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Stadt Zürich
04.08.2022
04.08.2022 05:52 Uhr

Zwei Höngger schreiben Zürcher Geschichte

François (l.) und Yves Baer bei der Vernissage ihres Buches «Weltgeist in Zürich».
François (l.) und Yves Baer bei der Vernissage ihres Buches «Weltgeist in Zürich». Bild: Pia Meier
Die Höngger François und Yves Baer haben das gemeinsame Buch «Weltgeist in Zürich» herausgegeben. Es handelt von Zürich und Winterthur zur Zeit der Aufklärung von 1698 bis 1830, einer Epoche des Aufbruchs und Umbruchs. Diese Zeitung war an der Vernissage im «Karl der Grosse» dabei.

Pia Meier

Ist die Geschichte von Zürich nicht schon geschrieben? «Dem ist nicht so», betonte François Baer anlässlich der Vernissage von «Weltgeist in Zürich» im «Karl der Grosse» fest. Es gebe noch einiges zu recherchieren. So überrascht es nicht, dass Vater und Sohn, François und Yves Baer, bereits ein nächstes Zürcher Buch planen. Ein anwesender Historiker hielt zu seinem Erstaunen fest, dass er nicht alles gewusst habe, was im Buch stehe. Auch Regierungsrätin Jacqueline Fehr, die an der Vernissage zugegen war, hat beim ­Lesen des Buches «Weltgeist in Zürich» Neues erfahren, wie sie erzählte. Sie wies in ihrer Rede zudem darauf hin, dass der Druck für Änderungen im Staat nicht nur damals, sondern auch zu späteren Zeiten von aussen kommen musste. Was Napoleon in der Schweiz erreicht habe, erinnere an die Einführung des Frauenstimmrechts und anderes.

Geschichtsbegeisterte Familie

François und Yves Baer stammen aus einer geschichtsbegeisterten Familie. Diese Begeisterung war beiden anzumerken. Francois Baer ging bei der Vernissage mit Leidenschaft auf die verschiedenen zu dieser Zeit lebenden und das Geschehen prägenden Personen ein: Scheuchzer, Bodmer, Breitinger, Sulzer, Hirzel, Pestalozzi, Lavater und Füssli. Sie sind die bedeutenden Akteure der Zürcher Aufklärung und strahlen weit in die geistigen Hauptstädte Europas hinein.

Und die Frauen?

«Und die Frauen?» fragte ein Anwesender. «Die Frauen waren zur damaligen Zeit vor allem für den Herd und die Kinder zuständig», hielt François Baer fest. Wegen der hohen Kindersterblichkeit hätten die Frauen oft viele Kinder zur Welt gebracht. Allerdings gebe es ein paar Frauen, die im Buch erwähnt würden.

Wie sind Vater und Sohn Baer dazu ­gekommen, ein gemeinsames Buch zu schreiben? «Wirklich los ging es, als ich meinem Vater die Fotos, die ich im Grossmünsterkreuzgang von den Kapitellen gemacht hatte, zeigte», erzählt Yves Baer. «Er fand, dass man diese zeigen sollte.» Und die beiden Baer stellten fest, dass es noch kein Buch über alle Zürcher Altstadtkirchen gibt. So ergab sich das Konzept, die Zürcher Geschichte von den Menschen her und dem, was sie dachten und glaubten, zu erzählen. Das Buch «Die Zürcher Altstadtkirchen» erschien 2019.

«Weltgeist in Zürich» ist ein Buch über eine Zeit des Auf- und Umbruchs in den Städten Zürich und Winterthur, mit allen kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Aspekten. Es richtet den Fokus auf die wichtigsten Akteure der Aufklärung, zeigt ihr Wirken in ganz Europa, reist mit den Zeitgenossen Füssli, Graff, Sulzer und Lips nach London, Dresden, Berlin und Weimar und besteigt mit Schinz den Üetliberg. Zürich durfte sich seit Ende des Dreissigjährigen Kriegs und mit dem Westfälischen Frieden eine Republik nennen. Der Neubau des bestehenden Rathauses 1698 steht für dieses damalige Selbstverständnis als Stadtstaat. Er dient den Autoren als Startpunkt für die Reise durch die Geschichte Zürichs bis zum «Tag von Uster» 1830, der für die Entstehung des modernen Kantons den Ausgangpunkt bildete. Die Republik Zürich hörte auf zu existieren. Ihr Gebiet wurde als Kanton Zürich zu einem Verwaltungsbezirk der Helvetischen Republik.

Ein kulturhistorischer Führer

«Weltgeist in Zürich» ist reich bebil-dert mit zeitgenössischen Abbildungen, Kunstwerken, Karten und Plänen, aber auch mit aktuellen Fotografien aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Damit wird das Buch zu einem kulturhistorischen Führer, der auch das Auge anspricht.

Anhand architektonischer (Neu-)Bauten wie des Rathauses, der Werke von ­Zürcher Künstlern wie Johann Heinrich Füssli und der Kartierungen von Johannes Müller wird das sich wandelnde Bild Zürichs nochmals deutlich gemacht.

Pia Meier