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Aus dem Gemeinderat
28.09.2022
28.09.2022 15:47 Uhr

Homonegatives Schulklima

Stefan Urech.
Stefan Urech. Bild: zvg
Eine ehrliche Hilfestellung hätte alle ausgegrenzten Jugendlichen im Fokus.

Vor einigen Wochen forderten die Gemeinderäte David Garcia Nuñez (AL), Anna-Beatrice Schmaltz (Grüne) und Anna Graff (SP) die Umwandlung eines ehemaligen städtischen Alterszentrums in einer Villa im Kreis 7 in ein «LGBTIQ*-spezifisches Wohnangebot für schutzbedürftige Jugendliche», ein «Ort der Zuflucht» für Jugendliche, die unter «LGBTIQ*-spezifischer Diskriminierung» leiden. Dieses Refugium für LGBTIQ*-Jugendliche sei ­notwendig, weil unsere Gesellschaft von «Homo-, ­Bi-, Trans- und Internegativität geprägt» sei und ­Menschen dieser Community in Zürich im «Alltag permanent strukturelle Ausschlusserfahrungen» erfahren müssten, halten die drei in ihrem Vorstoss im Zürcher Gemeinderat fest. Diese Behauptungen erstaunen angesichts der Tatsache, dass in Zürich vor kurzem rund 80% der Stimmbevölkerung der «Ehe für alle» zugestimmt hat. Auch der Besucherrekord von rund 40 000 Menschen am diesjährigen «Pride»-Umzug unter dem Motto «Transvielfalt leben» lässt daran zweifeln, dass in Zürich eine besonders «transnegative» Stimmung herrschen soll.

Die drei Gemeinderäte behaupten, dass Homosexuelle in den Schulen von ihren Gspöndli «ständig entwertet» würden, sodass viele von ihnen «schwere mentale Probleme entwickeln» würden. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage untermauern sie mit einer kürzlich veröffentlichten Dissertation, bei der 2210 Schüler aus verschiedenen Deutschschweizer Kantonen bezüglich Homosexualität befragt wurden. In dieser Umfrage haben 82,2 % der befragten Schüler angegeben, dass sie noch nie erlebt haben, dass «ein Schüler gehänselt, beleidigt, bedroht oder körperlich angegriffen wurde, weil er schwul ist oder für schwul gehalten wird». Weitere 15,3 % gaben an, dies «selten oder manchmal» erlebt zu haben. Bezüglich der wenigen echten Problemfälle lautet der Befund der Dissertation, auf die sich die drei Gemeinderäte berufen, dass der «Migrationshintergrund» der Schüler einen «signifikanten Effekt» auf ein «homonegatives Schulklima» hat. In Anbetracht der Parteizugehörigkeit der drei Politiker überrascht es nicht, dass dieser Zusammenhang im Vorstoss komplett verschwiegen wird.

Es soll hier keinesfalls behauptet werden, dass homosexuelle Jugendliche an Schulen nie gehänselt oder beleidigt würden. Dieses Schicksal ereilt aber auch andere, die irgendwie aus der Norm fallen, z. B. übergewichtige, ausgeprägt leistungsstarke und -schwache oder scheue Schüler. Eine ehrliche Hilfestellung hätte alle ausgegrenzten Jugendlichen im Fokus. Doch dieser Vorstoss bezweckt etwas anderes, nämlich die Inszenierung einer Ideologie. Die Debatte dazu findet demnächst im Zürcher Gemeinderat statt. Die neun Mitglieder des Stadtrats, von denen vier der «LGBTIQ*-Community» angehören, empfehlen dem Gemeinderat die Annahme der Forderung. 

In der Rubrik «Aus dem Gemeinderat» schreiben Volksvertreterinnen und -vertreter regelmässig einen Beitrag. Alle im Stadtparlament vertretenen Parteien bekommen hierzu regelmässig Gelegenheit. Die Schreibenden ­äussern im Beitrag ihre persönliche Meinung.

Stefan Urech, Gemeinderat SVP, Wahlkreis 4 und 5