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Stadt Zürich
19.07.2022
20.07.2022 08:38 Uhr

Der Grosse Hitzereport - Rekord beim PJZ mit 43 Grad

Der Eingang zum Polizei- und Justizzentrum Zürich (PJZ) ist voll gegen Süden ausgerichtet. Schwarzer Teer  begünstigt die Hitzebildung. Die Folge: 43 Grad Celsius im Schatten.
Der Eingang zum Polizei- und Justizzentrum Zürich (PJZ) ist voll gegen Süden ausgerichtet. Schwarzer Teer begünstigt die Hitzebildung. Die Folge: 43 Grad Celsius im Schatten. Bild: ls.
Der 19. Juli war der bisher heisseste Tag des Jahres. Doch wie realistisch sind die Temperaturmessungen von Meteo Schweiz? zürich24.ch hat den Test gemacht.

Dienstag, 19. Juli 2022. Für heute ist der bisher heisseste Tag des Jahres angesagt. Bemerkenswert ist, dass Meteo Schweiz die für Zürich geltende Temperatur in Zürich-Fluntern misst. Dort, wo Jahrzehnte Meteo Schweiz seinen Hauptsitz hatte - bevor man vor einigen Jahren an den Flughafen zügelte. Bemerkenswert darum, weil die Messstation  auf 556 Meter über Meer liegt, der Zürichsee aber gut 150 Höhenmeter tiefer. Kurzum: Ist es in Zürich nicht oft viel heisser als offiziell gemessen?

Um 16 Uhr ist es laut Meteo Schweiz gut 34 Grad in Zürich. Das könnte herkommen, auf dem (schattigen) Balkon des Chronisten ist es aber schon 36 Grad (beim Schaffhauserplatz). Also auf zum Test. Bei der Walche, dem Bürostandort des Kantonalen Baudirektors Martin Neukomm sind es 35,5 Grad im Schatten. Weiter geht's zur berühmt-berüchtigten Europaallee. Diese wird oft zitiert, wenn es um problematische Hitzeinseln geht. Tatsächlich: Hier werden - im Schatten - 37 Grad Celsius gemessen. Der Platz mit der gefühlt stehenden Luft wirkt tüppig, ja heiss. Dies darum, weil die Europaallee mit den hohen Häuserzeilen quer steht zu den Fallwinden vom Uetliberg. So zumindest die Erklärung von Experten.

 

 

Heiss ist es vor dem PJZ - auch im Schatten. Das ist Rekord heute! Bild: ls.

Gegen 16.45 Uhr komme ich beim Polizei- und Justizzentrum in Aussersihl an. Der wie eine Trutzburg wirkende Bau hat eine Fassade aus eher hellem Walliser Gestein. Doch die Bodenflächen rundherum sind alle schwarz geteert. Der Eingang ist gestaltet wie ein Kessel. Kein Wunder, schnellt hier das Thermometer in die Höhe. Sagenhafte 43 Grad im Schatten können hier gemessen werden. Wobei der Schatten einzig von einem hohen, dünnen Kunstobjekt mitten auf dem kahlen Platz herrührt. Das eben erst eröffnete PJZ glänzt also durch einen künstlich erzeugten Hitzehotspot. Der Name des Architekten: Theo Hotz. Der Name des Auftraggebers: Der Kanton Zürich. 

Kann es noch heisser werden? Der Weg führt nun der Hohlstrasse entlang zum Bahnhof Altstetten. Hier steht mittendrin auf der Hohlstrasse das Sackbahnhöfli der Limmattalbahn. Eröffnet wird die Linie im Dezember 2022. Jetzt brutzeln erst einmal die Haltestellen vor sich hin. 38,5 Grad heiss ist es auf den (schattigen) Holzbänken der beiden überdachten, halboffenen Wartehäuschen. Etwa Grün sucht man weitherum vergeblich. Ist das noch zu toppen? Ja, am Farbhof, gut einen Kilometer weiter Richtung Schlieren. Hier wurde die Wendeschlaufe des 2er-Trams mit doch einigem Grünraum ersetzt durch eine riesige, voll versiegelte Kreuzung und eine doppelte Tramweiche mit den Abzweigungen Bahnhof Altstetten und Lindenplatz. Hier ist es gemessene 39 Grad heiss, wiederum im Schatten der halboffenen Wartehäuschen. Bauliche Hitzeminderungen? Fehlanzeige. Der Bauherr hier: Die Stadt Zürich.

 

Der kleine Sackbahnhof der Limmattalbahn steht voll in der prallen Sonne. Bild: ls.
Hier war mal die Wendeschlaufe Farbhof. Jetzt ist es ein hitziges Strassen- und Geleisegewirr. Bild: ls.

Nun rast der Puls und der Schweiss läuft. Zeit für einen Abstecher auf den Turbinenplatz. Genau, das ist jener Platz, wo die Stadt kürzlich eine künstliche Wasserwolkenapparatur vorgestellt hat. Ein Test, wie es an einer Medienkonferenz hiess. Etwas über 35 Grad ist es unter dem kreisrunden Gestänge. Der Wassernebel nützt also ein bisschen, auch wenn das meiste Wasser oben weggewindet wird. 

Auf dem Heimweg dann noch eine Pause bei der Wipkingerbrücke. Hothothot! Das VBZ-Wartehäuschen bietet zwar ein wenig Schatten, doch die gemessenen 39 Grad sind mehr als spürbar. 

Also auf zu einem Brunnen. Hat es nicht einen auf dem Schaffhauserplatz? Doch leider..... ist er ausser Betrieb. Schon seit Wochen wartet die Wasserversorgung auf ein fehlendes Pumpenteil, das kaputt gegangen ist. Die Temperatur hier: 38 Grad. Ein kleiner Jux: In der Sonne schnellt das Thermometer auf 48 und mehr Grad hoch.

Da kommt der Coop Pronto gerade recht zur Abkühlung. Mittlerweile ist es 18.30 Uhr. Laut Meteo Schweiz ist der Hitzehöhepunkt für heute mit 34,2 Grad erreicht. Im Laufe der Nacht sinkt das Thermometer wohl sogar unter 20 Grad, zumindest am Züriberg auf 556 Meter über Meer und doch einigen Bäumen in der Umgebung. 

Leicht kühler ist es unter dem Wassernebelring der Stadt auf dem Turbinenplatz. Bild: ls.
Der Brunnen am Schaffhauserplatz ist wegen Reparaturarbeiten kein kühler Ort. Im Gegenteil. Bild: ls.
Und jetzt ein kühles Getränk:-) Bild: ls.
Lorenz Steinmann