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Von Asphaltwüsten und Hochhausmythen

Brigitte Fürer.
Brigitte Fürer. Bild: zvg
Es mutet bizarr an, wenn der Kauf der CS-Gebäude damit ­begründet wird, dass Arbeitsplätze der CS gesichert werden.

Brigitte Fürer, Gemeinderätin Grüne Kreis 4 und 5

Wie wertvoll Bäume und unversiegelte Flächen sind, ist an Hitzetagen für alle spürbar. Leider ist in Zürich immer noch Asphalt von Fassade zu Fassade Trumpf. Neustes Beispiel: die Umgestaltung der Zollstrasse. Es wurden zwar zusätzliche Bäume gepflanzt und einzelne Veloabstellflächen ent­siegelt. Doch sonst herrscht Asphaltwüste vor. Da frage ich mich schon, wieso es trotz zig Vorstössen im Parlament nicht gelingt, das Tiefbauamt endlich zu einer integralen Gestaltung des öffentlichen Raumes zu bewegen. Ein Versagen, das auf Jahre hinaus spürbar bleibt.

Die gut gemeinten Postulate der SP, die fordern, Haltestellendächer zu begrünen, schaffen da wenig Abhilfe. Erfreulicherweise erkennt auch die FDP an, dass es Schatten braucht. In den wenigsten Fällen sind dazu aufwendige Stahlkonstruktionen nötig, wie sie in ihrem Postulat fordern. Statt Haltestellendächer zu begrünen und den öffentlichen Raum mit Rankgerüsten zu verstellen, sind Bäume weitaus ökologischere Schattenspender. Das ist wenig innovativ, aber grundsolide und effektiv und sie bringen eine Kühlung um bis zu 8 Grad.

Apropos Uetlihof: Der Gemeinderat hat es dem Stadtrat versagt, dass er für diesen Bürokoloss mitbieten kann. Eine aktive, strategische Bodenpolitik ist essenziell. Es mutet aber schon etwas bizarr an, wenn der Kauf dieser Gebäude unter anderem damit begründet wurde, dass damit die Arbeitsplätze der CS gesichert werden können. Ein weiteres Argument war, dass mit dem Kauf, falls die Stadt dann den Zuschlag erhalten hätte, auch hätte verhindert werden können, dass das Areal von einem nicht genehmen Immobilienfonds gekauft wird.

Die SP wird nun nicht müde hinauszuposaunen, dass nach der Ablehnung im Gemeinderat die Stadt auf die Entwicklung an diesem Ort keinen Einfluss mehr hat. Es scheint, dass die SP kein Vertrauen in die öffentlich-rechtlichen Planungs­instrumente und ihren Stadtrat hat. Dass dieser Büro­koloss mit sechs Untergeschossen in einer Wohn­zone erstellt werden konnte, ist eine interessante Frage. Für mich war aber ausschlaggebend, dass diese Gebäude kein Potenzial haben. Ein Totalabriss ist aus Netto-Null-Überlegungen ein No-Go. Wo war die Stadt eigentlich, als der Bürokoloss von der CS dem norwegischen Staatsfonds verkauft wurde?

Das Amt für Städtebau hat aus der Werkstatt zum Hochhausleitbild berichtet und zum Dialog geladen. Dass Hochhäuser für die Innenentwicklung notwendig sind und damit zusätzlicher Freiraum ermöglicht wird, bleibt ein Mythos. Darüber täuschen weder Dialogveranstaltung noch Visualisierungen mit viel Grün, wie zum Beispiel an der Heinrichstrasse, hinweg.

In der Rubrik «Aus dem Gemeinderat» schreiben Volksvertreterinnen und Volksvertreter regelmässig einen ­Beitrag. Alle im Stadtparlament vertretenen Parteien ­bekommen hierzu regelmässig Gelegenheit. Die Schreibenden äussern im Beitrag ihre persönliche Meinung.

Brigitte Fürer, Gemeinderätin Grüne Kreis 4 und 5