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Stadt Zürich
08.09.2022

Stadt Zürich bewahrt Kongresshaus vor dem Konkurs

Das Kongresshaus und die Tonhalle im Juni 2021: Mit einer Gesamtrenovation wurde das Gebäudeensemble zugänglicher, übersichtlicher und flexibler nutzbar - doch Bauverzögerungen und Coronapandemie setzten ihm finanziell zu. (Archivbild)
Das Kongresshaus und die Tonhalle im Juni 2021: Mit einer Gesamtrenovation wurde das Gebäudeensemble zugänglicher, übersichtlicher und flexibler nutzbar - doch Bauverzögerungen und Coronapandemie setzten ihm finanziell zu. (Archivbild) Bild: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
Um die Kongresshaus Zürich AG zu retten, wird die Stadt Zürich deren Hauptaktionärin. Der Gemeinderat hat am Mittwochabend einen Kredit über maximal 4,5 Millionen Franken genehmigt. Damit wird die Gefahr einer Überschuldung des Kongresshauses gebannt und gemäss Finanzplänen ist eine Rückkehr in die Profitabilität möglich.

Für die Stadt Zürich ist das Kongresshaus wichtig: Ein Konkurs der Kongresshaus Zürich AG hätte gemäss Stadtrat nicht nur den direkten Verlust von rund 480 Arbeitsplätzen zur Folge. Ein solcher wäre auch mit weitreichenden negativen direkten Folgen für die wirtschaftliche Erholung der Tourismus- und Veranstaltungsbranche verbunden.

Der Gemeinderat sah dies am Mittwochabend ähnlich: Er stimmte der vom Stadtrat beantragten Rettung mit 99 Ja- zu 22 Nein-Stimmen deutlich zu. Gegen den Kredit sprachen sich AL und SVP aus.

«Ein Fass ohne Boden»

Von einem «langen Trauerspiel» mit vielen Rettungsaktionen und in den Gebäudemauern verschwundenen Millionen sprach Stefan Urech (SVP). Er zeigte sich überzeugt, dass Kongresse auch ohne «staatliches Kongresszentrum» stattfinden könnten.

Zum wiederholten Male bitte der Stadtrat den Gemeinderat nun um Geld fürs Kongresshaus, kritisierte auch Moritz Bögli (AL). «Wir haben Angst, dass das ein Fass ohne Boden wird.» Bögli wies auf die komplizierten Strukturen mit drei miteinander verzahnten Organisationen Kongresshaus Zürich AG (Kongressbetreiberin), Tonhalle-Gesellschaft (Konzertbetreiberin) und Kongresshaus-Stiftung (Hausbesitzern) hin. Statt an der AG festzuhalten, sollten endlich diese Strukturen angepasst werden.

Die Mehrheit des Rates sprach sich aber für die beantragte Sanierung der AG aus. Das Haus stünde andernfalls lange leer, Mitarbeiter und Know-how gingen verloren, und all jene, die es bereits gebucht hätten, würden entnervt einen anderen Standort suchen, meinte etwa Severin Pflüger (FDP).

Aber auch die Mehrheit drängt auf Anpassungen der Strukturen. Der Stadtrat soll nun im Hinblick auf den Auslauf des Mietvertrags im Jahr 2028 eine Auslegeordnung mit Varianten zur Zukunft der AG vorlegen. Ein entsprechendes Begleitpostulat der SP wurde mit 76 zu 13 Stimmen und bei 30 Enthaltungen an den Stadtrat überwiesen.

Pandemie trifft umbaugeschwächtes Haus

Die Kongresshaus Zürich AG stand im März 2021 vor dem Konkurs. Die drohende Zahlungsunfähigkeit konnte damals dank eines vom Stadtrat gesprochenen Kredits über 1,9 Millionen Franken abgewendet werden.

Denn als die Corona-Pandemie die Messe- und Eventbranche ausbremste, war das Haus am Zürichseeufer bereits geschwächt: Kongresshaus und Tonhalle waren ab 2017 umgebaut und saniert worden, wegen Bauverzögerungen konnte der Betrieb erst ein Jahr verspätet im September 2021 wiederaufgenommen werden.

Zum budgetierten Defizit wegen der baubedingten Schliessung kamen noch die durch die Pandemie bedingten Ausfälle hinzu. Diese beziffern die Verantwortlichen für die Jahre 2021 und 2022 auf rund fünf Millionen Franken.

Mit «Harmonika» reduzieren und erhöhen

Zur Sanierung soll nun eine sogenannte «Harmonika» durchgeführt werden. In einem ersten Schritt erfolgt ein Kapitalschnitt. Die 5000 Aktien mit einem Nominalwert von 1000 Franken werden auf 100 Franken herabgesetzt. Das Aktienkapital reduziert sich damit von 5 Millionen Franken auf 500'000 Franken.

In einem zweiten Schritt wird das Aktienkapital wieder auf 5 Millionen Franken erhöht. Jeder Aktionär kann pro bereits gehaltener Aktie neun weitere à 100 Franken erwerben. Die Stadt Zürich garantiert diese geplante Erhöhung mit dem am gesprochenen 4,5-Millionen-Kredit. Sie könnte, wenn keine anderen Aktionäre mitziehen, alle neuen Aktien kaufen.

Die Stadt wird dadurch Mehrheitsaktionärin an der Kongresshaus Zürich AG. Damit seien auch deren Einflussmöglichkeiten auf die weitere Entwicklung sichergestellt, betonte der Stadtrat in seiner Weisung. Einen späteren Verkauf der Aktien schliesst er nicht aus.

Ob es wirklich zur Kongresshaus-Harmonika kommt, wird sich erst im Spätherbst zeigen. Über Kapitalschnitt und -erhöhung wird die Generalversammlung der Kongresshaus Zürich AG entscheiden. Diese ist derzeit für den 16. November angesetzt. Davor muss der Gemeinderatsentscheid rechtskräftig sein. Das ist frühestens nach dem Ablauf der 60-tägigen Referendumsfrist der Fall.

Keystone-SDA