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Zürich 2
07.07.2022
08.07.2022 14:55 Uhr

Das Generationentheater Kreis 2 lebt

Roses Ärztin bewundert die junge Tänzerin – und macht sie mit ihrer ärztlichen Autorität von sich abhängig.
Roses Ärztin bewundert die junge Tänzerin – und macht sie mit ihrer ärztlichen Autorität von sich abhängig. Bild: jfk
Die Bedeutung der Generationenbeziehungen für Familie und Gesellschaft öffentlich zur Diskussion stellen: Dieses Ziel verfolgt das neue Stück «Rose – ich will leben». Ein Blick in die Geschichte des Generationentheaters.

Hansueli Schürer  *

Wie Generationen zusammenleben, beeinflusst den Zusammenhalt und das Funktionieren unserer Gesellschaft. Es ist entscheidend, was eine Generation der nächsten weitergibt durch das, was sie ihr vorlebt und was sie ihr bewusst oder unbewusst als Werte und Vorbilder vermittelt. Welche Rolle spielen Grosseltern für ihre Enkel und umgekehrt? Was für Konflikte entstehen im Alltag individuell im Familienleben durch die Macken und Bedürfnisse von Jung und Alt, wenn in einer überalterten Gesellschaft immer weniger Junge für den Lebensabend von immer mehr Rentnerinnen und Rentnern aufkommen müssen?

Die Bühne ist ein wunderbarer Ort, um diese Themen anschaulich und lebendig anzugehen und zur Diskussion zu stellen. Mit den Mitteln des Theaters setzen sich die Akteure spielerisch damit auseinander und suchen nach Lösungen. Es macht Spass und gibt viel zu lachen, wenn das verloren gegangene Kind im Manne und in der Frau zu neuem Leben erweckt wird. Sie üben sich aber auch in Geduld, wenn ein Jüngling sich während der Proben immer wieder mit seinem Handy verkriecht oder ein Teenager regelmässig zu spät zur Probe erscheint, wenn ein älterer Spieler immer noch mühselig versucht, wieder auf die Beine zu kommen, während seine betagte Kollegin noch verzweifelt im Textbuch nach ihrem vergessenen Text sucht.

2019 das erste Theaterstück

Damit solche Erlebnisse zur Bühnenrealität werden, schritten im Jahr 2018 theaterbegeisterte Kirchgemeindemitglieder zur Tat und gründeten das Generationentheater Kreis 2. Ein Jahr später zeigten sie in der ersten Produktion «Gestrandet», wie eine Gesellschaft von zwölf Personen im Alter zwischen 10 und 70 Jahren auf einem Schiffsausflug im offenen Meer kentert und auf einer einsamen Insel strandet. Wie verhalten sich Jung und Alt im gemeinsamen Überlebenskampf? Einer will sich egoistisch mit seiner Partnerin von der Gruppe verabschieden, andere brauchen dringend Hilfe, eine ältere Dame erwartet Hilfe von oben und eine Jugendliche kümmert sich mehr um den angeschwemmten Abfall, der Leben zerstört, als um das persönliche Überleben. Bis ein sensationslüsterner Reporter aus dem Nichts auftaucht und allen Rettung verspricht, die ihm auf Kosten der andern zu einer fetten Geschichte verhelfen.

Nach der Pandemie gehts weiter

Dann wurde unsere globalisierte Welt vom Virus heimgesucht und das Ensemble strandete diesmal in der Realität einer Pandemie. Die Probenarbeit für ein neues Stück musste während zwei Jahren unterbrochen werden.

Im letzten Sommer ist die Gruppe zu neuem Leben erwacht und begann die Proben für das Stück «Rose – ich will leben». Die junge Tänzerin Rose fühlt sich todkrank und sucht beim alten Pfarrer Johannes Trost und Zuwendung, die sie in ihrer Kunstwelt nicht findet. Ihre Ärztin, die standes- und karrierebewusste Frau Dr. Carla Held im besten Alter, bewundert sie als Star und macht sie mit ihrer ärztlichen Autorität von sich abhängig.

Rose hadert mit ihrem Schicksal und setzt sich mit ihrem Sterben, mit Glauben, Beziehung und Hoffnung auseinander und bringt mit ihrem kritischen Blick Pfarrer Johannes ins Wanken. Die existenziellen Themen werden mit viel Herzblut lebensnah und spielerisch dargestellt und regen das Publikum zum Nachdenken an.

Ein Theater zum Mieten

Das Generationentheater sucht laufend Menschen jeglichen Alters, die sich engagieren und ihren angeborenen Spieltrieb auf der Bühne wiederfinden und ausleben wollen, die Lust haben, gemeinsam gesellschaftlich relevante Themen auf der Bühne zur Diskussion zu stellen. Und: Das Generationentheater Kreis 2 kommt zu interessierten Institutionen. Man kann es engagieren für Vorstellungen in einer Kirchgemeinde, einem Altersheim oder für den Religionsunterricht.

* Hansueli Schürer ist Leiter des 2018 gegründeten Generationentheaters im Kreis 2.

Rose – ich will leben, 27. August, 19 Uhr, 28. August, 17 Uhr. Dauer: 70 Minuten. Barbetrieb eine Stunde vor und nach den Vorstellungen. Zentrum Hauriweg, Hauri­weg 19. Auskunft/Reservation: Hansueli Schürer, schuerer@bluewin.ch

Hansueli Schürer