Home Quartiere Sport Regional Rubriken In-/Ausland
Zürich 2
16.09.2022
15.09.2022 08:57 Uhr

Raffiniert und hochstehend

Bei «Stimmfolk» sind die Töne nicht auf Hochglanz poliert.
Bei «Stimmfolk» sind die Töne nicht auf Hochglanz poliert. Bild: zvg.
Marianne Racines Formation Stimmfolk trat im Rahmen der Konzertreihe «Musik in St. Franziskus» in Wollishofen auf und fesselte mit ihren volksmusikalischen Erzählungen.

Und da waren wir bereits mitten im Konzert drin, obschon doch eigentlich erst die Begrüssung angestanden hatte. Aber beim «Stimmfolk» sind die Übergänge zwischen Kommunikation und Kunst wie auch zwischen Wort und Musik fliessend, und so wurde aus den Begrüssungsfloskeln gleich das erste «Stück» dieses Konzerts in Form eines Sprechchors.

Keine «normale» A-cappella-Musik

Banal und alltäglich in der Anlage, raffiniert und hochstehend in der Ausführung durch Stimmfolk: Das von der Jazzsängerin Marianne Racine vor vier Jahren gegründete Vokalquartett, bestehend aus Meret Roth (S), Florian Glaus (T), Fabian Carisch (B) und der Gründerin (A) selbst, bot dem zahlreich erschienenen Publikum an diesem Sonntagabend im Pfarreizentrum St. Franziskus in Wollishofen auch in der folgenden Stunde keine «normale» A-cappella-Musik.

Denn, und das wurde vielen Zuhörerinnen und Zuhörern schnell klar, bei Stimmfolk sind die Töne nicht gepützelt, künstlich und auf Hochglanz poliert, sondern vor allem persönlich und echt. Man könnte dem auch «urchig» sagen, doch das griffe zu kurz. Der Ton und die Musik bestehen hier nicht einfach aus Schwingungen in einer bestimmten Höhe, sondern sind vielmehr arrangierte Sprache, Dialekt und Geräusch – aber eben vor allem auch Erzählung und Geschichte.

Die Textur und die Seele der Töne

Damit man das nicht falsch versteht – die Tonhöhen sind jederzeit rein, die Akkorde und Harmonien äusserst sauber und in grosser Virtuosität in dieser Musik anzutreffen, doch sind dies nicht die zentralen Aspekte, um welche es den vier Künstlerinnen und Künstlern geht. Viel interessanter an einem Ton scheinen hier dessen Temperatur, dessen Textur, Rauheit, Timbre und nicht zuletzt dessen Seele zu sein.

Das Repertoire des Quartetts besteht fast ausschliesslich aus Schweizer Volksmusik, derart kunstvoll und variantenreich arrangiert, dass es einen immerwieder verzückt ab all den Ideen, mit welchen sowohl 500 Jahre alte Bauernlieder, Appenzeller Tänze wie auch zeitgenössische Stadtpoesie vertont und nicht zuletzt beseelt werden.

Dem Publikum jedenfalls war die Stunde viel zu schnell um, und es erklatschte sich mit viel Begeisterung zwei Zugaben. Wer das Konzert verpasst hat, kann Stimmfolk leider erst ab Dezember wieder live erleben, doch ein Besuch sei schon heute wärmstens empfohlen.

(e.)