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Zürich Nord
08.08.2022

Parkanlage Beckenhof wird saniert – und wohnlicher?

Blick in den Park, der punkto Blumenschmuck und Biodiversität Luft nach oben hat.
Blick in den Park, der punkto Blumenschmuck und Biodiversität Luft nach oben hat. Bild: Lorenz Steinmann
Grün Stadt Zürich will die historische Parkanlage Beckenhof in Unterstrass «auffrischen». Anlässlich einer Begehung zusammen mit Mitgliedern des Quartiervereins Unterstrass wurde vor kurzem über die Pläne informiert. Gewünscht wird ein Pétanqueplatz.

Pia Meier

Die historische Parkanlage Beckenhof ist eine grüne Oase im Quartier Unterstrass. In den nächsten Jahren soll der Quartierpark mit Sitzbänken sowie Kinderspielplatz sanft saniert werden. «Unser Ziel ist, die Anlage in ihrer historischen Vielschichtigkeit den Menschen von heute zur Verfügung zu stellen. Insbesondere der Baumbestand soll erhalten und ergänzt werden», hält Grün Stadt Zürich fest.

Der Quartierverein Unterstrass führte deshalb zusammen mit Grün Stadt Zürich und dem Büro für Gartendenkmalpflege und Baumbüro, Zürich eine In­formationsveranstaltung vor Ort durch. Rund 50 Interessierte nahmen am Rundgang durch den Park teil. Sie erfuhren Details zu seiner langen Geschichte und der bevorstehenden Parksanierung. Viele Fragen konnten beantwortet werden. Teilweise wurden auch kritische Hinweise von Projektleiterin Petra Schröder von Grün Stadt Zürich aufgenommen.

Mehr Bäume

Bäume aus der Barockzeit gibt es in der Parkanlage Beckenhof, ein Gartendenkmal, keine mehr, aber aus der späteren Zeit des Landschaftsgartens. Diese Bäume haben ein Greisenalter erreicht. Trotz ihres hohen Alters sind sie, bis auf wenige Ausnahmen, in einem guten Zustand und sollen erhalten bleiben. «Um Lücken zu schliessen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind, werden Bäume neu gepflanzt und bereits vorhandene Wildlinge im Sinne einer Naturverjüngung vor Ort grossgezogen», teilt Grün Stadt Zürich mit. «Vorgesehen sind rund 50 Bäume.» Ersetzt würden drei Bäume, zwei wegen der neuen Wegführung, ein weiterer ist nicht mehr vital.

Der Beckenhof war früher einer der bedeutendsten Landsitze rund um Zürich. Die Aussicht war in der Barockzeit dank der erhöhten Lage und ohne die späteren Bauten an der Stampfenbachstrasse prächtig. Bild: ETH Bildarchiv

Etwas Spezielles sind die geplanten Blumenstreifen, die in Richtung Limmat zeigen sollen. Mehrjährige Blumen sollen dazu gepflanzt werden. Im Sommer ist der Ort dann eine Wiese. «Ich finde das einen faszinierenden Gedanken», meinte Andreas Aeschlimann, Co-Präsident Quartierverein Unterstrass.

Weiter soll der bestehende Spielplatz mit Rutschbahn, Schaukel, Federwippgerät, Sitzbänken, Sandkasten und grosser Kiesfläche auf­gewertet werden. Die Spielfläche soll gemäss Grün Stadt Zürich vergrössert und die bestehenden Geräte erneuert werden. Zudem werde der Sandspielbereich vergrössert und mit einem Wasserbereich ausgestattet. Auch werde es Klettermöglichkeiten geben.

Wunsch nach Pétanqueplatz

Bei der Führung kam zudem der Wunsch auf, dass auch ein Ort für Erwachsene ­eingerichtet wird. Anwesende plädierten für einen Pétanqueplatz. «Wir haben nun diese und weitere Rückmeldungen aufgenommen und werden sie prüfen», meinte Schröder.

