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Züriberg
01.09.2022
02.09.2022 10:09 Uhr

Rettung der Dolderbahn interessiert

Diese 50-jährige Bahn soll ersetzt werden, wenn es nach dem Willen der VBZ geht.
Diese 50-jährige Bahn soll ersetzt werden, wenn es nach dem Willen der VBZ geht. Bild: Lorenz Steinmann
Die Wogen gehen hoch, wenn es um das Thema «Dolderbahn» geht. Die Stadt will die 50-jährigen Wagen verschrotten und ersetzen, im Quartier sieht man das anders.

Die Quartieranwohnerin Stéphanie von Walterskirchen will die geplanten neuen Wagen für die Dolderbahn nicht akzeptieren. Sie schlägt anstatt der 10,5 Millionen Franken kostenden neuen, «vergoldeten» Zahnradwagen die Sanierung der bestehenden Wagen vor, auch aus Nachhaltigkeitsgründen (Ausgabe vom 11. August). Das Anliegen hat hohe Wellen geschlagen, etwa in Form von Leserbriefen (eine kleine Auswahl im Artikel nebenan). Doch auch die Politik wurde aktiv.
So soll sich die Spezialkommission des Gemeinderates nochmals mit dem von den VBZ initiierten Wagenersatz der Dolderbahn auseinandersetzen. Für Stéphanie von Walterskirchen gibt es verschiedene Optionen. Im Vordergrund steht die Renovation statt der Verschrottung der erst 50-jährigen Wagen. Möglich wäre allenfalls die Zusammenarbeit mit Vereinen, die sich auf die Renovation und Pflege älterer Wagen spezialisiert haben. Als Beispiel zieht Stéphanie von Walterskirchen «Rigibahn historic» heran, auch das Trammuseum wäre eine Option.

Die Kreislaufwirtschaft?

Als Argument wichtig ist für Stéphanie von Walterskirchen zudem die aktuell hoch im Kurs stehende Kreislaufwirtschaft. «Da steht die geplante Verschrottung völlig quer in der Landschaft», ist von Walterskirchen überzeugt.

VBZ warten ab

Sie wartet nun auf die Antworten der vielen angeschriebenen Institutionen, aber auch Politiker und anderer Entscheidungsträger. Keine Auskunft wollen aktuell laut der NZZ die VBZ geben, weil es quasi ein laufendes politisches Verfahren sei.

Einige Feedbacks aus dem Quartier (kleine Auswahl):

50 Jahre sind gar nicht so lange – ob die neue goldene Bahn schöner ist oder nicht, ist letztlich subjektiv. Ich freue mich stets an alten «Sachen», die Tradition und Nostalgie mit sich bringen. Die Polybahn wurde vor einigen Jahren (ca. im Jahr 2000) auch komplett revidiert/automatisiert, aber die Wagen haben immer noch die alte Form. Die Seilbahn Rigiblick ist moderner, aber es finden dauernd Wartungsarbeiten statt. Dies kann auch nicht Sinn der Sache sein. Kurz und gut: Alle Schalthebel der Bahn in Bewegung setzen und die alten Bahnwagen erhalten! Daniel Schmucki

Warum muss die alte Dolderbahn ersetzt werden? Sie ist toll im Schuss. Hab letzten Sonntag eine Fahrt geniessen können und dabei viele Gedanken an meine Kindheit gehabt: Eis laufen ..., schwimmen im Wellenbad ..., Zoobesuche ..., Spaziergang ins Restaurant Degenried mit Familie. Mir würde das alte, süsse Bähnchen sehr fehlen. Wir brauchen keine «vergoldete» Bahn. Fred Majo

Warum muss Zürich der Welt immer seinen Reichtum vor Augen halten? Einmal bescheiden wäre toll. Frau von Walterskirchen hat vollkommen recht. Die Dolderbahn soll saniert werden. Wenn Tausende im Tram auf Holzbänken sitzen können, warum nicht die Gäste der Dolderbahn? Emerita Seiler

