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Zürich Nord
19.08.2022
19.08.2022 20:14 Uhr

Hortnerinnen und Hortner verlangen anderen Standort für Schulpavillon

 Der dreigeschossige Pavillon würde direkt vor dem Hortgebäude erstellt. Der Spielplatz käme weg. Vier Bäume sollen gefällt werden.
Der dreigeschossige Pavillon würde direkt vor dem Hortgebäude erstellt. Der Spielplatz käme weg. Vier Bäume sollen gefällt werden. Bild: pm.
Hortnerinnen und Hortner wehren sich gegen vorgeschlagenen Standort für den neuen Pavillon direkt vor dem Hort des Schulhauses Kolbenacker in Seebach. Dieser werde dadurch abgewertet. Für Unverständnis sorgt auch die geplante Fällung von vier grosskronigen Bäumen.

Die Aussteckung für den neuen dreigeschossigen Pavillon auf dem Areal des Schulhauses Kolbenacker ist unübersehbar. Dieser wird direkt vor einem der Kinderhortgebäude zu stehen kommen. Der dortige Spielplatz wird damit wegfallen und alte Bäume müssen gefällt werden. Chatrina Müller, Hortnerin, im Schulhaus Kolbenacker, und ihre Kolleginnen und Kollegen wehren sich deshalb gegen diesen Standort. Sie seien nicht involviert worden bei der Standortfrage. Sonst hätten sie einen anderen vorgeschlagen., nämlich auf dem Pausenplatz neben dem Brunnen oder auf dem Sportplatz. Dass alte Bäume gefällt werden, kritisieren sie wegen der Hitze. «Die Kinder und wir leiden an Hitzetagen. Da sind die grossen Bäume gute Schattenspender.» Die mit dem Projekt verbundene Strassenberuhigung mit begrüntem Freiraum würden sie allerdings begrüssen. Diese sei aber unabhängig vom Standort des neuen Pavillons.

Ein weiteres Argument der Hortnerinnen und Hortner ist, dass sich im betroffenen Hortgebäude pro Tag etwa 60 Kinder aufhalten. «Dieser wird durch den Pavillon extrem abgewertet.» Da der Pavillon um einen Stock höher als der Hort sei, hätten diese Kinder kein Tageslicht mehr. Der geringe Abstand zwischen den Gebäuden werde zur Herausforderung für alle Kinder. Ablenkung ist prädestiniert und könne das Lernen beeinträchtigen. «Für die Betreuung dieses Horts könnte dies bedeuten, dass mehr Personal benötigen wird. Mit einer Kindergruppe von ca. 30 Kindern auf einen Spielplatz auszuweichen, bedeutet einen grösseren Personalaufwand, um die Sicherheit auf dem Weg zu gewährleisten.» Die Hortnerinnen und Hortner haben in der Zwischenzeit mit verschiedenen Parteien Kontakt aufgenommen, um ihrem Anliegen mehr Gewicht zu verleihen. Dass es mehr Schulraum braucht, ist jedoch unbestritten.

Unterstützung von der Politik

Balz Bürgisser, Gemeinderat Grüne, unterstützt die Hortnerinnen und Hortner. «Das ist wirklich ein schlechter Standort für den Pavillon Kolbenacker.» Er begründet dies wie folgt: «Der dreigeschossige Pavillon wird dem niedrigen Hortgebäude vor die Nase gestellt. Der für die Kinder wichtige Spielplatz beim Hortgebäude wird aufgehoben. Und – für die Grünen ein wichtiges Argument – vier grosskronige Bäume werden gefällt.» Aus diesen Gründen würde er der Fraktion Grüne eine motivierte Rückweisung beantragen: Der Pavillon soll an einem anderen Standort gebaut werden. Dieses Geschäft werde im Gemeinderat in der ersten Hälfte September behandelt. Ursprünglich war es am 31. August vorgesehen. Er habe aber eine Verschiebung beantragt.

Bester Standort

Anders sieht es die Stadt. Der Standortentscheid sei mit allen zuständigen Ämtern einschliesslich Kreisschulbehörde und Schulleitung nach einer sorgfältigen Abwägung aller Platzierungsmöglichkeiten getroffen worden, teilt Immobilien Zürich mit. Es seien verschiedene Standorte geprüft worden. Dazu gehören auch der Sportplatz, der Spielplatz und der Pausenhof. Diese seien verworfen worden, weil mit einer Bebauung grosse Pausenhofflächen respektive Allwetterplatzflächen verloren gingen. Je nach Standort könnten zudem die Grenzabstände zu den Nachbarn nicht eingehalten werden, ohne einen grossen Baum zu gefährden oder den Eingangsbereich der Schulanlage weitgehend zu verstellen. «Nicht zuletzt auch aus baurechtlichen Gründen erwies sich nur die Variante vor dem Hort als umsetzbar.» Als Kompensation für die drei Bäume würden von Grün Stadt Zürich Ersatzpflanzungen verlangt, welche zusammen mit den Umgebungsarbeiten ausführen würden. Zudem seien viele zusätzliche Massnahmen vorgesehen, um den Aussenraum attraktiver zu gestalten. «Neben der Neugestaltung des Sperletweges wird mit der Strassenberuhigung ein begrünter Freiraum für die Schule bei den jetzigen Parkplätzen geschaffen.» Somit wird sich der Aussenraum für die Schule und den Hort verbessern. Der Baubeginn des neuen Pavillons ist im Frühling 2023, der Bezug im Sommer 2023 geplant.

Grosses Wachstum

Im Schulkreis Glattal werden gemäss Stadt 363 Kindergarten- und Schulklassen (Schuljahr 2020/21) geführt. Es ist zu erwarten, dass mittelfristig (bis 2028/29) bis zu 710 zusätzliche Kinder die Schule und den Kindergarten im Schulkreis Glattal besuchen werden. Dies entspricht einem Zuwachs von bis zu 32 Klassen. In Seebach wird aufgrund grosser Wohnbauprojekte im Einzugsgebiet der Schulanlagen  Kolbenacker und Buchwiesen ein starkes Wachstum erwartet. Langfristig kann der erhöhte Bedarf dieser beiden Schulen mit der Erweiterung der Schulanlage Himmeri-Staudenbühl abgedeckt werden (Bezug voraussichtlich 2029). Deren Kapazität wird sich von 5 auf 25 Klassen erhöhen. Um die kurzfristige Bedarfsdeckung für die Schulen Kolbenacker und Buchwiesen zu gewährleisten, ist ein Züri-Modular-Pavillon mit einer Kapazität von vier Klassen und zwei Betreuungsräumen, einer Küche, vier Klassenzimmenr und drei Gruppenräumen notwendig, so die Stadt.

Pia Meier