Home Quartiere Sport Regional Rubriken In-/Ausland
Zürich West
21.09.2022

«Für meine Gwendolin flog ich heim»

Bild: Bruno Schlatter
Der Albisrieder Bruno Schlatter eilt mit seinem Kinderbuch von einem Erfolg zu nächsten. Nach seinem Fernsehauftritt verrät er im Interview, dass er deshalb für zwei Tage von Spanien nach Zürich gekommen war. Für die Fans von Heugümper Gwendolin: Eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen.

Zuerich24: Buno Schlatter, sind Sie gerade in Ihrem spanischen Garten und suchen nach Heugümpern zum Fotografieren?

Bruno Schlatter: Oh, nein, ich sitze an der warmen Sonne im Garten der Dorfbeiz und gönne mir ein Glas Verdejo und ein Tapas-Häppchen. Zu fotografieren gäbe es nur Fliegen, Wespen und muntere Spatzen.

Sie haben mit dem im Sommer fotografierten Kinderbuch einen kleinen Bestseller gelandet. Sie selber bezeichneten es einst eine «Furzidee», die Sie nur Ihren Enkeln zuliebe in Angriff nahmen, die bei Ihnen in den Ferien waren.

Ach, die Kinder entdeckten halt den kleinen Heugümper und die schönen Schmetterlinge und die herzigen Eidechsen und wollten, dass ich alle fotografiere. Und es machte mir Freude, und ja, es war auch ein wenig Ehrgeiz, die kleinen Wesen anständig ins Bild zu rücken. Wir schauten an den Abenden die Fotos auf dem Laptop an, und ich erfand sofort eine kleine Geschichte zu jedem Bild. Den Kindern gefiel es und sie machten sogar Vorschläge oder sagten, wenn ihnen eine Geschichte nicht besonders gefiel. Und sie durften den Tieren Namen geben. Ende Ferien hatte ich 70 Fotos und war ­eigentlich überzeugt, es könnte ein Kinderbuch werden.

Sie mussten ja nicht lange suchen, bis Sie einen Verlag hatten.

Ich konnte es zwei Verlagen zeigen, die mich schon kannten, und beide waren, nachdem sie die Fotos und die Texte ge­sehen haben, sehr interessiert. Es wurde schlussendlich beim Wörterseh Verlag gedruckt, weil der Verlag ja auch schon meine Weihnachtsgeschichten mit Erfolg veröffentlich hat.

Sie wurden sogar mit Gwendolin ins G&G des Schweizer Fernsehens eingeladen. Wie kam es dazu?

Oh, als ich die Anfrage bekam, meinte ich, es sei ein Scherz. Erst als mir das Fern­sehen mailte und mir zwei Termine vorschlug, wurde es ernst, ich war ja in Spanien. Was nun? Es gab für mich keine Diskussion, für meine Gwendolin fliege ich zwei Tage nach Zürich. Und ein wenig eitel bin ich auch, Schlatter im Fernsehen, so auf die alten Tage, das ist doch schon etwas. Die Freude war gross, ich nenne es Rentnerfreude. Aber das Fernsehen hat mich nicht nur wegen Gwendolin eingeladen. Sie sahen auch die Geschichte hinter dem Kinderbuch. Sie sahen den Grossvater, der 32 Jahre Pressefotograf war, der Olympische Spiele, Weltstars, aber auch dramatische Ereignisse fotografiert hatte und der jetzt auf die alten Tage auf den Heugümper gekommen ist.

Waren Sie nervös? Es war ja eine Direktsendung.

Ja, die Nacht vor dem Auftritt war grauenhaft. Ich fragte mich, Schlatter, was hast du dir da eingebrockt? Ich schlief schlecht, ja, ich war nervös.

Ich habe mir die Sendung angeschaut, Sie wirkten cool und entspannt.

Ja, als ich am Empfang abgeholt wurde, kam ich in die Maske. Es wurde am Gesicht herumgepudert, es gab die Begrüssung durch den Moderator und die Produktionsleute im Studio. Es war ein kleines Studio, alles sehr familiär. Von da an war die Nervosität wie weggeblasen. Fast!

Es war offenbar eine wertvolle Werbung für das Buch.

Ja sicher, die Sendung war sehr gut gemacht. Mein Wirken als Fotograf, untermalt mit meinen Pressebildern, kam aber nicht zu kurz, und auch das Buch wurde prominent vorgestellt. Ja, es war eine gute Werbung und sicher kein Zufall, dass kurz nach dem TV- Aufritt Gwendolin in die Kinderbuch- Bestsellerliste hüpfte. Dass mehrere Zeitungen und Hefte das Buch vorstellten (diese Zeitung hatte in der Ausgabe vom 30. Juni als erste berichtet; Anm. d. Red.), half natürlich auch.

Wie reagierte Ihre Familie auf den Auftritt?

Die waren alle in Spanien und schauten sich die Sendung im Fernsehen an. Die Kinder jauchzten vor Freude, als der Moderator das Buch zeigte. Stolz waren sie aber auch, als ich sie kurz mit einem Foto zeigte, und als sie als junge Helfer für das Buch erwähnt wurden. Sie waren schliesslich die Entdecker von Gwendolin.

Noch eine letzte Frage im Namen der Gwendolin-Fans: Fotografieren Sie an ­einer Fortsetzung?

Eine Fortsetzung ist noch nicht geplant. Aber man weiss ja nie, letzte Woche habe ich wieder ­einen lustigen Heugümper gefunden. Oder wissen Sie, was für schöne Wanzen es gibt? Zauberhafte Wesen. Da muss ich einfach fotografieren, ich glaub, ich habe ein schönes Hobby gefunden. Nur: Wenn ich mich im Garten auf den Boden lege, um einen Käfer zu fotografieren, ja dann fällt mir das Aufstehen auch nicht mehr so leicht wie früher.

Gwendolin - Die Abenteuer eines kleinen Heugümpers, Bruno Schlatter, Verlag Wörterseh, 34.90 Franken Bild: Bruno Schlatter
«Es war auch ein wenig Ehrgeiz», so Autor und Fotograf Bruno Schlatter, «die kleinen Wesen anständig ins Bild zu rücken.» Bild: zvg.
(red.)