Home Quartiere Sport Regional Rubriken In-/Ausland

Wann soll die Volksschule am Morgen beginnen?

Balz Bürgisser, Gemeinderat Grüne, Wahlkreis 7&8
Balz Bürgisser, Gemeinderat Grüne, Wahlkreis 7&8 Bild: (zvg.)
Eine Einzelinitiative verlangt die Späterlegung des Unterrichts an den Volksschulen der Stadt Zürich: Der Unterricht soll frühestens um 8 Uhr beginnen. Diese Initiative wird vom Stadtrat abgelehnt – eine hitzige Debatte im Gemeinderat ist vorprogrammiert.

Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass sich der Schlaf-Wach-Rhythmus – ­gesteuert durch die «innere Uhr» des Menschen – ­Anfang Pubertät nach hinten verschiebt. Das hat zur Folge, dass viele Jugendliche in Pubertät und Adoleszenz erst spät in der Nacht einschlafen können – meistens erst gegen Mitternacht. Diese Tatsache ist gemäss den Schlafforschenden biologisch begründet, da sich die Hirnstrukturen in der Pubertät ­verändern. Dazu kommt der Lebensstil: Viele Jugendlichen beschäftigen sich spätabends noch mit Computer und Smartphone, was zu Problemen beim Einschlafen führt. Wegen Schlafmangel lernen dann die Jugendlichen wenig im Unterricht, der frühmorgens um 7.30 Uhr beginnt. Ein späterer Schulanfang am Vormittag ist also auf der Sekundarstufe pädagogisch sehr sinnvoll. Eine Studie belegt übrigens, dass bereits eine kleine Verschiebung des Schulanfangs am Morgen eine Verbesserung beim Lernen bringt. Warum hat man das nicht schon lange so beschlossen?

Der spätere Unterrichtsbeginn hat bei konstanter Dauer der Mittagspause einen gravierenden Nachteil: Er hat einen späteren Unterrichtsschluss am Nachmittag zur Folge. Und dieser ist heute schon teilweise erst um 16.30 Uhr, da in der 1. Sek – gemäss aktuellem Lehrplan – 35 obligatorische Lektionen pro Woche erteilt werden müssen. Durch eine Verschiebung nach hinten wäre das Unterrichtsende erst um 17.00 Uhr. Das wäre der Todesstoss für die fakultativen Angebote, die im Anschluss an den Unterricht in der Schule stattfinden: betreute Auf­gabenstunden, Instrumentalunterricht, Sportkurse usw. Auch Trainings der Sportvereine wären tangiert, wenn die Schule erst gegen Abend endet.

Aus diesen Gründen ist für uns Grüne die Später­legung des Unterrichts auf der Sekundarstufe sinnvoll, wenn man gleichzeitig den Sekundarschulen ermöglicht, die Mittagspause zu verkürzen – diese soll aber mindestens 60 Minuten dauern. Solche kürzere Mittagspausen werden seit vielen Jahren an der Unterstufe der Langgymnasien in der Stadt Zürich praktiziert. Ich kann aus langjähriger Erfahrung am Gymnasium Rämibühl versichern: Nach einer Mittagspause von 65 Minuten sind die 12- bis 16-Jährigen wieder voll leistungsfähig und können sich im Unterricht gut konzentrieren. Lehrpersonen und Schulleitungen sollen die Herausforderungen einer solchen Umstellung annehmen. So werden optimale Lernvoraussetzungen für die Jugendlichen geschaffen.

In der Rubrik «Aus dem Gemeinderat» schreiben Volksvertreterinnen und -vertreter regelmässig einen Beitrag. Alle im Stadtparlament vertretenen Parteien bekommen hierzu regelmässig Gelegenheit. Die Schreibenden ­äussern im Beitrag ihre persönliche Meinung.

Balz Bürgisser