Und nicht zuletzt soll der diagonal durch den Park führende Pfad aufgehoben werden, da er die grosszügige Fläche zerschneidet. Damit die Verbindung von der Tramhaltestelle zum Nordausgang weiterhin möglich ist, gibt es Verbesserungen an den bestehenden Wegen, so Grün Stadt Zürich. «Und ein neues Wegstück soll den Hauptweg ab Stampfenbachstrasse wieder mit dem Hof verbinden.»

Mit den Arbeiten kann frühestens im Jahr 2023 begonnen werden, vorausgesetzt der notwendige Kredit wird vom Stadtrat gesprochen. Die Sanierung wird etwa 18 Monate dauern. Die Anlage soll zu jeder Zeit zugänglich sein, es wird aber Einschränkungen geben.

Eine lange Geschichte

Bauherrin der barocken Anlage war Anna Elisabeth Grebel. Sie erweiterte um 1735 das bestehende Gut mit Herrenhaus und Garten im barocken Stil und erregte damit grosses Aufsehen. Die ausgreifende, von Kastanien gesäumte Hauptachse, ­eingebettet in einen grossen Obstgarten, reichte bis an die heutige Wasserwerkstrasse hinunter. Ein runder Springbrunnen schmückte das Hauptparterre vor dem Herrenhaus, ein barocker Garten­pavillon bildete den Endpunkt des seitlichen Südparterres.

Das Ehepaar Grebel führte hier während rund zwei Jahrzehnten ein glanzvolles Leben, bis der Junker in einer Nacht sein ganzes Vermögen verspielte. Der Besitz wurde an die Familie Hess verkauft. Deren Sohn David Hess, ­berühmter Dichter und Zürcher Chronist, machte den Beckenhof in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Zentrum des geistigen Lebens. Im Zuge der Stadterweiterung wurde um 1865 die Stampfenbachstrasse quer durch die Gartenanlage gebaut und der untere Teil parzelliert.

Sanierung in bemerkenswert vielen Schritten

Bis 2015 wurden die Gebäude im Beckenhof-Park saniert. 2018 kamen dann Arbeiten an der unteren Mauer zur Stampfenbachstrasse hinzu. Damals wurde wegen des Denkmalschutzes der direkte, hindernisfreie Zugang von der Stampfenbachstrasse her abgebrochen. Seither hat es von dort nur noch eine steile Treppe in den Park. Aktuell wird die Kinderschaukel sicherer gemacht. Und ab 2023 sollen dann die in diesem Artikel beschriebenen Sanierungen umgesetzt werden, eventuell auch die Pétanquebahn. (ls.)

Der verbliebene, hausnahe Park wurde dem Zeitgeist entsprechend in ­einen romantischen Landschaftsgarten umgestaltet. Nur das Südparterre blieb unverändert. 1924 kaufte die Stadt das Gut für rund eine Million Franken, um es vor der geplanten Überbauung zu retten. Der Garten wurde saniert und öffentlich zugänglich.

Im 18. Jahrhundert zählte der Beckenhof zu den prachtvollsten barocken Landsitzen der Region Zürich. Heute steht die stark verkleinerte und im landschaftlichen Stil umgestaltete Parkanlage der ­Öffentlichkeit als grüne Oase zur Verfügung. Die Gebäude der Anlage wurden 2014 restauriert.

Im Winter 2017/2018 wurde die Tramhaltestelle Beckenhof neu konzipiert. Ein Teil der den Park abschirmenden Baumkulisse fiel dem Bauvorhaben zum Opfer, ebenso wie der nicht sehr steile Zugang von der Stampfenbachstrasse her. «Die Bäume werden im Zuge der kommenden Instandsetzung neu gepflanzt», so Grün Stadt Zürich. Das ist dann bemerkenswerte fünf Jahre später.

Pia Meier