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Zürich Nord
12.09.2022
19.09.2022 08:39 Uhr

Polit-Rundgang in Zürich Nord

Gregor Kreuzer, Monika Wicki und Beat Habegger gingen auf die Fragen der Teilnehmenden ein.
Gregor Kreuzer, Monika Wicki und Beat Habegger gingen auf die Fragen der Teilnehmenden ein. Bild: Karin Steiner
Die Kantonsrätin Monika Wicki (SP) und die Kantonsräte Beat Habegger (FDP) und Gregor Kreuzer (GLP) luden zu einem politischen Abendspaziergang durch Zürich Nord ein. Dabei wurden aktuelle Themen kontrovers diskutiert.

Karin Steiner

Die Idee der drei Mitglieder des Kantonsrats war es, aktuelle Themen gleich vor Ort miteinander und auch mit den Teilnehmenden zu diskutieren. Der Rundgang begann vor dem Hunzikerareal, das mit seiner Überbauung der Baugenossenschaft «Mehr als Wohnen» internationalen Bekanntheitsgrad erlangt hatte, wie Monika Wicki betonte. «Genossenschaften sind ein Verbund von Menschen, die ein gemeinsames Interesse haben, nämlich günstigen Wohnraum zu schaffen», sagte sie. «Sie profitieren von günstigen Zinsen, weil der Gewinn nicht abgeschöpft wird. Und sie profitieren auch vom Baurecht. Die Baugenossenschaft hat das Baurecht für 60, 80 Jahre und zahlt dem Eigentümer, zum Beispiel der Stadt Zürich, dafür einen Zins. Das ist auch für die Stadt langfristig lukrativ. Die SP unterstützt das Modell von Genossenschaften und fordert von der Stadt Zürich, mehr Land aufzukaufen und im Baurecht abzugeben.»

Eine Hilfe zur Selbsthilfe

«Auch die FDP unterstützt die Genossenschaften», sagte Beat Habegger. «Es ist quasi eine Hilfe zur Selbsthilfe. Aber wir müssen auch den privaten Grundbesitzern ermöglichen, zu bauen. Wenn die Stadt Land im Baurecht abgibt, ist es wichtig zu schauen, dass die Richtigen vom günstigen Wohnraum profitieren.» Was ihm bei «Mehr als Wohnen» gefalle sei die Tatsache, dass es hier optimal gelungen sei, zu verdichten und trotzdem Grünraum zu erhalten. Auch Gregor Kreuzer stimmt zu, dass verdichtet werden muss. «Das Land wird knapper, das heisst für die einen teurer und für die anderen billiger. Der Baurechtszins ist lächerlich tief. Irgendwer muss das bezahlen. Wohnen ist ein Grundrecht, das für alle gleich sein sollte.»

Die zweite Station auf dem Rundgang war die Ecke Hagenholz-/Thurgauerstrasse. «Der Verkehr hier ist immens», sagte Beat Habegger. «Es geht nicht ohne ÖV, das ist das Rückgrat städtischer Mobilität. Aber die Leute, die mit dem Auto unterwegs sind, tun dies nicht aus Spass. Ich bin absolut gegen irgendwelche Verbote. Es muss eine Verschmelzung von öffentlichem und privatem Verkehr geben.»

Die SP setzte sich gegen den privaten Verkehr ein, so Monika Wicki. «Die Lebensqualität muss steigen, deshalb fördern wir Velorouten.» «An der Thurgauerstrasse wurde ein völliges Chaos gebaut», so Gregor Kreuzer. «Seebach wurde ohne Konzept getrennt, es gab keine Verkehrsführung. Die SP und die FDP verfolgen eine Salamitaktik – die SP will die Autos loswerden und bei der FDP soll es möglichst wenig kosten. Aber es braucht ein Konzept. Es nützt nichts, einfach nur Velowege zu bauen. Auch sollte es auswärts attraktivere Arbeitsplätze geben, sodass nicht alle Leute in die Stadt zur Arbeit fahren müssen.»

Weiter ging der Fussmarsch zum Max-Bill-Platz. «Das ist ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte», so Georg Kreuzer. «Im Sommer herrscht hier eine Riesenhitze und davor brausen die Autos hin und her. Dieser Platz ist sinnlos, es wurden keine Ausgleichsflächen geschaffen.» «Als dieser Platz geplant wurde, war eine andere Zeit», erklärte Monika Wicki. «Heute plant man von Anfang an mehr Natur ein. Das Problem ist, dass das Center Eleven gegen den Bahnhof offen ist und gegen den Max-Bill-Platz wie ein Riegel dasteht.» «Mir gefällt der Platz», ergänzte Beat Habegger. «Er ist heute belebter als früher. Und rundherum gibt es schöne Parkanlagen.»

MFO-Park: Schön, aber laut

Eine dieser angesprochenen grünen Oasen, der MFO-Park, war die letzte Station der Tour. Er gilt als schönster Park in Zürich Nord. «Dieser Park ist ein gutes Beispiel dafür, was herauskommt, wenn alle zusammensitzen und reden», so Monika Wicki. Und Beat Habegger gefällt es, dass man rund um den Park viel Industrie und Dienstleister findet. «Das ist wichtig für vielfältige Arbeitsplätze. Unternehmen sollen in der Stadt auch Platz haben.»

«Nirgendwo gibt es so viele Lärmklagen wie bei diesem Park», wendete Gregor Kreuzer ein. Diese Lärmklagen kommen von den Anwohnenden, deren Schlafzimmer in Richtung Park ausgelegt sind. «Aber irgendwo müssen sich die Jugendlichen ja aufhalten können. Nicht alle können sich den teuren Ausgang in Zürich leisten. Man sollte als Alternative mehr Sportanlagen für Jugendliche bauen.» Es würden bewusst keine grossen Anlässe im MFO-Park bewilligt, um den Park nicht noch bekannter zu machen, sagte Monika Wicki. «Aber man muss eindeutig mehr für Jugendliche tun.»

Das Thema Jugend kommt nebst den Themen Bildung, Sport, Verkehr und Wohnen an einem zweiten Polit-Rundgang zur Sprache, den Monika Wicki, Beat Habegger und Gregor Kreuzer am 23. September durchführen. Start ist um 18.30 Uhr beim Max-Frisch-Platz, Abschluss um 20 Uhr auf dem Marktplatz Oerlikon.

Karin Steiner