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Stadt Zürich
29.07.2022
29.07.2022 10:54 Uhr

«Meteo Schweiz nimmt das Stadtklima sehr ernst»

Meteo Schweiz misst die für Zürich massgebende Lufttemperatur hier im Quartier Fluntern nahe beim Zoo. Da herrscht gute Durchlüftung und es hat viele Bäume.
Meteo Schweiz misst die für Zürich massgebende Lufttemperatur hier im Quartier Fluntern nahe beim Zoo. Da herrscht gute Durchlüftung und es hat viele Bäume. Bild: ajm.
Zuerich24.ch hat bei Meteo Schweiz nachgefragt, warum diese Schweizerische Instanz für Wetter und Temperatur so hoch oben und fast beim Zoo die Lufttemperatur für Zürich misst.

Ist die Temperaturmessung für Zürich in Zürich-Fluntern tatsächlich repräsentativ? Die Messstelle liegt doch gut 150 Meter über Seehöhe und eher abseits der grossen Wohngebiete.
Cornelia Schwierz von der Abteilung Klima in Zürich-Kloten: Die Messstationen von Meteo Schweiz werden gemäss Vorgaben der Weltorganisation für Meteoro­logie (WMO) so aufgestellt, dass sie von ­Hindernissen oder Wärmequellen in der Umgebung möglichst nicht beeinflusst werden. Je nach Güte der Aufstellung werden die Stationen in verschiedene Klassen eingeteilt. Für Klasse 1 muss die Tempe­raturmessung über Gras vorgenommen werden und im Umkreis von 100 Metern darf sich keine Wärmequelle wie ein Haus, eine Strasse oder ein Platz befinden. Stadtnahe Stationen von Meteo Schweiz wurden deshalb im Laufe der Geschichte auch immer wieder an peripherere Lagen gezügelt, um vom städtischen Wärme­inseleffekt möglichst unbeeinflusst zu sein. Die Messstationen sollen für ein grösseres Gebiet repräsentativ sein und aus den langjährigen Messreihen soll die Klimaentwicklung sichtbar werden.

Dann weiss auch Meteo Schweiz, dass es in Zürich eigentlich heisser ist als gemessen?

Meteo Schweiz ist die Wichtigkeit der Stadtklima-Thematik sehr bewusst. Neben der flächendeckenden Messung der gesamten Schweiz haben wir klar auch ein Interesse und den Auftrag, Grundlagen in Städten zu liefern. Wir arbeiten mit Partnern (zum Beispiel anderen Bundesstellen und kantonalen Ämtern) zusammen, welche solche Messungen ausführen. Dadurch ist es möglich, Aussagen zu Unterschieden zwischen unseren Messungen und der Temperatur in der Stadt zu machen. In der Stadt Zürich etwa wird im Rahmen des Nationalen Beobachtungsnetzes für Luftfremdstoffe (NABEL) eine Messstation im Kasernenareal und vom AWEL im Rahmen des Luftqualitätsmonitorings Messstationen an verschiedenen Standorten mit stark befahrenen Strassen betrieben. Auf Basis dieser Daten kann der städtische Wärmeinseleffekt dann quantifiziert werden. Wir haben in letzter Zeit einige Publikationen dazu veröffentlicht. Besonders relevant sind beim Wärme­inseleffekt ja die Nächte, in denen der Unterschied zum Umland besonders gross wird. 

Vertiefende Info: www.meteoschweiz.admin.ch

Stichwort «Hitzeperioden»

Die Entwicklung verschlafen?
Warum werden in Zürich trotz immer höherer Temperaturen Asphaltplätze ohne Bäume gebaut? Den früheren Chefbeamten und Landschaftsarchitekten Peter Stünzi frustriert dies, wie er in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» betont. «Seit 35 Jahren weiss Zürich, dass die Hitze ein Problem wird», so der 76-Jährige. Man habe damals viel Grün, Bäume, Durchlüftungskorridore und freie Gewässerräume vorgeschlagen. Nur habe dies niemanden interessiert.
Vorwärtsmachen will diesbezüglich der Verein umverkehR. Es sei höchste Zeit, gegen die Hitzesommer Mass­nahmen zu ergreifen. Dafür wurde in Zürich die Stadtklima-Initiative ein­gereicht. Denn laut Experten werden Hitzewellen wie die jetzige, die bisher nur ungefähr alle zehn Jahre auftraten, zur Regel. Das hat Folgen: Die Sommerhitze sei für die Bevölkerung eine gesundheitliche Belastung. In Städten ist die Hitzebelastung besonders gross. Darum müssen Städte und Agglomerationen laut den Initianten so umgestaltet werden, dass sie auch bei zunehmender Sommerhitze eine angenehme und gesunde Aufenthalts- und Wohnqualität bieten. Die Unterschriften wurden eingereicht, abgestimmt wird nicht vor 2023. (ls.)

Lorenz Steinmann