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Gesundheit
12.10.2022
13.10.2022 10:46 Uhr

Wenn Vergessen zur Belastung wird

Diese aktuelle Karte zeigt die Anzahl Demenzerkrankter pro Kanton in der Schweiz.
Diese aktuelle Karte zeigt die Anzahl Demenzerkrankter pro Kanton in der Schweiz. Bild: Alzheimer Schweiz
Allein im Kanton Zürich leben fast 25 000 Menschen mit Demenz. Experten zufolge soll sich die Zahl der Erkrankten bis im Jahr 2050 in der gesamten Schweiz mehr als verdoppeln. Schon jetzt erkrankt alle 16 Minuten ein Mensch an der un­heilbaren Krankheit. Die auflaufenden Gesundheitskosten für die Betreuung der Betroffenen sind dabei immens.

Dominique Rais

Alle 16 Minuten erkrankt in der Schweiz ein Mensch an Demenz, wobei zwei von drei Erkrankten Frauen sind. Gemäss der unabhängigen gemeinnützigen Organisation Alzheimer Schweiz leben derzeit 150'000 Menschen mit einer Demenzerkrankung – und jährlich kommen 32'200 hinzu. Allein im Kanton Zürich leiden 24'870 Menschen an der Krankheit.

«Erkrankt ein Mensch an Demenz, ist das für das ganze Umfeld schlimm. Man sagt, von einer Demenz sind mindestens eine bis drei Angehörige mitbetroffen», sagt Nina Wolf, Beraterin und Projektverantwortliche bei Alzheimer Zürich, zu Lokalinfo. Aktuell leben 60 Prozent der Demenzerkrankten zu Hause, wobei rund zwei Drittel durch ihren Ehepartner betreut werden.

Schweiz zählt bis 2050 ingesamt 315'400 Demenzkranke

Gegenwärtig werden die Gesundheitskosten in Zusammenhang mit Demenz in der Schweiz auf 11,8 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt. Dabei werden 47 Prozent dieser Kosten – sprich 5,5 Milliarden Franken – durch die Angehörigen getragen. Gemäss Alzheimer Schweiz entsprechen diese Kosten dem Marktwert der unbezahlten Betreuungs- und Pflegeleistungen, die durch Angehörige und Nahestehende erfolgen. In Zürich, dem einwohnerstärksten Kanton der Schweiz, belaufen sich die jährlichen Gesamtkosten auf rund 2,11 Milliarden Franken.

Experten prognostizieren, dass die Zahl der Demenzkranken bis im Jahr 2050 auf 315'400 steigt – sprich sich mehr als verdoppelt. Grund dafür ist die Überalterung der Gesellschaft, denn mit fortschreitendem Alter steigt auch die Gefahr, an Demenz zu erkranken. «In Zukunft gibt es also nicht nur mehr Menschen mit Demenz, sondern auch mehr Menschen, die Betreuungs- und Pflegeaufgaben übernehmen. Umso wichtiger ist es, dass es gute und bedarfsgerechte Unterstützungsangebote gibt und Angehörige ermutigt werden, sich Hilfe zu holen», so Wolf.

Demenz – kurz erklärt
Menschen, die an Demenz erkranken, erleiden eine Hirnleistungsstörung. Dabei kommt es bei Erkrankten zu einem zunehmenden Verlust des Erinnerungs-, Orientierungs- und Kommunikationsvermögens, wodurch Betroffene letztlich auch ihre selbstständige Lebensführung einbüssen. Mit einem Anteil von rund 60 Prozent ist Alzheimer die am häufigsten verbreitete Form der Demenz. Die Ursache für die Erkrankung ist bis heute nicht vollständig geklärt.

Dominique Rais