 Uhr

Wollishofer Eltern kämpfen weiter gegen Kinderhort-Abschaffung

Das Kinderhaus Entlisberg.
Das Kinderhaus Entlisberg. Bild: Karin Steiner
In Wollishofen brodelt es schon lange. Der Grund: Der Hort der Schule Entlisberg soll ab Schuljahr 2023/2024 einer stationären Wohngruppe für Kinder im Vorschulalter weichen. Die Eltern wollen diesen Entscheid nicht akzeptieren.

Karin Steiner

Das Kinderhaus Entlisberg mit seinen Grünanlagen und Spielplätzen ist ein wahres Paradies für Kinder. 1911 wurde es als Waisenhaus erbaut, wird aber seit 1991 als Kinderhaus genutzt. Darin befinden sich verschiedene Kitas, Säuglings-, Kleinkinder- und Hortgruppen, Schicht- und Entlastungsbetreuung sowie Kriseninterventionsplätze.

Auch die Schule Entlisberg hat sich dort seit vielen Jahren eingemietet und bietet Platz für 35 Hortkinder. Doch damit soll auf Ende des Schuljahres 2022/2023 Schluss sein: Der ehemalige Schulkreispräsident Roberto Rodriguez (SP) hat den auslaufenden Vertrag mit dem Sozial­departement, dem das Kinderhaus untersteht, nicht mehr verlängert. Seiner Meinung nach sollte das Schul- und Sportdepartement in eigenen Räumen und mit eigenem Personal die Hortplätze sicherstellen. Und auch seine Nachfolgerin Jacqueline Peter (SP), seit 2021 Präsidentin im Schulkreis Uto, will an diesem Entscheid nichts ändern.

Eltern kämpfen weiter

Das Sozialdepartement hat inzwischen andere Pläne für die frei werdenden Räume: «Im Auftrag des Amtes für Jugend- und Berufsberatung Kanton Zürich soll hier eine stationäre Wohngruppe für Kinder im Vorschulalter mit aufgebaut werden», teilt Sarah Jost von den Sozialen Betrieben der Stadt Zürich auf Anfrage von «Zürich 2» mit.

«Dieses Angebot ergänzt das bereits bestehende Angebot der Krisenintervention.» Damit dient das Kinderhaus Entlisberg wieder mehr seiner ursprünglichen Bestimmung.

Eine Gruppe engagierter Eltern will dies jedoch nicht hinnehmen. Nachdem im März 2021 die Eltern der «Farbtupfächind» darüber informiert worden waren, dass der Hort im Kinderhaus Entlisberg ab Sommer 2023 aufgelöst und in den Schulen und angemieteten Räumen rund um das Kinderhaus untergebracht wird, regte sich grosser Widerstand im Quartier. Eine Elterngruppe bildete sich und suchte das Gespräch mit Jacqueline Peter und dem zuständigen Stadtrat Filippo Leutenegger – ohne Erfolg.

«Stossen kaum auf offene Ohren»

Auch wurden gegen 500 Unterschriften für eine Petition gesammelt, die dem Stadtrat übergeben werden soll. Die Eltern beanstanden, dass die anderen Hortplätze zu wenig Grün für Aktivitäten im Freien bieten. Sie wünschen, dass die Hortplätze wenigstens erhalten bleiben, bis die Tagesschule eingeführt wird. Und das ist im Fall Schule Entlisberg voraussichtlich erst 2029/2030 der Fall.

«Das Kinderhaus mit seiner Umgebung ist ein Paradies», sagt Jeannette Amos, die seit 39 Jahren in Wollishofen lebt und gerne gehabt hätte, dass auch ihr kleiner Sohn im Kinderhaus in den Hort hätte gehen können. «Die Horte der Schulen sind nicht vergleichbar mit dem Kinderhaus. Es wäre schön gewesen, wenn der Hort wenigstens bis zur Tagesschule weiter bestanden hätte.»

Zudem befürchten die Eltern, dass der Raum in den bestehenden Horten immer begrenzter wird, weil das Quartier rasant wächst. «Wir sind überzeugt, dass es ­möglich wäre, wenigstens einen Teil der Räume im Kinderhaus Entlisberg weiter nutzen zu können», sagen Vertreterinnen und Vertreter der betroffenen Elterngruppe. «Leider stossen wir bei den ­Behörden kaum auf offene Ohren. Für uns ist alles zu wenig transparent, und die Kommunikation lässt zu wünschen übrig.»

Karin Steiner