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Zürich 2
26.08.2022
25.08.2022 16:48 Uhr

Die Post zieht bei der Migros ein

Bald «go poschte» im doppelten Sinn: Blick auf die Migros Wollishofen mit dem Take-away an der Ecke Mutschellen-/Etzelstrasse, wo die Post einziehen will.
Bald «go poschte» im doppelten Sinn: Blick auf die Migros Wollishofen mit dem Take-away an der Ecke Mutschellen-/Etzelstrasse, wo die Post einziehen will. Bild: Lisa Maire
Nach vielen Jahrzehnten in der Überbauung Quellenhof an der Albisstrasse will die Post Wollishofen ein Stück hinauf ins Morgental zügeln – in die Migros. Dafür muss der Take-away-Gastraum kräftig Federn lassen.

Lisa Maire

Nach der Veröffentlichung des Baugesuchs im «Tagblatt der Stadt Zürich» machte die Nachricht vom geplanten Umzug der Post im Quartier schnell die Runde. Die Reaktionen seien bisher «tendenziell positiv», sagt dazu Quartiervereinspräsident Martin Bürki. Für Postkundinnen und -kunden bringe der neue Standort am Morgental – und damit im eigentlichen Wollishofer Zentrum – ja durchaus Vorteile. Auch sei kein Serviceabbau vorgesehen, wie die Post bei einem Treffen mit dem Quartierverein Wollishofen versichert habe.

Massiv weniger Take-Away-Plätze

Abbau ist jedoch bei der Migros angesagt, zumindest platzmässig: Der heute grosszügige, als Restaurant wahrgenommenen Take-away-Gastraum soll gewaltig schrumpfen. Das Take-away werde nach einem Konzept umgebaut, das auch an anderen Standorten in der Stadt zum ­Tragen komme, schreibt die Genossenschaft Migros Zürich auf Anfrage von «Zürich 2». Auf der künftigen Gastrofläche soll es noch 25 Sitzplätze geben. Das entspricht knapp einem Viertel des heutigen Angebots.

Den grossen Rest des Take-away-Gastraums zur Etzelstrasse hin wird die Post besetzen. Auf dieser Seite des Gebäudes sind neben der Postanlieferung auch Paket­automaten, eine Fachanlage und – etwas weiter hinten – ein Velounterstand geplant.

Der künftig zentralere Standort der Post Wollishofen mag im Quartier begrüsst werden. Doch es gibt auch skep­tische Stimmen. Sie bezweifeln, dass die heutige Post in den vorgesehenen Migros-Räumlichkeiten Platz findet, und befürchten einen Abbau der Servicekapazitäten – sprich der Kundenschalter. Damit könnten die bereits heute zum Teil erheblichen Warteschlangen vor den Postschaltern am neuen Standort noch länger werden, lautet die Sorge. Ist sie berechtigt?

Postschalter-Zahl noch nicht klar

Die Antwort der Post bleibt vorerst vage: «Wir haben die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten genau geprüft und sind überzeugt, dass wir dort genügend Platz haben, um eine helle und moderne Filiale zu realisieren», schreibt die Medienstelle. Schalterzahl und Öffnungszeiten seien zwar noch nicht im Detail geklärt. Fest stehe jedoch: «Die Postfiliale Wollishofen bleibt eine ‹klassische› Postfiliale mit ­einem breiten Postangebot, und die Kundinnen und Kunden werden weiterhin vom Postpersonal bedient.»

Wieso will die Post Wollishofen denn überhaupt umziehen? Am heutigen Standort an der Albisstrasse 10 gebe es «grosse Leerflächen im Backoffice-Bereich», so die Post in ihrer Stellungnahme. Die Infrastruktur der Postfiliale sei zudem in die Jahre gekommen. Deshalb habe man schon seit längerem nach einer neuen Lösung gesucht – und diese schliesslich in Gesprächen mit der Migros gefunden. 

Gewinner und Verlierer

Dass sich die Post bei der Migros einmietet, mag für die beiden Unternehmen eine Win-win-Situation sein. Doch es gibt auch Verlierer: Es sind all jene zumeist ­älteren Wollishoferinnen und Wollishofer, die sich seit Jahren regelmässig im Migros-Restaurant zum Znüni oder ­zum Zvieri treffen. Für gemütliche Kaffeeklatschrunden wird sich das umgebaute Take-away wohl kaum mehr eignen.

Ab 3. Oktober soll aber erst einmal für alle Take-away-Gäste Schluss sein. Dann beginnen die Umbauarbeiten. Die Wiedereröffnung des Take-aways ist für ­1. Dezember geplant. Die neue Post Wollishofen soll erst später – nicht vor Frühjahr 2023 – in Betrieb gehen.

Lisa Maire