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Freizeit
19.08.2022
19.08.2022 15:56 Uhr

Bei den Tüpfelhyänen geben die Weibchen den Ton an

Das Hyänenweibchen Tesi bei einer sommerlichen Erfrischung im Zoo Zürich.
Das Hyänenweibchen Tesi bei einer sommerlichen Erfrischung im Zoo Zürich. Bild: Zoo Zürich, Nicky Kaufmann
Hyänen haben einen denkbar schlechten Ruf als hinterhältige Aasfresser. Wie am Medien-Apéro des Zoo Zürich zu erfahren war, sind Tüpfelhyänen jedoch geschickte Jäger, und in ihrem faszinierenden Sozialsystem dominieren die Weibchen – die zudem einen «Pseudopenis» besitzen …

Hyänen haben ein kuscheliges Fell, aber ihr Gesichtsausdruck ist denkbar unsympathisch: kleine «verschlagene» Augen, schmutzig-schwarze, feuchte Schnauze. Sie sind weder so majestätisch wie Löwen noch so grazil gefährlich wie Leoparden. Vielleicht sind sie deshalb die idealen Bösewichter, ab 1994 weltweit unrühmlich berühmt geworden in den drei Disney-Zeichentrickfilmen um «The Lion King». Diesem als heimtückischer Aasfresser verschrienen Raubtier hat der Zoo Zürich am 17. August seinen vierten monatlichen Medien-Apéro gewidmet mit der Mission, das schlecht beleumundete Tier zu rehabilitieren.

Leben im Matriarchat

Der Zoo Zürich hält seit der Eröffnung der Lewa-Savanne zum ersten Mal in seiner Geschichte Tüpfelhyänen. Vorderhand sind es zwei: Tesi, ein fünf Jahre altes Weibchen, und Masangao, ein acht Jahre altes Männchen. Obwohl Tesi (noch) kleiner und leichter ist als Masangao, zeigt sie dem Männchen gegenüber schon ein dominantes Verhalten. Und das ist eine Besonderheit bei dieser Art. Tüpfelhyänen leben in einer matriarchalisch organisierten Gesellschaft. Der Rang der Weibchen innerhalb der Gruppe hängt dabei nicht von der körperlichen Stärke eines Tieres ab, sondern vom Rang der Mutter. Jungtiere erhalten den sozialen Rang direkt unterhalb der Mutter. 

Die Weibchen bleiben ihr ganzes Leben in der gleichen sozialen Gruppe, Männchen hingegen verlassen die Gruppe in der Pubertät und schliessen sich einer neuen Gruppe an. Dort erhalten sie immer den tiefsten sozialen Rang. Aufsteigen können sie nur durch den Tod oder das Verschwinden eines höherrangigen Männchens. Da die Weibchen die Gruppe nie verlassen, sind sie automatisch dominant gegenüber den eingewanderten Männchen.

Die Sache mit dem «Pseudopenis»

Aber nicht nur in sozialer Hinsicht sind Hyänen untypisch, sondern auch auf körperlicher Ebene: Die weiblichen Tiere besitzen einen sogenannten Pseudopenis. Dieser besteht aus der vergrösserten Klitoris, lässt sich kaum vom Penis eines Männchens unterscheiden und ist meist sichtbar, nicht nur im erigierten Zustand. Wie Pascal Marty vom Zoo Zürich auf Anfrage von zuerich24.ch erläutert, ist die Spitze des männlichen Penis jedoch spitz, die des Weibchens stumpf. Trotzdem kann ein Laie die Geschlechter nur schwer unterscheiden. Vielleicht würde ein Feldstecher beim nächsten Zoobesuch weiterhelfen? Aber wozu ist der Pseudopenis gut? Ursprung und Zweck dieses speziellen Organs, schreibt der Zoo, seien noch nicht vollständig geklärt. Es gibt für die Forschung also noch zu tun.

Das eingangs erwähnte Aasfresser-Image ist im Übrigen korrekturbedürftig: Tüpfelhyänen sind äusserst geschickte Jäger. Und zwar jagen sie in der Regel allein – auch wenn sie sehr soziale Tiere sind – und erlegen 60 bis 95 Prozent ihrer Nahrung selbst.  Manchmal begnügen sie sich mit Aas. Ihr Speiseplan ist vergleichbar mit jenem der Löwen, mit denen sie in Konkurrenz stehen. Haben sie ein Beutetier erlegt, ist der Zugang streng geregelt, aber anders als am Mittagstisch einer Schweizer Familie in früheren Zeiten: Die hochrangigen Weibchen und ihre Jungen haben vor den niederrangigen Weibchen Zugang, diese wiederum vor den Männchen. Matriarchat eben …

(pd./toh.)