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Stadt Zürich
22.07.2022
22.07.2022 07:26 Uhr

«Das wird einer grünen Stadt nicht gerecht»

Bruno Enz vor dem Fussgängerübergang Butzenstrasse in Wollishofen
Bruno Enz vor dem Fussgängerübergang Butzenstrasse in Wollishofen Bild: Rahel Köppel
Der Fussgängerübergang bei der Butzenstrasse in Wollishofen werde fast nie benutzt, hält ein zuerich24-User fest. Dafür habe man viel Geld ausgegeben und Bäume gefällt, kritisiert er. Wichtig sei, kontert das Tiefbauamt, dass zu Fuss Gehende die Strasse sicher überqueren können.

Bald ein Jahr ist es her, dass das Tiefbauamt der Stadt Zürich in Wollishofen ­einen neuen Fussgängerübergang gebaut hat. 1,26 Millionen Franken wurden dafür ausgegeben. Bruno Enz, seit vielen Jahrzehnten wohnhaft in Adliswil, fährt häufig über den sogenannten «Butzenpass» und regt sich über den Bau auf. «Ich verstehe es einfach nicht. Früher war es immer ein schönes Heimkommen, durch das Wäldchen», berichtet er. «Doch dann war da plötzlich diese Baustelle.»

Die Stadt kündigte eine neue, sichere Fussgängerverbindung mitsamt Insel in der Mitte an. «Für nachhaltige Mobi­lität», hiess es auf dem Infoflyer. Enz schüttelt den Kopf. «Ich frage mich, für wessen Mobilität das nachhaltig sein soll. Ich habe noch praktisch niemanden gesehen, der diesen Übergang wirklich nutzt.»

«Demokratisch legitimiert»

Sabina Mächler, Projektleiterin Kommunikation beim Tiefbauamt Zürich, widerlegt diese Argumente. «Die Anzahl Nutzerinnen und Nutzer spielt keine Rolle, wichtig ist allein, dass diejenigen, die zu Fuss zwischen der Manegg und Wollishofen unterwegs sind, die Strasse sicher überqueren können», sagt sie. «Dieser Übergang ist im kommunalen Richtplan Verkehr eingetragen, der für das Tiefbauamt verbindlich ist. Der Richtplan wird vom Gemeinderat erarbeitet und vom Stimmvolk beschlossen. Diese Aufträge sind folglich demokratisch legitimiert.»

Die Überbauung Greencity sorgte bereits für einen unversiegelten, öffentlichen Fussweg, der durch den Wald bis zur Butzenstrasse führt. Dort, wo der öffentliche Fussweg endet, hat das Tiefbauamt den Fussgängerübergang über die Butzenstrasse erstellt. Dieser verbindet den öffentlichen Fussweg mit dem oberhalb der Böschung liegenden Fuss- und Radweg und schliesslich mit der Fussgängerüberführung Hesenlooweg nach Wollishofen.

Fahrspuren wurden verbreitert

Enz fühlt auch mit den Auto- und vor allem mit den Busfahrerinnen und -fahrern mit. «Ich will mir nicht vorstellen, wie mühsam es ist, die Verengung beim Übergang zu passieren, gerade in den Wintermonaten.» Auch findet er es schade, dass ein Teil des umliegenden Wäldchens für den Übergang abgeholzt werden musste. «Das wird einer grünen Stadt Zürich nicht gerecht!»

Doch an diese Verengung hat das Tiefbauamt beim Bau gedacht. «Um Platz für die neue Mittelinsel zu schaffen, wurde die Fahrspur Richtung Wollishofen um etwa 2 Meter in Richtung Böschung verlegt», so Sabina Mächler. «Zudem wurde diese Fahrspur bei der Mittelinsel von 3 auf 3,5 Meter verbreitert, damit genug Platz für ausschwenkende Lastwagen und Busse besteht.» Und die Fahrspur in Richtung Manegg habe man von 3 auf 3,25 Meter verbreitert. «Für Autos und Busse besteht somit genügend Platz, um die neue Schutzinsel zu passieren», betont Mächler.

Sicherheit hatte Priorität

Das Tiefbauamt arbeite zusammen mit anderen städtischen Dienstabteilungen daran, die Stadt Zürich umwelt- und klimafreundlich zu gestalten. «Der Erhalt von Begrünung hat für das Tiefbauamt ein besonders hohes Gewicht», erzählt Mächler. «Jedoch müssen bei jedem Strassenbauprojekt verschiedene Inte­ressen und Bedürfnisse abgewogen werden.» In diesem Fall hatte die Schaffung eines sicheren und direkten Fusswegs zwischen der Manegg und Wollishofen oberste Priorität. Zusammen mit Grün Stadt Zürich habe das Tiefbauamt Alternativen geprüft und diejenige mit dem geringsten Eingriff in die bestehende Vegetation gewählt.

«Kleiner Nutzen für hohe Kosten»

Bruno Enz wäre auf jeden Fall auch gut ohne den Übergang ausgekommen. «Ich sehe wirklich praktisch niemanden, der ihn nutzt», sagt er. «Für mich ist es ein zu kleiner Nutzen für solch hohe Kosten für die Natur und die Stadtkasse.»

Rahel Köppel