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Züriberg
12.08.2022
15.08.2022 22:26 Uhr

Ehemaliges Frauenhotel erfindet sich neu

Der Hoteleingang wurde für die Feier festlich geschmückt.
Der Hoteleingang wurde für die Feier festlich geschmückt. Bild: Jeannette Gerber
Das Hotel Ladys First im Seefeld heisst neu Alma. Ein Hotel allein für Frauen, das rentierte schon lange nicht mehr. Aber das Management des Alma (was «Seele» bedeutet) besteht nach wie vor aus Frauen. Nun wurde die eben erfolgte Renovation vorgestellt.

Das im Jahr 2000 als Frauenhotel und Betrieb mit sozialem Auftrag gegründete Haus mit dem Namen «Ladys First» im Seefeld wurde nach aufwendiger Restauration neu eröffnet und erhielt den neuen Namen «Alma». Die Namensänderung war überfällig, da das Haus, eine 100-jährige Jugendstilvilla, seit 20 Jahren auch Männern offensteht. Die ursprüngliche Idee, nur Frauen zu beherbergen, war wirtschaftlich leider nicht vertretbar. Ein wichtiges Detail des von Frauen entwickelten Projekts ist, dass der Inklusionsbetrieb Arbeitsplätze für Frauen mit Beeinträchtigungen schafft. Die Jugendstilvilla mit den Blütenornamenten am Treppengeländer, dem Rosengarten und neu den Kletterpflanzen, welche die Fassade begrünen, ist eine von vielen, die das Seefeldquartier prägen. Die Betreiberinnen luden kürzlich zu einer Einweihungsparty ein.

«Alma» bedeutet «Seele»

«Nomen est Omen» oder «Der Name ist ein Zeichen». «Alma» bedeutet auf Spanisch und Portugiesisch «Seele». Schon im Eingangsbereich ist diese Seele spürbar. Ein freundlicher Tisch anstelle eines unpersönlichen Tresens bildet die Rezeption. Der Frühstücksraum wird nicht wie anderswo nach dem Frühstück abgeschlossen, sondern als Aufenthaltsraum zur Verfügung gestellt. Der ganze Eingangsbereich wurde räumlich geöffnet, wodurch der Eindruck eines grossen Wohnzimmers mit Lobby, Cheminéezimmer und Sitzungsraum entstand. Es gibt viele Möglichkeiten, wo man sich zurückziehen kann zum Arbeiten, Chillen oder Plaudern, wie die Dachterrasse, die Veranda und der Rosengarten im Innenhof – Orte der Begegnung.

Neu mit Gemeinschaftsküche

Eine der neu umgesetzten Ideen ist die Gemeinschaftsküche: Hier können die Gäste ihr eigenes Süppchen oder ganze Menüs kochen. Seit diesem Frühling bietet das Alma Hotel mit neuem hybridem Konzept das Wohnen auf Zeit in verschiedenen Formen an. Die 16 Hotelzimmer wurden sanft renoviert und neu ausgestattet. Die Räume unter der Dachschräge wurden zusammengelegt und zu zwei Long­stay-Apartments umfunktioniert. Im dritten Obergeschoss – der Bel Etage – wurden vier 2-Zimmer-Wohneinheiten mit Küchenzeilen und gemeinschaftlichem Hauwirtschaftsraum zur Dauermiete für Seniorinnen geschaffen. Es versteht sich von selbst, dass alle bereits vermietet sind und eine Warteliste angelegt werden musste.

Der Wellnessbereich mit Dachterrasse wurde leicht aufgefrischt. Der ­Ladies-only-Bereich mit zwei Saunen und einem Dampfbad steht nur Frauen – Hotelgästen und Externen – zur Verfügung. Die Renovation wurde von der «Grego» Jasmin Grego & Stephanie Kühnle Architektur GmbH realisiert. Es ist gut zu erkennen, dass die Architektinnen speziellen Wert auf wohnliche Farben und Stile bei Oberflächen und Mobiliar legten. Das Gesamtbild macht einen eher puristisch modernen, aber doch warmen Eindruck.

