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Zürich West
29.09.2022
29.09.2022 13:10 Uhr

In der Stadt Landluft schnuppern

Aneinandergereiht stehen die Kühe auf der Strasse und werden von den Besuchern betrachtet.
Aneinandergereiht stehen die Kühe auf der Strasse und werden von den Besuchern betrachtet. Bild: Rahel Köppel
Jährlich findet in Albisrieden die traditionelle Viehschau statt, an der die schönste Kuh mit dem Titel «Miss Albisrieden» ausgezeichnet wird. So auch am letzten Samstag. Trotz des regnerischen Wetters stiess der Anlass auf grosses Interesse.

Alphornmusik erklingt, Kühe, die muhen, und Kinder, die sich im Schwingen üben: Nein, das ist nicht ein Anlass auf dem Land, sondern die Viehschau mitten im Stadtzürcher Albisrieden. Angebunden und aufgereiht stehen die Kandidatinnen der diesjährigen Schau inmitten der ­Gebäude. Der Regen scheint ihnen nicht viel auszumachen. Gemütlich und geduldig warten sie, bis sie an der Reihe sind.

Trotz des Wetters haben auch viele ­Besucherinnen und Besucher den Weg an die Viehschau gefunden. Für die Stadt­bewohner scheint es ein sehr interessanter Anlass zu sein – besonders für die ­Kinder. Mit grossen Augen betrachten sie die Tiere.

Euter, Alter und Leistung

Um 11 Uhr geht es dann los. Die Bäuerinnen und Bauern, die meisten davon aus der Region, führen ihre Kühe auf den Platz, der von Publikum umzingelt ist. Martin Gafner, Bauer aus dem Hirzel, ­bewertet an diesem Samstag die Tiere. Dies macht er nicht bereits im Voraus, sondern erst auf dem Platz, wenn die Kandidatinnen einlaufen. Um diese Aufgabe übernehmen zu dürfen, muss man einen Kurs belegen. «Es ist auch von Vorteil, wenn man mit Kühen aufgewachsen ist, um ein Auge für die Merkmale zu bekommen», berichtet er.

Rund fünf Kühe sind es jeweils in einer Runde. In diese Gruppen wurden sie aufgrund ihres Alters beziehungsweise dessen, wie viele Kälber sie schon geboren haben, eingeteilt. «Bewertet wird nach den äusserlichen Merkmalen, die wichtig für die Produktion sind, und ob die Kuh Aussichten auf ein langes Leben hat», ­erklärt Gafner. Zu diesen äusserlichen Merkmalen zählt beispielsweise das ­Euter. Eine Kandidatin hat bereits 100 000 Kilo Milch produziert, was ihr in der Bewertung sicherlich einen Pluspunkt verschafft hat.

Martin Gafner bezeichnet die Kühe mit einer Nummer. Die Gewinnerinnen der ­jeweiligen Runden kommen dann am Schluss in eine engere Auswahl, aus der die «Miss Albisrieden» und der Publikumsliebling gewählt werden. Zu gewinnen gibt es Ruhm und Ehre – und eine beschriftete Kuhglocke. «Dieser Anlass hier in Albisrieden ist auch dafür gedacht, den Leuten und vor allem den Kindern zu zeigen, wo die Milch überhaupt herkommt», so der Bauer.

Festbeizli und Musik

Pünktlich um 12 Uhr wird den Besuchern, den Bauern und den Kühen selbst eine Pause gewährt. Langeweile steht dennoch nicht auf dem Platz. Zur Unter­haltung können die Gäste mit einem ­warmen Kaffee durch die Marktstände bummeln und sich die vielfältigen Ausstellungen anschauen. Für den grossen und den kleinen Hunger ist ebenfalls ­gesorgt. Bedienen kann man sich an den etlichen Grillständen. Auch Obst und ­Gemüse, frisch geliefert von den Bauern, dürfen nicht fehlen. Für diejenigen, die es doch etwas süsser haben wollen, stehen Crêpes mit allen möglichen Füllungen und süsse Brezeln zur Auswahl.

Für die Unterhaltung der Kinder ist ebenfalls gut gesorgt. Sowohl Jungs als auch Mädchen können sich beim Schwingen beweisen oder zu dem Stall der Jungtiere gehen und dort die Kälber streicheln und füttern. Wer sich, umzingelt von Stroh, Kühen und Bauernständen, noch immer nicht wie auf dem Land fühlt, spürt es spätestens beim lauten Klang der Alphörner. Folkloristische Musik darf nun mal bei so einer Veranstaltung nicht fehlen.

Das Wichtigste kommt zum Schluss

Nachdem auch die Kinder ihre Jungtiere vorgeführt haben, berät die Zürcher Schaukommission nochmals zu den schönsten Kühen. Als Publikumsfavorit wird eine Kuh von der Landwirtin Anita Dubs aus Birmensdorf gewählt. Als Auszeichnung wird der braun-weiss gefleckten Kuh ein riesiger Blumenkranz um­gebunden.

Nun ist die Aufregung unter den Besuchern gross: Wer wird wohl die «Miss Albisrieden»? Den Titel bekommt letztendlich eine Kuhdame vom Landwirt Roland Käser aus Aesch. Ihr wird im feierlichen Akt die grosse Glocke um den Hals gelegt. Der Landwirt freut sich ganz besonders über den Sieg seiner Kuh. Er habe nämlich viel Mühe in die Pflege und das Aufziehen seiner Tiere gesteckt.

Manchen Zuschauern bleibt die Frage, warum keine Stiere bei der Viehschau zu sehen sind. Dies lässt sich aber laut den Veranstaltern leicht beantworten. Man gehe davon aus, dass viele Besucher die Tiere unterschätzen und ihnen zu nahe kommen würden, deshalb gibt es aus Sicherheitsgründen bewusst keine Stiere beim Anlass. Mit einer neuen «Miss Albisrieden» und einem glücklichen Publikum wird die Viehschau gegen 14 Uhr beendet.

  • Die Viehschau wurde von Alphornklängen begleitet. Bild: Rahel Köppel
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  • Bauer Martin Gafner bewertet an diesem Samstag die Kühe nach verschiedenen Merkmalen. Bild: Rahel Köppel
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  • Die kleinen Besucher dürfen sich im Schweizer Nationalsport üben. Bild: Rahel Köppel
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  • Vor allem die Kinder fanden die Kühe sehr interessant. Bild: Rahel Köppel
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Monika Abdel Meseh und Rahel Köppel