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Stadt Zürich
15.09.2022
15.09.2022 16:55 Uhr

Weitere Kreisbüros machen zu, das sorgt für Proteste

Im Jahr 2023 wird das Kreisbüro 6 und 10 ins Kreisbüro 11 und 12 einziehen. Die Wartezeiten in Oerlikon sind jetzt bisweilen schon beträchtlich. Das Personenmeldeamt will vermehrt auf Online-Dienstleistungen und ein Callcenter setzen.
Im Jahr 2023 wird das Kreisbüro 6 und 10 ins Kreisbüro 11 und 12 einziehen. Die Wartezeiten in Oerlikon sind jetzt bisweilen schon beträchtlich. Das Personenmeldeamt will vermehrt auf Online-Dienstleistungen und ein Callcenter setzen. Bild: ls.
Anfang Februar 2023 zieht das Kreisbüro 2 ins Stadthaus. Kurz darauf werden dann die Kreisbüros 6 und 10 aufgehoben und ins Kreisbüro 11 und 12 beim Bahnhof Oerlikon verlegt. Auch die Kreisbüros 3, 9 sowie 4 und 5 werden zusammengelegt. Quartiervereine bedauern den Abbau des Service public.

Pia Meier

Das Kreisbüro 2, das sich heute beim Bahnhof Enge befindet, wird Anfang Februar 2023 als letztes der vorgesehenen Kreisbüros ins Stadthaus ziehen. Das Stadthaus beherbergt bereits heute die ehemaligen Kreisbüros 1, 7 und 8. Damit macht das Bevölkerungsamt einen weiteren Schritt zur Zusammenführung der ursprünglich zwölf Kreisbüros an drei zentralen Standorten, nämlich im Stadthaus, beim Bahnhof Oerlikon und – das war bisher nicht öffentlich bekannt – in der Siedlung Hardau I beim Albisriederplatz.

In einem nächsten Schritt ziehen im Verlauf des Jahres 2023 die Kreisbüros 6 und 10 ins Kreisbüro 11 und 12 beim Bahnhof Oerlikon. Der dritte Standort wird sich künftig in der Siedlung Hard­-au I beim Albisriederplatz befinden. Nach der Fertigstellung des Ersatzneubaus im Jahr 2024 werden dort die bisherigen Kreisbüros 3 und 9 einziehen, gefolgt vom Kreisbüro 4 und 5. Der Zugang in der Siedlung Hardau I befindet sich im Erd­geschoss, weitere Räume sind im ersten Obergeschoss angeordnet.

Bereits im Jahr 2017 hatte das Bevölkerungsamt angekündigt, dass die Kreis­büros in Etappen an drei zentralen Standorten zusammengelegt werden. Das Echo war überschaubar – wohl auch, weil der Zeithorizont lange gewählt war.

«Kreisbüro» bald Geschichte

Mit dem Zusammenlegen wird auch die Bezeichnung «Kreisbüro» wegfallen: Neu werden die drei Standorte «Personenmeldeamt Zürich Süd» (Stadthaus), «Personenmeldeamt Zürich Nord» (Oerlikon) und «Personenmeldeamt Zürich West» (Hardau) heissen. Die frei werdenden Flächen in der Enge, am Wipkingerplatz und an der Beckenhofstrasse werden gemäss der Stadt für andere städtische Zwecke ­genutzt: «Welche das sind, wird derzeit geprüft.»

Die drei Standorte seien verkehrstechnisch gut erschlossen und für 90 Prozent der Bevölkerung im jeweiligen Einzugsgebiet in maximal 20 Minuten zu erreichen, argumentiert die Stadt. Zudem habe das Bevölkerungsamt ein eigenes Callcenter für telefonische Auskünfte und Aufträge eingerichtet und die Palette an Online-Services ausgebaut. Das Callcenter wird von Mitarbeitenden der Personenmeldeämter in Teilzeit besetzt. Trotz dem Abbau in den Quartieren gebe es keine Kündigungen, heisst es von der Stadt.

Egal, bei welcher Anlaufstelle

Künftig können alle Einwohnerinnen  und Einwohner unabhängig von ihrem Quartierwohnort alle Leistungen der bisherigen Kreisbüros an den drei Stand­orten beziehen. Für die Stadt ist klar: Immer mehr Menschen würden das Online-Angebot nutzen, etwa um Dokumente zu bestellen oder ihren Umzug zu melden. Freilich können viele Dienstleistungen nach wie vor nicht online erledigt werden (siehe Kasten).

Eine Stunde gewartet

Wie kommt das städtische Streichkonzert  bei den Betroffenen an? Im Kreisbüro Oerlikon gibt es bereits heute ohne den Zuzug der Kreisbüros 6 und 10 lange Wartezeiten. Maya Burri, Präsidentin Quartierverein Schwamendingen, hält fest: «Weil mir meine ID gestohlen wurde, verbrachte ich mit Wartezeit eine Stunde im Kreisbüro.» Dies sei neben den längeren Anfahrts- und Wartezeiten für die Kundschaft auch eine Zumutung für das Per­sonal.

