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Gesundheit
11.10.2022
21.11.2022 12:10 Uhr

Wo man Hirntumore nichtinvasiv entfernt

Andreas Mack zeigt das schweizweit einzige ZAP-X-Gerät.
Andreas Mack zeigt das schweizweit einzige ZAP-X-Gerät. Bild: Jeannette Gerber
Eine Behandlung, so einzigartig wie einmalig in der Schweiz, erwartet die Patientinnen und ­Patienten im SNRC, Swiss Neuro Radiosurgery Center, welches einen Teil des Swiss Clinical Neuro ­Science Institute SCNSI in der Enge ausmacht.

Jeannette Gerber

Es ist normal, dass sich jeder Mensch vor einem Eingriff ins Gehirn fürchtet. Für viele der Betroffenen gibt es Hoffnung, durch die Radiochirurgie – eine Form von Strahlentherapie – von ihrem Leiden befreit zu werden. Und dies wird schonend, ohne Operation, völlig schmerzfrei und ambulant durchgeführt. Seit Juni 2021 wird im Swiss Neuro Radiosurgery Center (SNRC) diese Behandlungsmethode mit dem schweizweit einzigen ZAP-X-Gerät angewendet. Bisher sind knapp 130 Patienten in diesem Zentrum behandelt worden.

Behandlungsdauer bis 60 Minuten

Mit diesem Gerät werden Röntgenstrahlen aus Hunderten von verschiedenen Richtungen hochpräzise auf den Tumor gelenkt. Dort, wo die Strahlen zusammentreffen, wird das Gewebe durch die kumulierte Strahlenbelastung zerstört, wobei das gesunde Gewebe maximal geschont wird. Die Behandlung dauert höchstens 60 Minuten und die Kosten werden prinzipiell von den Krankenkassen übernommen.

Geschäftsführer des Zentrums ist Andreas Mack. Nach Promotion in Physik und Habilitation in Medizin spezialisierte er sich im Bereich Radiochirurgie für Behandlungen von Hirntumoren. In den letzten dreissig Jahren hat er 8000 Patientinnen und Patienten begleitet.

Beim Besuch von Lokalinfo erschien er zwar im weissen Kittel, zeigte sich aber als alles andere als einer dieser sogenannten Götter in Weiss. Er warf nicht mit lateinischen Bezeichnungen um sich, sondern erklärte geduldig die Komplexität der Materie, wodurch auch ein Laie, eine Laiin diese Behandlung als schonende Alternative zur Operation am offenen Schädel versteht.

Auch für Tumore der Augen

Andreas Mack erklärte: «Durch unsere Methode können wir verhindern, dass sich die betroffenen Zellen weiter teilen. Bei bösartigen Strukturen zerstören wir die Zelle komplett, um sicherzugehen, dass an der gleichen Stelle nichts mehr nachkommt. Das heisst, der Tumor kann an diesem Punkt kontrolliert werden.»

Krankheiten, die neben gut- und bösartigen Tumoren im Hirn sonst noch mit dem ZAP-X-Gerät behandelt werden, sind Tumore der Augen, Gefässmalformationen und funktionelle Erkrankungen wie Trigeminusneuralgien.

Um der Patientin und dem Patienten etwas die Angst vor diesem beeindruckenden High-End-Gerät zu nehmen, werden sie vor der Behandlung einfühlsam informiert. Vor der Behandlung wird basierend auf den Daten einer Computertomografie (CT) oder einer Magnetresonanztomografie (MRT) eine passgenaue Kopfmaske aus Kunststoff angefertigt. Die Mitarbeiterin Maja Müller erklärte den Vorgang: «Die Maske wird auf 70 Grad erhitzt und genauestens auf das Gesicht angepasst. Mit der Maske wird der Kopf des Patienten während der Bestrahlung fixiert, sodass wir eine maximale Stabilität erreichen können.»

Auch Patienten aus dem Ausland

Auf das 11-köpfige Team des Instituts angesprochen, meinte Mack: «Ich suche meine Mitarbeitenden immer persönlich aus. Niemand der hier arbeitet, hat sich beworben. Eigeninitiative und Mitdenken sind mir wichtig. Wir arbeiten alle eng und auf Augenhöhe zusammen.» Das Projekt sei auf 25 Jahre ausgerichtet und für alle im Team eine Herzensangelegenheit. «Es muss jedoch wie ein Pflänzchen gepflegt werden», so Mack.

Patientinnen und Patienten kommen vorwiegend aus der Deutschschweiz, teilweise auch aus dem Ausland ins Quartier Enge. Zudem gibt es Kooperationen mit der Klinik Hirslanden sowie dem Universitätsspital Basel, um den interdisziplinären fachlichen Austausch zu gewährleisten.

Auf die Frage, wie er zu den Themen Krebs und Tode stehe, antwortete Andreas Mack: «Unser Immunsystem wird mit dem Alter schwächer und kann sich weniger gegen Krebszellen wehren. Ich wünsche mir, dass ich nach einem erfüllten Leben die Demut finde, von den Menschen und dieser Welt Abschied zu nehmen.»

SNRC, Bürglistrasse 29, 8002 Zürich, Tel. 044 576 72 72. www.snrc.ch

Jeannette Gerber