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Züriberg
03.08.2022
05.08.2022 11:21 Uhr

Engagement für das Leben im Alter

Sarah Müller ist neu Leiterin des Kluspark.
Sarah Müller ist neu Leiterin des Kluspark. Bild: jg.
Sarah Müller, die selber im Quartier wohnt, leitet seit kurzem das städtische Gesundheitszentrum für das Alter Klus Park. Das schöne Anwesen ist auch bei der Bevölkerung beliebt. Der Park ist jeden Tag von 7 bis 19 Uhr öffentlich zugänglich.

Um sich mit alten Menschen zu befassen, braucht es grosses Einfühlungsvermögen, Empathie und Interesse an deren Leben. Diese Voraussetzungen bringt Sarah Müller offensichtlich mit. Sie bewarb sich auf die Stellenausschreibung als Betriebs­leiterin für das städtische Gesundheitszentrum für das Alter Klus Park.
Mit ihren beruflichen Erfahrungen als Gastgeberin, Organisatorin und in der Personalführung fühlte sie sich in der Lage, die an sie gestellten Erwartungen zu erfüllen. Ihre Vita ist seitenfüllend. Erwähnenswert und sicher mitausschlaggebend war der CAS «Leben im Alter», ein Zertifikatsstudiengang der Universität Zürich. Ihre Laufbahn hatte sie mit einer Lehre als Buchhändlerin bei Orell Füssli gestartet, dann folgten: Ausbildung als PR-Assistentin, Diplomkurs Event-Kommunikation, Lehrgang als Betriebsökonomin und vieles mehr. Ihre Hobbys sind Wandern, Lesen und Schwimmen. Gerade eben hat sie ihre dritte Seeüberquerung absolviert. Sarah Müller ist verheiratet, Mutter von zwei erwachsenen Söhnen und wohnt zusammen mit ihrem Ehemann im Quartier.
Und nun ist die umtriebige Frau seit 1. Mai dieses Jahres Leiterin des städtischen Gesundheitszentrums Klus Park mit 60 Mitarbeitenden. Wie lautet ihr Credo im neuen Job? «Es ist mir und meinem Team ein Anliegen, den Bewohnerinnen und Bewohnern ein warmherziges Zuhause zu bieten. Wir setzen uns dafür ein, dass sie ihr Leben nach eigenem Gutdünken gestalten können, aber wir unterstützen sie gerne bei Bedarf in jeder Hinsicht.» Zu Müllers Aufgaben gehören auch das vielfältige Kulturprogramm, die Ausflüge und sämtliche Aktivitäten. Dazu kommt die Unterbringung der «Neulinge» im Gesundheitszentrum, jene Menschen also, die sich entschieden haben, ihre Wohnform zu ändern – aus sozialen oder gesundheitlichen Gründen.

Ehemals das Spital Theodosianum

Das Gesundheitszentrum für das Alter – wie es seit zwei Jahren offiziell heisst (ehemals Alterszentrum, ganz früher Altersheim) – liegt inmitten eines weitläufigen Parks. Das ursprüngliche Spital Theodosianum wurde 1970 von der Stadt Zürich erworben und als Altersheim umgenutzt. Und dies dank der ersten Frau als Stadträtin und Vorsteherin des Sozialamts, Emilie Lieberherr, die in ihrer Amtszeit von 1970 bis 1994 22 Altersheime bauen liess. Der Park mit seinen schattenspendenden alten Bäumen umrahmt das ­altehrwürdige Haus. Im Gesundheits­zentrum sind heute 88 Ein-Zimmer-Appartements und 6 Zwei-Zimmer-Appartements für Lebensgemeinschaften untergebracht. Erwähnenswert ist auch das sogenannte studentische Wohnen, das drei Studierenden die Möglichkeit zum Wohnen gegen Einsätze in Form von gemeinnütziger Arbeit bietet. Die Miete richtet sich jeweils nach dem geleisteten Engagement. Dazu engagieren sich auch 60 Freiwillige, die in vielen Belangen mithelfen, sei es als Begleitung für einen Arztbesuch oder ein anderes Vorhaben, als Unterstützung beim kreativen Schaffen, beim Stricken oder einer anderen Tätigkeit, die die Bewohnerinnen und Bewohner nicht mehr alleine schaffen.

Eine wunderbar grüne Oase

Der Park mit seinen Spazierwegen und dem Fischteich ist eine wunderbar grüne Oase. Es gibt viele lauschige Plätzchen und Liegewiesen zum Sichentspannen, zum Meditieren oder einfach zum Sein. Der Park darf auch von der Öffentlichkeit benutzt werden, jedenfalls von 7 bis 19 Uhr. Die Bevölkerung aus dem Quartier macht rege Gebrauch davon. Familien treffen sich, Jugendliche chillen, Kinder tollen herum. Das bietet Möglichkeiten zum Austausch zwischen Jung und Alt, was für beide Seiten eine Bereicherung sein kann. Auf der Besichtigungstour traf die Chronistin an einem dieser erhol­samen Ecken im Park auf eine neu zuge­zogene Bewohnerin, eine charmante alte Dame, Eliane Wiget. Sie sagte, sie geniesse die Idylle, betonte aber: «Es ist schade, ich muss mich oft gegenüber den Jugend­lichen durchsetzen, die den Ort allein in Beschlag nehmen und mir den Platz streitig machen wollen. Sie respektieren auch die offiziellen Öffnungszeiten nicht.»

Ein öffentliches Restaurant

Die Terrasse des Restaurants ist an prominenter Stelle ins Gebäude eingebettet. Müller stellte freudig fest: «Da das Restaurant wegen der Pandemie für Externe bis Ende Mai geschlossen war, geniessen die Gäste bei den momentan hochsommer­lichen Temperaturen den Garten umso mehr.» Geöffnet ist das Restaurant von 7.30 bis 17 Uhr.
Ein interessantes Detail darf nicht unerwähnt bleiben. Sarah Müller und ihr Mann haben eine gemeinsame Leidenschaft, die eigene Whiskybrennerei. Ironischerweise haben die zwei unterschiedlichen Bereiche, Sarah Müllers Beruf und ihr aussergewöhnliches Hobby, beide mit dem Alterungsprozess zu tun.

Jeannette Gerber