Auch andere Quartiervereinspräsidentinnen und -präsidenten kritisieren den Abbau bei den Kreisbüros. Urs Frey, Präsident Quartierverein Riesbach, fordert, dass solche Schliessungsentscheide nicht vom amtlichen Bürotisch aus, sondern unter Einbezug der Quartiervereine gefällt werden sollten. Markus Gumpfer, Präsident Quartierverein Enge, bedauert: «Es kann nicht sein, dass die Stadt bewohnermässig immer wachsen will, den Service Public nicht einmal dem anpasst, sondern reduziert.»

Eine Ausweitung der Öffnungszeiten steht bei der Zusammenlegung gemäss Stadt jedoch nicht im Vordergrund. «Sie bleibt aber als Option offen», heisst es lediglich. Bereits heute seien die Kreisbüros am Donnerstag bis 18.30 Uhr geöffnet, und das Stadthaus stehe der Bevölkerung aller Stadtkreise am Samstagvormittag zur Verfügung – freilich nur auf Terminvereinbarung. Auch eine räumliche Vergrösserung der Standorte ist nicht geplant.

Bessere Ausnutzung des Standortes

Mit der Integration der Kreis­büros 6 und 10 könnten aber alle Schalterarbeitsplätze in Oerlikon besetzt und der Standort damit besser ausgenutzt werden, heisst es. Das Personenmeldeamt könne damit flexibel auf allfälligen hohen Andrang reagieren. «Seit Frühling 2022 können zudem neu auch Termine reserviert werden, was von der Kundschaft sehr geschätzt wird», so das Bevölkerungsamt fest. Die Zeitfenster für Terminreservationen sollen deshalb ausgedehnt werden.

Die Wartezeiten im Stadthaus sind je nach Kundenaufkommen sehr unterschiedlich. Oft gebe es keine oder nur sehr geringe Wartezeiten. «In Spitzenzeiten kann es auch mal bis zu 20 Minuten dauern», so das Bevölkerungsamt. Mit der Integration des Kreisbüros 2 würden hier mehr Mitarbeitende vor Ort tätig sein. «Ein räumlicher Ausbau wird derzeit in einem Teilprojekt geprüft», erläutert das Bevölkerungsamt.

Nichtzürcher und Ausländer werden bei Online-Dienstleistungen benachteiligt

Die Nutzung der Online-Dienste nimmt stetig zu, sie werden heute von der Mehrheit der Kundinnen und Kunden genutzt: Wohnungswechsel in der Stadt Zürich: 67% Anteil Online-Nutzung 2021, Bestellung von Dokumenten: 59%, Drittmeldepflicht: 68%. Beim Zuzug von ausserhalb der Stadt Zürich liegt der ­Anteil der Online-Meldungen mit 27% tiefer, da diese nicht für alle Kundinnen und Kunden online möglich ist.

Wer aus dem Ausland zuzieht, als Nicht-EU/EFTA-Staatsangehörige oder -angehöriger aus einem anderen Kanton oder aus einer Schweizer Gemeinde, die nicht an eUmzug Schweiz angeschlossen ist, muss persönlich erscheinen.

 

Dienstleistungen, die aufgrund gesetzlicher Vorgaben heute zwingend vor Ort durchgeführt werden müssen, sind gemäss Bevölkerungsamt:

• Zuzug aus dem Ausland

• Zuzug aus einem anderen Kanton bei Nicht-EU/EFTA-Staatsangehörigen

• Verlängerung Ausländerausweis (Identitäts- / Anwesenheitsprüfung)

• Erstellung Identitätskarte (Identitätsprüfung)

• Anmeldung und Verlängerung Wochenaufenthalt (mit Ausnahme der Verlängerung von Wochenaufenthaltsgenehmigungen für Studierende)

• Lebensbescheinigung

 

Für folgende Dienstleistungen gibt es Online-Angebote:

• Wohnungswechsel innerhalb der Schweiz (mit Ausnahme von Nicht-EU/EFTA-Staatsangehörigen, die aus einem anderen Kanton zuziehen)

• Bestellung von Dokumenten

• Drittmeldepflicht (Ein-/Auszugsanzeige durch Vermietende)

• Adressauskünfte für Vertragspartner

• temporäre Landesabwesenheit

• Verlängerung Wochenaufenthalt für Studierende

Die Online-Dienstleistungen sollen wie folgt ausgebaut werden: Das Personenmeldeamt prüft derzeit, welche Leistungen auf Basis der gesetzlichen Rahmenbedingungen zusätzlich online angeboten werden können. Ziel ist es, zukünftig noch mehr Standardgeschäfte – sofern gesetzlich möglich – online anzubieten, um mehr Zeit für komplexe beratungsintensive Geschäfte zu erhalten. Das hat wiederum einen positiven Effekt auf die Wartezeiten vor Ort.

Und warum gibt es erst jetzt einen Ausbau weiterer Online-Dienstleistungen? «Der Ausbau der Online-Services erfolgt seit rund sieben Jahren laufend: 2015 Einführung eUmzug Zürich, 2017 Einführung eUmzug Schweiz, 2018 ­Einführung Webshop für Dokumente, 2019 Einführung eWochenaufenthalt für ­Wochenaufenthaltsverlängerung von Studierenden», sieht sich Bevölkerungsamt im positiven Licht. (pm.)

Pia Meier