Ich lebe seit über 30 Jahren im unmittelbaren Einzugsgebiet der Dolderbahn und bin schon als Kind und Jugendliche aus Witikon gerne und regelmässig Dolderbahn gefahren. Die Bahn wurde damals noch als Standseilbahn betrieben und endete beim Hotel Waldhaus Dolder. Technisch sinnvolle und bedarfsgerechte Innovationen unterstütze ich gerne, jedoch nicht für sogenanntes modernes und edles Design, vor allem, wenn es wesentlich auf das Grand Hotel mit «. . . goldigen Elementen und typischen Motiven aus der Umgebung vom Dolder Grand» ausgerichtet ist. Dies wäre aus der Sicht einer Quartierbewohnerin fehl am Platz. Das zurückhaltende Design der Bahn ist sinnvoll, wie es ist. Ich sehe nicht, was da noch fehlte. Somit schliesse ich mich gerne dem Anliegen von Frau von Walterskirchen an. Monique Dubois

Im Grundsatz bin ich mit der Initiative von Frau Walterskirchen sehr einverstanden. Dass nach 50 bzw. 20 Jahren Betrieb der zwei Fahrzeuge eine Erneuerung ansteht, ist okay. Ob es gleich eine Totalerneuerung braucht, ist wohl diskutierbar. Zumindest zwei Argumente des Designbüros sind doch wirklich ohne Zusatznutzen für die Benutzer und etwas hohl: Die jetzigen Fahrzeuge können im Innenraum wohl nicht aufgeräumter und funktionaler sein. Die Bahn braucht weder einen exklusiven Charakter (was ist das schon?), noch ist für die 6-minütige Fahrt eine Komfortsteigerung nötig. Die Bahn selbst ist etwas Exklusives und gehört zu unserem ÖV-Angebot. Bruno Stocker

Gott sei Dank hat Stéphanie von Walterskirchen die Initiative für den Erhalt der alten Dolderbahn ergriffen. Die noch bestehende Bahn besticht durch ihre klare, funktionale, zeitlose Gestaltung. Die Fenster folgen einer logischen Struktur und sind funktional gegliedert. Genau so muss eine «Bergbahn» aussehen. Die neue kann ihr nie und nimmer das Wasser reichen. Die unterschiedlichen, zusammenhangslosen Formen und Grössen der Fenster und ihr goldenes Dekor sind logisch nicht erklärbar, und Proportionen sind nicht zu erkennen. Ein total missratenes modernistisches «Design». Offenbar von Grafikern, nicht von Konstrukteuren entworfen. So etwas dürfte niemals auf die Schiene kommen. Wie konnte es zu einer solchen Geschmacksverirrung kommen? Wer wählt solche Entwürfe aus? Haben diese Leute überhaupt eine entsprechende Ausbildung und gestalterischen Sachverstand? Hannes Strebel

Die Argumentationen von Frau Walterskirchen für die Stornierung des Kauf­vertrags (wer bezahlt wohl die dadurch fällige Busse?) sind recht dürftig. Technisch und funktional sind die 50-jährigen Wagen definitiv am Ende ihrer Lebenszeit angelangt. Und über das Design kann man ruhig diskutieren, Geschmacksache. Haben die gleichen Personen auch gegen die Modernisierung der Züritrams opponiert? Nostalgie ist ja gut, aber für den Tagesgebrauch wünsche ich mir kein überaltertes, störungs- und reparaturanfälliges Transportmittel. Vorschlag zur Güte: Einer der ausgemusterten Dolderbahn-Wagen sollte Frau von Walterskirchen gratis überlassen werden zur Aufstellung in ihrem Garten.
Ernst Pieren

Die neue Dolderbahn ist ein Bijou. Sie ist keine «vergoldete» neue Bahn. Der Ersatz ist technisch und ausrüstungsgemäss notwendig, etwa vergleichbar mit Trams, welche nach einer gewissen Einsatzdauer erneuert werden müssen. Die VBZ haben die Neubeschaffung nach wirtschaftlichen und technischen Kriterien wohl überlegt entschieden. Freuen wir uns auf die erfrischend neue Dolderbahn. Reto Vogelbacher

 

Lorenz Steinmann