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Zürich 2
23.08.2022

Krimi um «Fallätschegarte» geht weiter

Welche Massnahmen bezüglich der ­«Fallätsche» ­getroffen werden, entscheidet der Stadtrat bis Ende Jahr. 
Welche Massnahmen bezüglich der ­«Fallätsche» ­getroffen werden, entscheidet der Stadtrat bis Ende Jahr.  Bild: Anna-Sophia Schaller
Zur Realisierung eines Bauprojekts im Gebiet «Fallätschegarte» in Leimbach hätte das artenreiche Grundstück letzten Sommer gerodet werden sollen – stattdessen legte eine städtische Schutzabklärung die Baupläne auf Eis. Nun wurde diese bis Ende Jahr verlängert.

Anna-Sofia Schaller

Der «Fallätschegarte» ist ein an die Maneggpromenade anschliessendes, rund 5500 Quadratmeter messendes Grundstück, welches seit einiger Zeit für erhitzte Gemüter sorgt: Während die eine Partei dem Biotop einen städtischen Schutzstatus zusichern will, liegen auf der anderen Seite bereits konkrete Baupläne vor.

Über mehrere Jahrzehnte hinweg wurde besagte Landfläche als Pachtfläche verwendet: Es entwickelte sich ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Auch viele bedrohte Arten hätten sich im Biotop eingenistet. Kathrin Jaag, Co-Geschäftsführerin von BirdLife Zürich, betonte im Januar auf Anfrage dieser Zeitung: «Eine solche ‹Wildnis› auf Stadtgebiet ist selten und aus ökologischer Sicht wertvoll und erhaltenswert.»

Gemäss Prisca Büchi, Gründerin und Sprecherin der «IG Stopp Zerstörung von Naturlandschaft in Zürich-Leimbach», trägt auch die geografische Lage des «Fallätschegarte» zur hohen Schutzwürdigkeit bei: «Durch die gute Vernetzung mit den Schutzgebieten in der Umgebung ist der ‹Fallätschegarte› ein wichtiger Baustein zum Erhalt der Biodiversität in der Region.» So würde eine Überbauung das umliegende Schutzgebiet «Fallätsche» vermehrter Licht- und Lärmverschmutzung aussetzen.

«Gerade hinsichtlich der Verdichtung und der Klimaveränderung sollte es selbstverständlich sein, die letzten Naturoasen unter allen Umständen zu erhalten», fasst die IG-Sprecherin im Namen des Vorstandes den Schutzbedarf des «Fallätschegarte» zusammen.

Knapp abgewandte Gesamtrodung

Im Juli 2021 wäre es fast zu einer Gesamtrodung des Biotops gekommen: Die Landfläche wurde zum Kauf ausgeschrieben und ging daraufhin in Besitz des in Zug ansässigen Investmentfonds «Real Fund One» über. Kurz darauf wurde die Immobilienfirma Markstein AG mit einem Bauprojekt beauftragt: Geplant waren 54 Eigentumswohnungen. Die Totalrodung hätte das Bauvorhaben in Gang bringen sollen – dazu ist es allerdings bis heute nicht gekommen, zumal sich in der Anwohnerschaft starker Widerstand formierte. Ende Juli kam es zur Gründung der IG «Stopp Zerstörung von Naturlandschaft in Zürich-Leimbach». Innert einer Woche wurden 440 Unterschriften gesammelt und ein Antrag auf eine städtische Schutzabklärung gestellt.

Das Anliegen der IG wurde von der Stadt aufgegriffen, worauf ein einjähriges Veränderungsverbot des Grundstücks folgte. Dadurch wurde auch das Bauvorhaben der Markstein AG temporär auf Eis gelegt. Im Zuge der Schutzabklärung haben Abklärungen durch Fachpersonen stattgefunden – allerdings blieb der Interessengemeinschaft eine Einsicht in das städtische Gutachten verwehrt.

«Wir sind überzeugt, dass wir dazu berechtigt wären, da auch die Bauherrschaft diese einsehen kann», so Büchi. Planmässig wäre der Stadtratsentscheid diesen August fällig gewesen – kürzlich hat die Stadt jedoch im Einvernehmen mit der Grundeigentümerschaft eine Fristverlängerung bis Ende Jahr bekannt gegeben. Dies bedeutet auch eine Fortsetzung des Veränderungsverbots der Parzelle. Die Fristverlängerung wird von der Stadt nicht weiter kommentiert.

«Wir können nur spekulieren»

Wie bewertet die IG «Stopp Zerstörung von Naturlandschaft in Zürich-Leimbach» die Fristverlängerung? «Wir können nur spekulieren – wir denken, dass die Stadt keinen Schutz für das ganze Grundstück anstrebt, sondern einen Teilschutz», so Büchi. Die Interessengemeinschaft scheint für jedes Szenario gewappnet: Aktuell würden bereits mögliche ­Rekurse gegen einen negativen Schutzentscheid oder allfällige Baugesuche vorbereitet.

Auch auf politischer Ebene hat die Lage um den «Fallätschegarte» Wellen geschlagen: Im Juni haben die Grünen im Gemeinderat eine Motion eingereicht, welche eine «Anpassung der Bau- und Zonenordnung» fordert, wie es im Motionstext heisst. So wird angestrebt, Vernetzungskorridore an Siedlungsrändern der Stadt zu sichern.

Anna-Sofia Schaller