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Leserbrief
Zürich Nord
28.07.2022
30.07.2022 09:52 Uhr

Tschüss Züriberg

Anstelle eines Einfamilienhauses an der Aprikosenstrasse wurde ein 16-Familien-Haus gebaut. Nun passiert an der Saatlenstrasse (Bild) Ähnliches. Der Schaden sei irreparabel.
Anstelle eines Einfamilienhauses an der Aprikosenstrasse wurde ein 16-Familien-Haus gebaut. Nun passiert an der Saatlenstrasse (Bild) Ähnliches. Der Schaden sei irreparabel. Bild: zvg.
Vor über 40 Jahren sind wir nach Schwamendingen gezogen, haben geheiratet, eine Familie gegründet und verbrachten über 20 schöne Jahre im Mehrfamilienhaus an der Herzogenmühlestrasse 12 beim Schwamendingerplatz.

Wie es im Leben so geht, hatten wir das Glück und die Freude, an der Saatlenstrasse 32 im Jahr 2004 unsere «Alterswohnung» zu beziehen. Der wunderschöne Blick auf den Züribergwald in allen vier Jahres­zeiten hat uns immer stark beeindruckt.
Im Wissen, dass mit dem politischen «Schlungg» die Abschaffung des sogenannten Zürcher Untergeschosses in
der Bau- und Zonenordnung (BZO) 2014 verankert wurde und die Häuser um ein Vollgeschoss höher als bisher gestaltet werden dürfen, haben wir die bisherigen Tage noch bewusster gelebt.
Die Auswirkung dieser fatalen Änderung hat in unserem Quartier im Jahr 2017 mit dem Abriss des Einfamilienhauses an der Aprikosenstrasse 5 begonnen. Als von der Stadt bewilligter Ersatzneubau steht heute ein 16-Familien-Haus mit Ministudios ohne Balkone und einer kleinen Attikawohnung. Von einem lukrativen Investorenangebot haben sich nun auch die Eigentümerschaften der Saatlenstrasse 30 und 34 blenden lassen und haben verkauft. Die Visierstangen stehen und zeigen an, dass wir das Herbst-Rotgrün des Züribergwaldes wohl das letzte Mal sehen werden.
Nachdem wir in der Stadt Zürich geboren sind und nun im Ruhestand sind, wird uns die Sicht auf die Rotgrün-Waldverfärbung von Rot/Grün genommen – dieser Schaden ist irreparabel – und darum wird auf «Tschüss Züriberg» eventuell sogar «Tschüss Züri» folgen.

Martin Büchler