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Züriberg
24.08.2022

Wie der Spielplatz Sonnenberg sauber bleibt

Schon nach wenigen Minuten Zusammenklauben kamen diese Abfälle zusammen.
Schon nach wenigen Minuten Zusammenklauben kamen diese Abfälle zusammen. Bild: Dennis Baumann
Auf dem Spielplatz im Park Sonnenberg häuften sich Berge an Abfall. Die Anwohnerin Stéphanie von Walterskirchen machte auf das Problem aufmerksam, und bereits in kürzester Zeit leitete die Stadt Zürich erste Massnahmen dagegen ein.

Mit bester Aussicht auf die Stadt mitsamt Zürichsee ist der Park Sonnenberg ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Bewohnerinnen und Bewohner des Dolderquartiers. Insbesondere der Spielplatz mit der stadtinternen Nummer 50 mit Sandkasten, Schaukel und weiteren Spielelementen verspricht ein familienfreundliches Umfeld. Zahlreiche Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Dies birgt allerdings auch seine Schattenseiten. Spätabends und nachts wird rund um den Spielplatz regelmässig Alkohol und Cannabis konsumiert, während die Spielplatzanlage mit Sprayereien verunstaltet wird. Die Spuren sind neben den Graffiti in Form von Glasscherben und Joint-Filtern sichtbar.

Unterdessen hat sich die Situation über die vergangenen Wochen verbessert. Die Anwohnerin Stéphanie von Walterskirchen machte auf das Problem aufmerksam. Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) kommt nun öfters vorbei, und eine Raumpatenschaft, an der Anwohnerinnen und Anwohner teilhaben können, steht in Aussicht.

Spuren lösen Kopfkino aus

Stéphanie von Walterskirchen lebt seit 12 Jahren im Quartier und ist Mutter von drei Kindern. Zum ersten Mal aufgefallen ist ihr das Abfallproblem während eines Spaziergangs im ersten Corona-Lockdown. «Ich fühlte mich auf einmal unsicher. Es liegen sehr oft viele Scherben rum, und ich fragte mich, wie es nur dazu kommen konnte», erzählt von Walterskirchen. Wurden die Flaschen achtlos zu Boden geworfen oder war auch Gewalt im Spiel? Die Hinterlassenschaften lösen Kopfkino aus. Eines ist für sie jedoch klar: Glasscherben haben auf einem Spielplatz nichts verloren.

Welche Personen und wie viele sich dort treffen, ist nicht bekannt. Die Spuren von Drogenkonsum reichen aus, um schlechte Erinnerungen zu wecken, sagt von Walterskirchen: «Ich weiss aus meinem näheren Umfeld, wie selbst vermeintlich harmlose Drogen wie Cannabis eine Person verändern können.» Das Sauberhalten des Sonnenberg-Spielplatzes ist für sie deswegen eine Herzensangelegenheit: «Ich möchte die Menschen nicht verurteilen. Viel mehr mache ich mir Sorgen um sie.»

Anwohner zur Mithilfe eingeladen

Seit vergangenem Oktober engagiert sich von Walterskirchen (EVP) auch politisch. Über Netzwerkanlässe lernte sie die beiden Stadträtinnen Karin Rykart (Grüne) und Simone Brander (SP) kennen, die sie an die passenden Behörden weiterleiteten. In Zusammenarbeit mit ERZ, der SIP und dem Tiefbauamt Zürich hat sich die Situation inzwischen deutlich verbessert. So wird der Spielplatz unter der Woche jeden zweiten Tag und an beiden Wochenendtagen von ERZ gereinigt. Zudem hat ERZ zusätzliche an Anlässen wie dem 1. August oder der Streetparade rote Müllcontainer mit einem grösseren Fassungsvermögen zur Verfügung gestellt. Weiter wurden an die Anwohnerinnen und Anwohner Visitenkarten der «sip züri» verteilt. Ihre Sozialmitarbeitenden übernehmen im Falle eines akuten Problems eine vermittelnde Funktion.

Zusätzlich lanciert von Walterskirchen eine Raumpatenschaft. In dieser können sich Anwohnerinnen und Anwohner eintragen und übernehmen eine Teilverantwortung für die Erhaltung des Spielplatzes. «Neben ERZ würden auch wir kleinere Aufräumarbeiten übernehmen», so von Walterskirchen. Wer an einer Teilnahme interessiert ist, kann sich per E-Mail anmelden (stephanie.v.walterskirchen@bluewin.ch).

Stephanie von Walterskirchen auf dem Spielplatz Sonnenberg. Bild: Dennis Baumann

Weniger Amtsmief, mehr spielerischer Umgang

Was anderswo schon Normalität ist, praktiziert nun auch Entsorgung + Recycling Zürich. Weg vom Mahnfinger hin zu Tipps mit Augenzwinkern und Slogans, die der Fanwelt entnommen scheinen. «Dis Züri. Din Abfall. Din Chübel» steht auf den neuen roten ERZ-Containern. Auf den silbrigen Abfallkübeln der Stadt prangt neuerdings ein Kleber: «Züri trifft. Abfall ab in Chübel». Ein neuer, durchaus origineller Weg, um gegen das oft vorhandene Littering anzukämpfen. (ls.)

Dennis Baumann