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Aus dem Gemeinderat
14.09.2022
14.09.2022 16:05 Uhr

Fürs Zürcher Pflegepersonal braucht es konkrete Massnahmen

Tanja Maag
Tanja Maag Bild: zvg.
Die Kernsätze des Programms ‹Stärkung Pflege› klingen vielversprechend, sind jedoch gar nicht konkret.

Tanja Maag, Gemeinderätin AL, Wahlkreis 9

Aktuell sind schweizweit rund 13 000 Pflegestellen unbesetzt. Diese Realität widerspiegelt ein welt­weites Phänomen, wie ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Weltverbands der Pflegefachpersonen ICN aufzeigt. Pflegende haben sehr viel geleistet, um die Gesundheitsversorgung während der Coronapandemie aufrechtzuerhalten. Das hat seinen Preis: Erschöpfung und damit verbundene Berufsaustritte verschärfen die fragile Ausgangssituation.

Der Weltverband fordert den Berufserhalt durch Verbesserung von Arbeitsbedingungen, die Sicherung der Versorgungsqualität durch ein definiertes Verhältnis von diplomierten Pflegefachleuten zu Patientinnen und Patienten sowie die Vergütung von unplanmässigen Mehrbelastungen. Kantone und Gemeinden sind aufgerufen, schneller, als der Bund dies veranlasst, Gesundheitsbetriebe darin zu unterstützen, die Arbeitsbedingungen massiv zu verbessern sowie den gesetzlichen Rahmen zu schaffen, dass die erste Tranche der Volksinitiative «Für eine starke Pflege» – die Ausbildungsoffensive – ohne Verzug umgesetzt werden kann. 

Wie begegnet die Stadt Zürich diesen Herausforderungen? Der Stadtrat ist mit dem Programm «Stärkung Pflege» relativ früh aktiv geworden. Ziele dieses Programms sind u.  a., die Anliegen der Pflegefachpersonen aufzunehmen, Berufsausstiege zu ver­hindern, den Nachwuchs zu sichern. Als erste ­Massnahme sind lohnwirksame Funktionsstufen­­erhöhungen umgesetzt worden, was ein wichtiger Schritt ist. Abgesehen davon erweist sich das Stärkungsprogramm bisher jedoch als Schönwetterprogramm. Die Kernansätze klingen vielversprechend und sind grossartig präsentiert, jedoch gar nicht konkret.

Derweilen wächst die Unzufriedenheit beim Pflegepersonal am Stadtspital und schwappt aus den Spitaltüren heraus. Die schönen Reden und gleichzeitige Reorganisation und Verschlankungsprozesse machen den Leuten zu ­schaffen. Um die Ausbildungstätigkeit zu intensivieren, braucht es Ausbilderinnen und Ausbilder. Leider ist genau diese Funktion bei den Stufenerhöhungen leer ausgegangen. Sollten die Betroffenen in Gesprächen und auf dem Rechtsweg nicht weiterkommen, zeichnet sich hier ein Ansatz für einen politischen Vorstoss ab.

Um dem Stadtrat Klarheit zum Programm im Allgemeinen und zur Lage am Stadtspital im Spezifischen abzuringen, stehen eine schriftliche Anfrage und eine Interpellation der AL zur Behandlung an. Das Ziel ist, eine Konkretisierung der Umsetzung zu forcieren. Interessant in Bezug auf die Verbes­serung der Arbeitsbedingungen ist zudem ein ­gemeinsamer Vorstoss von AL/SP, welcher ein Pilotprojekt für die Einführung einer 35-Stunden-Arbeits­woche (bei 100%igem Pensum) für städtische Angestellte im Schichtbetrieb fordert.

In der Rubrik «Aus dem Gemeinderat» schreiben Volksvertreterinnen und -vertreter regelmässig einen Beitrag. Alle im Stadtparlament vertretenen Parteien bekommen hierzu regelmässig Gelegenheit. Die Schreibenden ­äussern im Beitrag ihre persönliche Meinung.

Tanja Maag, Gemeinderätin AL, Wahlkreis 9