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Aus dem Gemeinderat
31.08.2022
30.08.2022 13:45 Uhr

Negativemissionstechnologien für die Stadt Zürich

Martina Novak.
Martina Novak. Bild: zvg
Werden FDP und SVP dieses Mal mitziehen und den Vorstoss ­unterstützen? Ganz im Sinne des Die-Technologie-wird-es-richten-Ansatzes.

Martina Novak, Gemeinderätin GLP Wahlkreis 7+8

Wann immer es im Gemeinderat um Themen betreffend den Umgang mit dem Klimawandel geht, gehen die Wogen hoch. Die Debatten werden hitzig geführt und Sachlichkeit bleibt zuweilen komplett auf der Strecke. Diesen Mittwoch könnte es wieder soweit sein: eine Motion der GLP ist traktandiert, welche die gezielte Unterstützung von Unternehmen vorsieht, die Negativemissionstechnologien anbieten. Um was konkret geht es dabei?

Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, müssen wir in erster Linie unsere Treibhausgas-Emissionen reduzieren und so gut es geht vermeiden. Im Gemeinderat haben wir hierzu ein städtisches Klimaziel beraten und verabschiedet, das auch von der Stadtbevölkerung breit mitgetragen wird: 74,9% haben die Vorlagen in der Volksabstimmung befürwortet.

Um dieses Ziel zu erreichen, werden wir in erster Linie Massnahmen zur Entkarbonisierung unseres Gebäudeparks und Verkehrswesens ergreifen, hier liegen grosse Potenziale brach. Leider werden wir aber nicht alle unsere Emissionen reduzieren oder vermeiden können. So fallen beispielsweise in der Landwirtschaft oder Zementproduktion schwer oder nicht vermeidbare Emissionen an. Und hier kommen Negativemissionstechnologien ins Spiel, deren Entwicklung mit der Motion der GLP gezielt mitunterstützt werden soll.

Unter Negativemissionstechnologien werden natürliche und technische Ansätze subsumiert, mittels derer CO2 aus der Atmosphäre entfernt und dauerhaft gespeichert wird. Demnach wird CO2 beispielsweise durch Fotosynthese oder via Luftfilter eingefangen und anschliessend in Biomasse auf der Erdoberfläche (z. B. Holz), im geologischen Untergrund oder im Meeresboden gespeichert.

Negativemissionstechnologien werden nicht nur einen Beitrag zur Erreichung unserer Klimaziele leisten und weltweit sehr gefragt sein. Hier steckt in erster Linie viel Innovationspotenzial mit potenziell positiven wirtschaftlichen Folgen für unsere Stadt als Wissensstandort, konkret beispielsweise betreffend den Bausektor, die Abfall- und Recyclingwirtschaft oder auch die Landwirtschaft.

Zur Erreichung unserer städtischen Klimaziele verzichten wir bewusst auf den Kauf von Emissionszertifikaten zur Kompensation unserer Restemissionen. Gerade deshalb ist es wichtig, die Entwicklungen rund um Negativemissionstechnolo-

gien gezielt mitzuverfolgen und wenn möglich antizipierend ein Stück weit mitzugestalten. Dies wird auch den Wirtschaftsstandort Zürich stärken.

Werden die FDP und SVP dieses Mal mitziehen und den Vorstoss unterstützen? Schliesslich verfolgen sie im Klimadiskurs zumeist den Die-Technologie-wird-es-richten-Ansatz. Wir sind gespannt.

In der Rubrik «Aus dem Gemeinderat» schreiben Volksvertreterinnen und Volksvertreter regelmässig einen Beitrag. Alle im Stadtparlament vertretenen Parteien bekommen hierzu regelmässig Gelegenheit. Die Schreibenden äussern im Beitrag ihre persönliche Meinung.

Martina Novak, Gemeinderätin GLP Wahlkreis 7+8