Home Quartiere Sport Regional Rubriken In-/Ausland
Stadt Zürich
31.08.2022

Gemeinderat gegen Flugshows und Feuerwerke am Züri Fäscht

Die drei Feuerwerke bleiben wohl im Programm des Züri Fäscht 2023 - doch baldmöglichst sollen sie ersetzt werden. (Archivbild)
Die drei Feuerwerke bleiben wohl im Programm des Züri Fäscht 2023 - doch baldmöglichst sollen sie ersetzt werden. (Archivbild) Bild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA
Das Stadtzürcher Parlament streicht das Programm des Züri Fäscht zusammen: Es sprach sich knapp für ein Verbot der Flugshows aus. Zudem regt es den Verzicht auf die traditionellen Feuerwerke an. Finanziell unterstützt die Stadt den Grossanlass aber stärker als bislang.

Mit 59 Ja- zu 55 Nein-Stimmen verankerte der Gemeinderat am Mittwochabend, dass am Züri Fäscht keine Flugshows mehr stattfinden dürfen. SP, Grüne und AL setzten sich gegen SVP, FDP, GLP, EVP und Mitte durch.

"Flugshows verherrlichen das Fliegen, das weltweit für einen hohen CO2-Ausstoss verantwortlich ist", begründete Balz Bürgisser (Grüne) den Antrag. Mit dem Streichen der waghalsigen Darbietungen soll am Züri Fäscht ein Zeichen gesetzt werden.

Der Verein Zürcher Volksfeste, der das Züri Fäscht alle drei Jahre durchführt, hatte angekündigt, dass er alles dransetzen werde, "die Flugshows bereits 2023 klimaneutral durchzuführen, indem die eingesetzten Maschinen mit synthetischem Treibstoff fliegen werden". Darauf wiesen auch mehrere Befürworter des Programm-Punktes hin.

Für Bürgisser blieb dies aber keine Option: "Nur weil synthetisches Kerosin eingesetzt wird, ist ein Flugzeug noch nicht klimaneutral unterwegs." Für die Herstellung sei Strom nötig, und der europäische Strommix sei nicht klimaneutral.

Suchen eines Ersatzes für Feuerwerke

Ein Zeichen setzte der Gemeinderat auch bezüglich der Feuerwerke: Diese werden zwar nicht per sofort verboten, doch soll der Stadtrat nun zumindest prüfen, wie sich die Raketen am Züri Fäscht baldmöglichst durch umweltfreundliche Alternativen ersetzen liessen.

Ein entsprechendes Postulat von Grünen und SP überwies der Gemeinderat mit 71 zu 42 Stimmen. Zusätzlich zu Grünen, SP und AL sprach sich auch die GLP dafür aus. "Feuerwerke schaden Mensch und Umwelt", begründete Bürgisser diesen Vorstoss.

Auf bürgerlicher Seite stiess dies auf Kritik: Die Feuerwerke seien die beliebtesten Attraktionen am Grossanlass, sagte Stefan Urech (SVP). Diesen gefährde man nun ohne Not, und dies ohne damit dem Klima zu helfen. "Nur 0,2 Prozent der gesamten Emissionen des Anlasses werden durch das Feuerwerk verursacht."

Wunsch nach einem grüneren Fest

Mit verschiedenen weiteren Vorstössen verlangte der Gemeinderat, dass der Grossanlass nachhaltiger wird. Mit 81 Ja- zu 33 Nein-Stimmen überwies er ein Postulat der Grünen, das "innovative Konzepte und Prozesse" verlangt, damit das Züri Fäscht den städtischen Klimazielen nicht in die Quere kommt. Denkbar sei etwa eine grundsätzliche Neukonzeption, damit der Anlass kleiner, feiner und sicher klimaverträglich werde, hiess es im Postulat.

Zudem soll der Stadtrat prüfen, wie am Züri Fäscht so schnell als möglich eine Pflicht zu Mehrweggeschirr oder Einweggeschirr mit geringer Umweltbelastung eingeführt werden kann. Der Gemeinderat stellte sich mit 72 Ja- zu 42 Nein-Stimmen hinter ein Postulat von Grünen und SP.

Von verschiedener Seite wurde zwar kritisiert, dass diese Vorstösse an sich unnötig seien, da sich das Züri Fäscht bereits entsprechend bemühe. Letzteres hob auch Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) in ihrer Stellungnahme hervor: Es liege ein "überzeugendes Nachhaltigkeitskonzept" vor. Dieses könne auch als Richtschnur für andere Anlässe und Events in der Stadt gelten.

Beitrag an Fest ist unbestritten

Trotz Kritik an einzelnen Programmpunkten - der Gemeinderat steht hinter dem Stadtfest. Er genehmigte einen unbefristeten Kredit mit 113 Ja- zu 1 Neinstimme deutlich. Die Stadt unterstützt damit den alle drei Jahre stattfindenden Grossanlass neu jeweils mit 3,75 Millionen Franken. Bislang waren es 2,7 Millionen Franken.

Nur ein kleiner Teil davon fliesst als Betriebsbeitrag zum Organisationskomitee. Der grosse Rest - rund 3,35 Millionen Franken - kommt ihm indirekt zu. Die Stadt verzichtet auf Mieten und Gebühren. Zudem erbringen zehn Dienstabteilungen - von Entsorgung bis Schutz & Rettung - diverse Leitungen unentgeltlich.

Das nächste Züri Fäscht findet im Juli 2023 statt. Es zieht jeweils rund 2,5 Millionen Besucherinnen und Besucher an. Das Logo ist ein Zürcher Löwe, dessen Mähne einem Feuerwerk nachgebildet ist.

Keystone-SDA