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Stadt Zürich
21.09.2022

«Von Notstromaggregate gehen hohe Dieselruss- und Stickoxid-Emissionen aus»

Temporäre, kleine Dieselgeneratoren sind ok, nicht aber ein Dauerbetrieb von grossen Notstromanlagen, wie das verschiedentlich gefordert wird.
Temporäre, kleine Dieselgeneratoren sind ok, nicht aber ein Dauerbetrieb von grossen Notstromanlagen, wie das verschiedentlich gefordert wird. Bild: ls.
Von der Idee, mit Notstromaggregaten gegen die Stromknappheit anzukämpfen, halten die Lufthygiene-Experten der Stadt Zürich aus gesundheitlicher Sicht gar nichts.

Sind Notstromaggregate der Heilsbringer, wenn der Strom knapp wird? Das Thema aufs Tapet brachten kürzlich Peter Bodenmann, ehemaligen SP-Präsident aus Brig und Markus Blocher,CEO der Dottikon ES (ehemals Ems-Dottikon AG). Für sie ist klar, dass sich Notstromaggregate ideal eignen, um Stromlücke zu schliessen. In gleiche Horn bläst laut dem «Tages-Anzeiger» Yves Zischke, Chef von Digital-Realy in Glattbrugg. Die Firma betreibt dort ein riesiges Rechenzentrum, das für Stromausfälle Dieselgeneratoren installiert hat. Würden diese zum Einsatz kommen, wären pro Tag 100000 Liter Diesel nötig. Laut Zischke würden als Abgase aber «nur» Kohlendioxid entstehen. zürich24.ch hat nachgefragt bei Anke Poiger, Kommunikationsleiterin beim punkto Lufthygiene für Zürich zuständigen Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich UGZ.

Wie stark ist der mögliche forcierte Betrieb von Notstromaggregaten (privat und von der Verwaltung) bei der möglichen kommenden Stromknappheit ein Thema beim UGZ?

Das Thema und das mögliche Vorgehen wurde in den letzten Wochen intensiv im UGZ, in der Arbeitsgruppe des Cercl’Air Motoren sowie mit dem Kanton diskutiert und es wurde nach einheitlichen Lösungen gesucht. 

Gibt es schon Diskussionen, ob und wie man die Vorgaben der LRV lockern soll (Regel der 50 Stunden Betriebszeit und/ oder Grenzwertanpassungen)?

Der Einsatz von Notstromdieselmotoren sind aus unserer Sicht nur bei Stromausfall (Blackout) oder für Testzwecke gestattet. Sollte die Laufzeit grösser als 25h/Jahr (Vorgabe aus dem Massnahmenplan Luftreinhaltung der Stadt Zürich) betragen, müssten die Motoren die strengeren Grenzwerte für stationäre Motoren einhalten und gemäss kantonalem Energiegesetz §12b müsste die Abwärme vollständig genutzt werden. Schlussendlich wird aber beim Eintreten einer Strommangellage der Bund die Vorschriften festlegen. 

Was bedeutet denn ein Blackout eigentlich konkret?

Die Definition eines Blackouts ist gemäss Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung wie folgt: «Stromunterbrüche (auch Blackouts genannt) sind regional begrenzte oder europaweite, unvorhergesehene Unterbrüche der Stromversorgung von einigen Minuten, Stunden oder Tagen, die meist aufgrund von Schäden an der Verteilinfrastruktur, Netzüberlastung oder technischen Störungen auftreten. In
solchen Fälle dürfen Notstromdiesel- motoren zum Einsatz kommen.»

Sind Firmen oder städtische Dienstabteilungen deswegen schon vorstellig geworden beim UGZ?

Wir haben in den letzten Wochen diverse Anfragen von Firmen erhalten, welche sich über die gesetzlichen Vorschriften erkundigt haben.

 Wie viele Notstromaggregate gibt es in Zürich (privat und Verwaltung)?

Auf Stadtgebiet sind 255 Notstrommotoren stationiert (plus 88 Notstrommotoren in Zivilschutzanlagen). Davon haben rund 150 Motoren eine Feuerungswärmeleistung von >1000kW

Als lufthygienisch wie relevant schätzt der UGZ das Thema Notstromaggregate ein?

Von Notstromaggregaten gehen hohe Dieselruss- und Stickoxid-Emissionen aus, Daher wurde deren Betrieb im Massnahmenplan der Stadt Zürich auf höchstens 25 Stunden pro Jahr begrenzt. Bei längeren Laufzeiten können die Emissionen, welche von den Notstromdieselmotoren verursacht werden, zu erheblichen Luftbelastungen führen.

Aber schlussendlich entscheidet nicht der UGZ, oder?

Wie erwähnt, wird der Vollzug und die Vorgaben bei einer Strommangellage durch den Bund vorbereitet und festgelegt. 

Lorenz Steinmann