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Kultur
19.08.2022
19.08.2022 20:51 Uhr

Auf verschlungenen Wegen ins Museum

Wüstenauto der Reisegruppe um Rudolf Schmidt beim Flughafen von Bagdad am 23. Januar 1938.
Wüstenauto der Reisegruppe um Rudolf Schmidt beim Flughafen von Bagdad am 23. Januar 1938. Bild: Rudolf Schmidt, Familienarchiv Peters
Mit der Ausstellung «Wege der Kunst – Wie die Objekte ins Museum kommen» gibt das Museum Rietberg im Stadtkreis 2 seinen Besucherinnen und Besuchern ­umfassende Einblicke in die Geschichte seiner Sammlung. Und Berichte erzählen von Kunsthändlern und Archäologen.

Elke Baumann

Die Sammlung des Museums Rietberg im Zürcher Stadtkreis 2 umfasst Werke aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien ­sowie eine Abteilung mit Schweizer ­Masken. Die auf ein ganzes Jahr angelegte Ausstellung «Wege der Kunst» gibt nicht nur Einblicke in die Sammlung, sondern erzählt Geschichten zu den Objekten und den Menschen, die an ihren Wegen ins Museum beteiligt waren.

Der Parcours durch die Ausstellung ­beginnt in der Villa Wesendonck. Das historische Gebäude wurde Mitte des 19. Jahrhunderts für den deutschen Industriellen Otto Wesendonck und seine Gattin Mathilde erbaut. Unsterblich geworden ist die Villa durch Wesendoncks prominentesten Gast, den Komponisten Richard Wagner. Inspiriert durch die Nähe zu Mathilde Wesendonck schrieb er hier bedeutende Werke.

Ein Objekt wird zu Kunst

Rund 400 Exponate der Sammlung sind in vier Themen eingeteilt: Sammeln, ­Zeigen, Fragmentieren und Wissen. Die Ausstellung beleuchtet Begegnungen zwischen Menschen, Institutionen und Ländern.

Ein wichtiges Thema gilt der Präsentation der Werke. «Wie beeinflusst sie den Blick des Betrachters auf die Dinge?» oder Fragen wie: «Was ist mit den Kunstwerken geschehen? Dienten sie religiösem Gebrauch, ritueller Verrichtung, zu dekorativem Zweck oder wissenschaftlichem Studium?»

Ein Beispiel für die Veränderung eines Objektes wäre etwa ein Krug, der im Museum seine ursprüngliche Funktion, den Transport von Wasser, verliert. Stattdessen repräsentiert er die Handwerkskunst eines Volksstammes.

Textilien, Steinskulpturen, Bronze- und Keramikarbeiten, Schnitzereien sowie Malereien und Holzarbeiten werden nicht einzeln, sondern im Zusammenhang mit Dokumenten, Briefen und Fotografien aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Dabei stehen die Provenienzen der Werke im Vordergrund.

Geschenkt, gekauft oder geraubt?

Wie kommen die Exponate ins Museum? Wurden sie geschenkt, gekauft, gesammelt, geerbt oder sogar geraubt? Vor dem Erwerb eines Kunstwerkes steht eine genaue Überprüfung durch den Kurator. Sein Job ist es, alles zu unternehmen, um sicherzustellen, dass das Objekt aus legaler Quelle stammt. Das Museum Rietberg nimmt sich der Aufarbeitung der Besitzverhältnisse und der Raubkunstproblematik sowie der Verantwortung nach gerechten und fairen Lösungen an.

«Detektive auf Spurensuche» versuchen, möglichst viel in Erfahrung zu bringen. Besucherinnen und Besucher interessieren sich nämlich nicht nur für die Schönheit eines Objektes, sondern auch für dessen Vergangenheit.

Der Gang durch die Ausstellung bringt viel Wissenswertes über die Herkunft der Exponate sowie die verschlungenen Wege, die sie ins Rietberg Museum führten. Spannende Geschichten hinter den Objekten erzählen von Kunsthändlern, Sammlern, Archäologen, Katalogen, Korrespondenzen, Fotografien und Tagebüchern. Die sorgfältige Auswahl der Exponate sind Zeugen und Botschaften ferner Kulturen.

Nicht nur die Erwachsenen haben mithilfe von Touchscreens, Hörstationen und Videoprojektionen Möglichkeiten, die Wege der Kunst zu ergründen, auch das junge Publikum wird beschäftigt. Mit Stift, Knetmasse und Faltpapier können sich 5- bis 10-Jährige auf einen Kinder­parcours durch die Ausstellung machen. Wer sie sich gründlich anschauen will, muss gut zu Fuss sein, denn der Weg führt von der Villa Wesendonck aus über 20 Stationen durch sämtliche Sammlungsräume.

Museum Rietberg, Gablerstrasse 15.Dauer der Ausstellung bis 25. Juni 2023 Öffnungszeiten: Di–So 10–17 Uhr,Mi 10–20  Uhr, So 10–18 Uhr

Zur Ausstellung ist ein Katalog (Fr. 39.–) ­erschienen: «Wege der Kunst – Wie die ­Objekte ins Museum kommen»

Weitere Informationen: www.rietberg.ch

Elke Baumann