Fünf engagierte Frauen

Fünf engagierte Frauen gründeten 1998 die gemeinnützige Frauenhotel AG, die hinter den Sinn & Gewinn Hotels steht. Gemeinnützig heisst, die Gewinne werden nicht ans Aktionariat ausgeschüttet, sondern in die Weiterentwicklung des sozialen Unternehmertums investiert. Die Sinn & Gewinn führen Hotels und Pensionen, unter anderen das «Alma». Die Liegenschaftsbesitzerin ist die Compagna conviva, die aus der 1886 gegründete Vereinigung Compagna hervorgegangen ist (früher «Freundinnen Junger Mädchen» FJM).

Seit 24 Jahren ehrenamtlich

Nach einem Rundgang durchs Hotel richtete Irène Meier, Gründungsmitglied und seit 24 Jahren ehrenamtliche Verwaltungsratspräsidentin der Sinn & Gewinn Hotels, das Wort an die Anwesenden: «Die Direktorin unserer vier Betriebe, Verena Kern Nyberg, ist leider krankheitshalber abwesend, deshalb vertrete ich sie. Wir sind da im Pionierbetrieb der Sinn & Gewinn gelandet. Damals hatte die Eröffnung des ersten Frauenhotels in Zürich viel Wirbel verursacht. Nun, nach den inzwischen vergangenen 21 Jahren, wollten wir unseren Gästen, speziell den Stammgästen, etwas Neues bieten. Ab jetzt soll der Gast im Zentrum stehen. Wir konnten auch in unseren anderen Betrieben, Hotel Marta und Josephine’s Guesthouse, Erfahrungen sammeln und haben den Tagesablauf den heutigen Bedürfnissen angepasst. Das Hotel hatte früher 28 und heute nur noch 16 Zimmer plus zwei Appartements, was für ein Hotel wirklich sehr klein ist. Somit haben wir ein sogenanntes Boutique-Hotel realisiert. Sie können sich vorstellen, dass der Umbau während der Coronapandemie eine enorme unternehmerische Herausforderung war.»

Stammgast der ersten Stunde

Nun übernahm Claudia Kundigraber, Coach, Buchautorin, Moderatorin und Yogalehrerin aus Stuttgart, die eine äusserst nachhaltige Beziehung zum Hotel pflegt. Als Stammgast der ersten Stunde feiert sie genau zu diesem Anlass ihren hundertsten Aufenthalt in ihrem geliebten Zürcher Hotel. «Das neue Konzept spricht schon für sich, wenn man reinkommt. Das Hotel hat ein verändertes Gesicht erhalten. Die neue Holzveranda und die grossen Fenster ermöglichen einen Blick ins Innere. Das fördert den Kontakt zum Quartier.» Was sie besonders schätze sei, dass das Haus von Anfang an sozial nachhaltig geführt wurde und dass Frauen mit Beeinträchtigungen im Betrieb Arbeit angeboten werde und Irène Meier ihren Mitarbeiterinnen einen geschützten Raum zur Verfügung stelle.

Dann wies sie auf Anna Mandozzi, Juristin und Gründerin von Biomazing, hin und bezeichnete sie auf ihrem Gebiet als Trüffelschwein. «Mandozzi hat viele grüne Naturprodukte der Kosmetik als Erste nach Europa gebracht und beliefert auch das Hotel mit ihren Naturkosmetika. Somit leistet sie ihren Teil zur ökologischen Nachhaltigkeit im Haus.»

VR-Präsidentin Alternative Bank

Anschliessend stellte sie Anita Wymann, Verwaltungsratspräsidentin der Alternativen Bank Schweiz AG, vor. Eine Verbindung zu den Ideen der Sinn & Gewinn Hotels sei die Wogeno Zürich, eine ­gemeinnützige Wohngenossenschaft selbstverwalteter Häuser, die sie präsidiere. So sei sie mit alternativen Ideen beim Wohnen sehr vertraut. Wymann trage ihren Teil zur ökologischen Nachhaltigkeit des Betriebes bei.«Alle drei Frauen sind unternehmerisch tätig, sozial engagiert und zeigen, dass man auch im Kleinen etwas sozial Nachhaltiges erreichen kann, jede auf ihrem Gebiet», bemerkte Kundigraber.

Nach einem Talk mit allen Beteiligten im Ruheraum der Wellness-Oase wurden zum Abschluss der Housewarming-Party auf der Dachterrasse Häppchen und Getränke serviert. Wobei Letzteres eigentlich überflüssig war, da man schon trunken vom umwerfenden Rundumblick auf die Stadt, den See, die Albiskette und den Zürichberg war.

Jeannette Gerber