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Aus dem Gemeinderat
14.09.2022
14.09.2022 16:04 Uhr

Energiekrise und Energiewende: Heute schon kalt geduscht?

Andreas Kirstein
Andreas Kirstein Bild: zvg
Hätten diese politischen Kreise nicht seit Jahrzehnten den Umstieg auf Erneuerbare verhindert, hätten wir keine Energiekrise.

Andreas Kirstein, Gemeinderat AL, Wahlkreis 11

Zurzeit überbieten sich Politikerinnen, Politiker, Branchenvertreterinnen und Branchenvertreter mit Vorschlägen, wie die Privathaushalte den Gürtel im Energieverbrauch enger schnallen sollen. Bereits heute müssten wir alle durch braves Sparen einen kleinen Energiespeckgürtel zulegen, damit wir und vor allem die Wirtschaft gut durch den Winter kommen.

In Bundesbern wird derweilen hart um die Priorisierung der Notfallmassnahmen gerungen. Sollen wir Private zuerst ohne Strom auskommen, wie das die Wirtschaftsverbände und Bastien Girod (Grüne) fordern oder soll es nach dem derzeit allerdings wöchentlich wechselnden Willen des Bundesrates gehen und der Wirtschaft zuerst Strom und Gas kontingentiert werden?

Bei all dem Krisengeschrei geht leicht vergessen, dass die Energiemangellage zuallererst eine Kostenkrise für Private und Unternehmungen darstellt. Wer seine Firma dank Stromverbrauch über 100 MWh den Segnungen des freien Marktes überantwortet hat, wird von gewaltigen Preisschüben überrascht und energieintensiven Firmen droht der Bankrott.

Wir Kleinen – bis vor kurzem noch despektierlich «gefangene Kunden» genannt – profitieren derweilen vom starken städtischen Betrieb EWZ, die uns dank eigenen Kraftwerken und vorausschauender Planung der Stauseefüllung im nächsten Jahr Preisstabilität bietet. Zudem hat die AL im Gemeinderat ein Postulat für eine Energiezulage für die Ärmsten in der Stadt eingereicht, um die steigenden Energienebenkosten in der Miete abzufedern.

Und die Energiewende?

Sie müsse, wollen uns die rechten Parteien weis­machen, eine Pause einlegen, denn jetzt gäbe es höhere Prioritäten. Da fordern sie jetzt europaweit, in Deutschland gar zusammen mit den Grünen, Gas- und Kohlekraftwerke in Betrieb zu nehmen, und selbst die Hochrisikotechnologie Kernkraft wird wieder salonfähig. Deren Uran ist genauso endlich und genauso zur Erpressung geeignet wie die fossilen Brennstoffe. Hätten dieselben politischen Kreise und die Fossilindustrie nicht seit Jahrzehnten den Umstieg auf Erneuerbare verhindert, hätten wir heute gar keine Energiekrise.

Wir tun deshalb gut daran, auf dem Weg der Energiewende noch schneller weiterzugehen und unsere Ab­hängigkeit von fossilen Brennstoffen zu  beenden. Die Bewohnbarkeit unseres Planeten hat eine höhere Priorität als Wirtschaftswachstum, und deshalb müssen die Gewinne radikal in Investitionen in neue umweltfreundliche Technologien um­geleitet werden.

In der Rubrik «Aus dem Gemeinderat» schreiben Volksvertreter regelmässig einen Beitrag. Alle im Stadtparlament vertretenen Parteien bekommen hierzu regelmässig Gelegenheit. Die Schreibenden äussern im Beitrag ihre persönliche Meinung.

Andreas Kirstein, Gemeinderat AL, Wahlkreis 11