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Zürich West
15.09.2022
14.09.2022 16:41 Uhr

Das «Big Picture» für die Grünau steht

Klein, aber oho: Die Grünau hat sich für die Gestaltung ihrer Lebensräume Mitsprache auf Augenhöhe mit der Stadt erkämpft.
Klein, aber oho: Die Grünau hat sich für die Gestaltung ihrer Lebensräume Mitsprache auf Augenhöhe mit der Stadt erkämpft. Bild: zvg.
Angefangen hatte alles mit einem lauten Knall vor drei Jahren, als Stadt- und Quartierinteressen rund um die Schulhausplanung aufeinanderprallten. Doch der Knall gebar ein gemeinsames Vorzeigeprojekt: das «Big Picture Grünau». Kürzlich wurde es im Quartier offiziell vorgestellt.

Lisa Maire

Das «Big Picture Grünau» nimmt den starken Wunsch der Grünauerinnen und Grünauer nach einer ganzheitlichen Betrachtung ihres Quartiers und dessen Entwicklungsmöglichkeiten bis 2030 oder länger auf. Innerhalb eines Jahres wurde an zwei Mitwirkungsanlässen und in zusätzlichen Arbeitsgruppen ein Zielbild für eine sozial verträgliche Quartierentwicklung erarbeitet. Mit dabei waren jeweils 50 bis 60 Teilnehmende aus Wohnbevölkerung, Quartierinstitutionen und Stadtverwaltung.

«Wertvoller sozialer Austausch»

Im Gegensatz zur ansonsten verwaltungsgetriebenen Mitwirkung traten diesmal Quartierverein und Stadtverwaltung als direkte Partner auf. «Das war für uns neu und intensiv», sagte Stadtrat André Odermatt (SP) bei der Abschlussveranstaltung auf dem alten Dorfplatz.Für Externe sei es ja nicht immer einfach zu verstehen, wie eine Verwaltung funktioniere, und umgekehrt für die Stadtverwaltung nicht immer klar, wie ein Quartier ticke.

Und doch habe es eine konstruktive Zusammenarbeit, einen «wertvollen sozialen Austausch» ge­geben, so der Hochbauvorsteher. Die im Mitwirkungsprozess gewonnenen ­Erkenntnisse könne man künftig auch für andere Quartierplanungen nutzen.

«Wir können etwas bewegen»

«Wir konnten von Ihnen lernen», gab auch die Tiefbauvorsteherin, Stadträtin Simone Brander (SP), die Erfahrungen ihrer Fachleute an den Workshops und in den Arbeitsgruppen wieder. Dort wurde diskutiert und gestritten, bis die Köpfe rauchten. Dabei sei es zuerst oft um den Rahmen des Machbaren gegangen, so Projektleiterin Bianca Wilderich vom Hochbaudepartement. Um die Frage: Was kann die Stadt überhaupt leisten, wo sind ihr Grenzen gesetzt?

Wilderich lobte das grosse Engagement der Grünauerinnen und Grünauer für ein gutes Zusammenleben, den starken Willen, eigene Lebensräume mitzugestalten. Umgekehrt gab es viele Lorbeeren für die Verwaltung. Dalibor Malina und Daniel Zeller vom Quartierverein sprachen von guter Stimmung, engagiertem Zu­hören und Erklären, wertschätzenden ­Begegnungen auf Augenhöhe.

Das Zielbild und wies weitergeht

Und eine Quartierbewohnerin, die in der Arbeitsgruppe Schule dabei war, zog die schöne Bilanz: «Wir haben gesehen, dass wir etwas bewegen können. Früher gab es wegen der geplanten neuen Schule viele Ängste. Heute freuen wir uns auf sie.» Das «Big Picture Grünau» ist als Guideline für künftige Projekte und deren ­Umsetzung zu verstehen. Es folgt vier zentralen Leitlinien zu Themen wie Wohn­situation, Erschliessung, Naherholung, Freizeitangebot, Schule, Quartierversorgung und -belastung.

«Ausgewogene Vielfalt», «Attraktive Aussenräume», «Kurze Wege», «Engagierte Zusammenarbeit», lauten diese Leitgedanken. Umfassend beschrieben sind sie in der Zeitung «Big Picture Grün­-au», die als PDF auf der Internetprojektseite der Stadt runtergeladen werden kann. Auf der Homepage des Quartiervereins ist zudem der eindrückliche Film des Grünauer Filmemachers Thomas Isler ­abrufbar, der den Mitwirkungsprozess begleitet hat.

Das Fazit aller Beteiligten lautet: Der gemeinsame Prozess hat sich gelohnt. Und alle wünschen sich, dass der Dialog zwischen Stadt und Quartier aufrecht­erhalten und die Arbeitsgruppen (Schule, Quartierpark, Grünauring, Jugendpartizipation und Generationenpark) weitergeführt werden können.

Lisa Maire