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Zürich Nord
09.08.2022

Jetzt kann man stehende Busse in beide Richtungen nicht überholen

Bis Ende August kann man auch Busse in Richtung Schaffhauserplatz/HB nicht überholen.
Bis Ende August kann man auch Busse in Richtung Schaffhauserplatz/HB nicht überholen. Bild: Pia Meier
Das städtische Tiefbauamt hat auf der Nordbrücke in Wipkingen neu Betonelemente so hingestellt, dass stehende Busse auch in Richtung stadteinwärts nicht überholt werden können. Der Versuch läuft noch bis Ende August.

Pia Meier

Die grossen Poller auf der Nordbrücke sind unübersehbar. Autofahrende können in der Folge an der Haltestelle «Bahnhof Wipkingen» stehende Busse der Linien 33 und 46 nicht überholen. Velofahrende hingegen tun dies nach wie vor. Eine Tafel vor Ort weist auf diese neue Massnahme hin. «Noch bis Ende August läuft der Versuch der Stadt Zürich, dass stehende Busse an der Haltestelle Bahnhof Wipkingen auch in Fahrtrichtung Schaffhauserplatz/HB nicht überholt werden können. So sollen die verkehrlichen Auswirkungen untersucht und Erkenntnisse für die spätere Umgestaltung der Nordbrücke gewonnen werden.»

Die Bushaltestelle in Richtung Schaffhauserplatz/HB sei ursprünglich überholbar belassen worden, da in dieser Richtung mehr Busabfahrten erfolgen als stadtauswärts, teilt das Tiefbauamt auf Anfrage mit. «Von Zufussgehenden wurde diese Situation aber teilweise als gefährlich empfunden.» Versuchsweise sei deshalb die Haltestelle Richtung Schaffhauserplatz/HB von Mitte Juni bis Ende August 2022 mit mobilen Betonelementen so eingerichtet worden, dass die stehenden Busse nicht mehr überholbar sind. Der Versuch werde durch eine Wirkungsanalyse begleitet, so das Tiefbauamt. Falls unerwünschte Auswirkungen aufgetreten wären, hätte der Versuch abgebrochen werden können.

Stadt ist zufrieden

Die Bushaltestelle «Bahnhof Wipkingen» in Fahrtrichtung Rosengartenstrasse wurde bereits mit der Errichtung des temporären Mehrzweckstreifens in der Fahrbahnmitte der Nordstrasse zwischen Lägern- und Scheffelstrasse im Juli 2021 nicht mehr überholbar eingerichtet. Ein Monitoring hat gemäss Tiefbauamt gezeigt, dass keine negativen Auswirkungen auf den Verkehr entstanden sind. Der Verkehr werde verlangsamt und der ÖV profitiere von der Bevorzugung. Vor allem aber habe die Sicherheit der querenden Zufussgehenden verbessert werden können.

Der temporäre Mehrzweckstreifen sorgte anfangs für rote Köpfe. In der Zwischenzeit scheint sich die Situation beruhigt zu haben. Das sieht auch das Tiefbauamt so: «Wir sind zufrieden damit, wie der temporäre Mehrzweckstreifen bisher funktioniert. Die Verkehrsteilnehmenden haben das Prinzip des flächigen Querens unserer Ansicht nach gut verstanden. Es wird besser aufeinander Rücksicht genommen und langsamer gefahren.» Der temporäre Mehrzweckstreifen habe sich folglich bewährt. Die Ergebnisse des Monitorings würden diese Einschätzung stützen.

Wenig negative Auswirkungen

Die Einrichtung des Mehrzweckstreifens hat offensichtlich keine negativen Auswirkungen auf die Reisezeit mit den Bussen. Gemäss dem Monitoring am Morgen und Mittag hat der Mehrzweckstreifen wenig Einfluss auf die Durchfahrtszeiten der Buslinien 33 und 46. In der Abendspitzenstunde können die Busse den Perimeter in Fahrtrichtung Rosengartenstrasse sogar etwas schneller passieren. Auch für den motorisierten Individualverkehr hat der Mehrzweckstreifen wenig negative Auswirkungen. Staus sind morgens und mittags wenn überhaupt nur von kurzer Dauer. Abends ist der Verkehr aber teilweise stockend.

Die Einführung eines Mehrzweckstreifens benötigt allerdings eine gewisse Angewöhnungszeit, damit bei den Verkehrsteilnehmenden das Verständnis wächst und sich die Akzeptanz festigt. Dies zeigte sich auch in Wipkingen.

Mit der testweisen Einführung eines Mehrzweckstreifens soll das Quartierzentrum Nordbrücke kurzfristig aufgewertet und die Trennwirkung der Nordstrasse vermindert werden. Das Queren der Nordstrasse für Zufussgehende wird erleichtert, indem die Fahrbahn überall gequert werden kann und nicht nur auf den Fussgängerstreifen. Dafür wurden die Fussgängerstreifen entfernt. Zudem soll der Mehrzweckstreifen angepasste Geschwindigkeiten, die Verflechtung aller Verkehrsteilnehmenden und die gegenseitige Rücksichtnahme fördern.

Breitere Brücke ab 2025

Die Stadt Zürich hat den temporären Mehrzweckstreifen für die Dauer bis Winter 2022/23 erstellt, weil die Nordbrücke voraussichtlich ab 2025 verbreitert und der Strassenraum neu gestaltet wird. Damit sollen Erkenntnisse für diese Umgestaltung gewonnen werden. Bis zirka 2025 sollen auch der Bahnhof Wipkingen beziehungsweise die Zugänge zum Bahnhof aufgewertet werden. Weiter soll das Lettenquartier besser an den Bahnhof angeschlossen werden. Dazu läuft zurzeit ein Mitwirkungsprozess.

Pia Meier