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Miteinanderstatt übereinander

Benedikt Gerth
Benedikt Gerth Bild: (zvg.)
Das Wort «Parlament» kommt anscheinend vom altfranzösischen Wort «Unterredung» respektive vom Verb «parler», was «reden» bedeutet. Im ­städtischen Parlament (dem Gemeinderat), in welchem ich seit Mai tätig sein darf, wird dieses «reden» sehr rege ausgeübt. Jeden Mittwoch werden diverse Voten von meinen Kolleginnen und Kollegen abgegeben, ab und zu auch von mir.

Neben der Tatsache, dass es persönliche Erklärungen unterschiedlicher Relevanz und Dringlichkeit gibt, finden Debatten zu verschiedensten Themen statt. Bei diesen Debatten wird oft nicht nur fair und offen gekämpft, sondern auch behauptet und sogar gestritten. Im Grundsatz ist dies ja Sinn und Zweck des Parlamentes respektive seiner Mit­glieder.

Wenn ich jedoch mit Leuten aus der politisch linken Ecke rede und höre, dass sie keinen Kontakt zu denjenigen Mitgliedern aus der rechten Ecke haben, dann frage ich mich, ob da überhaupt miteinander statt nur übereinander gesprochen wird. Dasselbe höre ich auch aus der rechten über die linke Ecke. Auch beobachte ich teilweise ab­lehnende Haltungen von Polparteien, wenn das Anliegen aus der «falschen» Ecke kommt. Im Grundsatz würden sie das Thema eigentlich unterstützen, aber es soll vom richtigen Absender kommen. Ich persönlich habe mir vorgenommen, mich mit allen zu unterhalten und auf alle offen zuzugehen. Wobei ich schon zugeben muss, dass mir dies nicht immer gleich leichtfällt.

Ich setze mich darum stark dafür ein, dass möglichst unvoreingenommene Diskussionen stattfinden, denn nur so können wir gemeinsame Lösungen für die Probleme finden, die da anstehen: Verkehrsprobleme in der Stadt, Altersvorsorge der städtischen Angestellten, Auswirkungen des Klimawandels in Zürich und die aktuelle wirtschaftliche Situation. Zudem werden sehr viele Themen im Gemeinderat diskutiert, welche eigentlich auf die Ebene Kanton oder sogar Bund gehören. Bis gestern war es jedenfalls so, dass der Gemeinderat nicht für die Aussenpolitik zuständig war. Wenn ich da jeweils zuhöre, bekommt man den Eindruck Zürich stehe kurz vor der Eroberung durch fremde Heere oder könne im Alleingang den Klimawandel aufhalten. Ich persönlich finde: die Wahrheit liegt wohl mal wieder in der MITTE.

In der Rubrik «Aus dem Gemeinderat» schreiben Volksvertreterinnen und -vertreter regelmässig einen Beitrag. Alle im Stadtparlament vertretenen Parteien bekommen hierzu regelmässig Gelegenheit. Die Schreibenden ­äussern im Beitrag ihre persönliche Meinung.

Benedikt Gerth, Gemeinderat Die Mitte, Wahlkreis 11