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Kanton Zürich
14.09.2022
14.09.2022 16:35 Uhr

Freispruch für Zürcher Raser wird neu beurteilt

200 Stundenkilometer schnell fahren wegen der herzkranken Frau auf dem Beifahrersitz: Das Bundesgericht hält dies für strafbar und hebt den Freispruch für einen Zürcher Raser auf. (Archivbild)
200 Stundenkilometer schnell fahren wegen der herzkranken Frau auf dem Beifahrersitz: Das Bundesgericht hält dies für strafbar und hebt den Freispruch für einen Zürcher Raser auf. (Archivbild) Bild: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON
Das Bundesgericht hat den Freispruch für einen Raser aus dem Kanton Zürich aufgehoben: Der Mann war mit dem Sportwagen seines Sohnes 200 km/h auf der Autobahn gefahren, weil seine Frau Medikamente benötigte.

Als Grund für seine Raserfahrt gab der Mann an, dass seine Frau an einer Herzkrankheit leide. An diesem Tag habe sie Symptome verspürt, während sie mit dem Sportwagen des Sohnes unterwegs gewesen seien. Er habe ernsthaft befürchtet, sie könnte einen Infarkt haben. Er habe dann Gas gegeben, um so schnell wie möglich nach Hause zu kommen, damit sie ihre Medikamente nehmen könne. 200 km/h habe er auch gar nicht fahren wollen. Er sei aber die Leistung dieses Sportwagens – fast 600 PS – nicht gewohnt. Das Auto beschleunige sehr stark, selbst wenn das Gaspedal nur kurz angetippt werde.

Das Winterthurer Bezirksgericht und auch das Zürcher Obergericht hatten ihm diese Begründung noch abgenommnen und ihn vom Vorwurf der groben Verkehrsregelverletzung freigesprochen. Das Bundesgericht hat diesen Freispruch nun aber aufgehoben, wie aus dem am Dienstag publizierten Urteil hervorgeht. Es schickt den Fall zur Neubeurteilung zurück ans Zürcher Obergericht. 

Vor Blitzkasten abgebremst

Im Urteil wird das damit begründet, dass der Mann, als er einen Blitzkasten sah, plötzlich auf die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 120 km/h verlangsamte. Dies zeige, dass er die Situation doch nicht als so ernst angesehen habe. Für das Bundesgericht ist klar, dass der Beschuldigte eine unverhältnismässige Gefahr für andere Verkehrsteilnehmende geschaffen habe – und auch für seine Frau. Gemäss Urteil wäre das Kantonsspital Winterthur zudem in nur elf Minuten zu erreichen gewesen, ganz ohne Geschwindigkeitsübertretung. Der Weg nach Hause war drei Mal so lang.

Urteil 6B_322/2022 vom 25. August 2022

Keystone-SDA