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Zürich Nord
24.10.2022
25.10.2022 08:32 Uhr

Oerliker Coiffeur gewinnt WM-Bronze

Monika Abdel Meseh befragt den frischgebackenen WM-Bronzemedaillen-Gewinner Raffaele Riniti.
Monika Abdel Meseh befragt den frischgebackenen WM-Bronzemedaillen-Gewinner Raffaele Riniti. Bild: Rahel Köppel
Bei seiner ersten Teilnahme belegte Raffaele Riniti den dritten Platz bei der Coiffeur-Weltmeisterschaft in Paris, bei der 44 Länder und mehrere 100 Teilnehmer dabei waren. Wie es dazu kam und welche Erfahrungen er sammelte, verrät er gegenüber diesem Portal.

Rahel Köppel und Monika Abdel Meseh

In Oerlikon, an der Schwamendingenstrasse 10, steht der gut besuchte Coiffeursalon Elle et Lui von Raffaele Riniti, der überraschend den dritten Platz in der Coiffeur- Weltmeisterschaft gemacht hat. Der ursprünglich aus Italien stammende Mann hat vor vielen Jahre seine Lehre in Winterthur absolviert. « Ich arbeite nun seit 27 Jahren selbstständig mit meinem Salon hier in Oerlikon», sagt der 50-Jährige stolz.

Mit Leidenschaft zum Beruf

Zur Friseurtätigkeit fühlte er sich schon als Jugendlicher hingezogen. Mode, Design und Haarstyling faszinierten ihn bereits damals, weshalb er einen Schnupperkurs bei einem Salon besuchte. «Dort habe ich gemerkt, wie kreativ man bei der Arbeit sein darf, und mich damals schon entschlossen, dass ich Coiffeur werden will», erzählt der italienische Schweizer mit einem Lächeln.

Neben der Kreativität begeistert ihn auch besonders der ständige Kundenkontakt. Jeder Kunde sei individuell und bräuchte deshalb auch eine persönliche Beratung, was den Beruf aber nur umso abwechslungsreicher machen würde. «Wir haben von Dienstag bis Samstag geöffnet, da ist kein Tag wie der andere», betont der Coiffeur nochmals. Natürlich gibt es aber auch in diesem Handwerk Schwierigkeiten zu meistern. Auf die Frage hin, welche Nachteile er in seinem Beruf sehe, muss der WM-Bronzemedaillen-Gewinner erst mal lange überlegen. «Das Einzige, was wirklich ein Nachteil ist, ist die verlorene Zeit mit meiner Familie. Mit der WM-Teilnahme ist dann noch weniger Zeit geblieben», erklärt der erfahrene Coiffeur schwermütig.

Trotzdem bereut Riniti seine Teilnahme nicht. «Nach 27 Jahren Selbstständigkeit ist es schön, durch diese Meisterschaft eine Bestätigung für seine Arbeit zu bekommen und zu sehen, was man erreicht hat», berichtet er. Auch sei es gut, wie man dadurch noch mehr gefordert werde und immer noch etwas dazulernen könne. «Ich liebe meinen Job, und wenn es ginge, würde ich ihn 24 Stunden sieben Tage die Woche machen.» Riniti lacht. «Nur leider wäre da meine Familie wohl nicht so einverstanden.»

Eine unbeschreibliche Erfahrung

Nicht nur die Meisterschaft selber hat viel Zeit eingenommen, auch die Trainings fanden mehrmals wöchentlich statt. Bei diesen Trainings werden dem Team von der Organisation Mondiale Coiffeure (OMC) verschiedene Aufgaben gestellt, zum Beispiel ein bestimmter Haarschnitt. Anschliessend wird untereinander mit den Trainern besprochen, wie man vorgehen will.

«Wichtig ist, dass wir einen neuen Schnitt bzw. eine neue Farbe machen – etwas, was es vorher noch nicht gegeben hat. Eine neue Kollektion», erklärt Riniti. Anschliessend werden diese Ideen so gut wie möglich umgesetzt, bis man den perfekten Schnitt hat. Dazu kommt noch, dass es unter Zeitdruck geschehen muss. Dies ist dann auch die Aufgabe an der WM: einen Haarschnitt zu machen, der innovativ ist und den es vorher noch nicht gab, und das ebenfalls unter Zeitdruck. Zusätzlich sind die Teilnehmer für die Kleidung der «Models» zuständig, also für den vollständigen Look. In den Trainings wird mit Puppen gearbeitet, an den Meisterschaften normalerweise mit echten Menschen. «Aufgrund von Corona war das aber leider nicht möglich.» Ihm sei es eigentlich lieber, mit echten Menschen zu arbeiten, da diese den Kopf bewegen und einem somit helfen können.

Bei der Qualifikation hat man ein Bewerbungsgespräch und eine Prüfung, bei der man mindestens 30 Punkte erreichen muss. «Da hatte ich 35 Punkte», sagt Riniti stolz. Am schönsten fand er es bei der WM, wie die Coiffeure sich gegenseitig helfen. «Man lernt auch extrem viele Leute aus der ganzen Welt kennen. Das ist sehr spannend.» Er sei aber vorher sehr nervös gewesen, weil er überhaupt nicht gewusst habe, was ihn erwarte. «Trotzdem war es eine unbezahlbare und unbeschreibliche Erfahrung.»

Zu Hause herrscht Frauenpower

Trotz allem steht die ganze Familie hinter dem Coiffeursalon-Besitzer. Auch während der Weltmeisterschaft sei sie ihm beigestanden. «Meine Frau und meine Töchter haben mich bei der WM unterstützt, aber nicht erwartet, dass ich den dritten Platz mache. Jetzt sind sie eher kritisch eingestellt und befürchten, dass ich dann noch einmal teilnehme und noch weniger Zeit für sie habe», schmunzelt Riniti. Zu Hause darf der Drittplatzierte aber trotzdem nicht an die Haare seiner vier Töchter. Darum kümmert sich immer noch seine Frau, die aber ebenfalls gelernte Friseurin ist.

Allgemein sieht er die Zukunft des «Elle et Lui» in den Händen seiner zweitältesten Tochter Valeria, welche bereits jetzt mit ihm im Salon tätig ist. «Mein Leben dreht sich wirklich nur um meine Familie und meinen Beruf», erklärt Riniti nachdrücklich. «Manchmal würde ich am liebsten immer eine Schere mit mir tragen, um gewissen Leuten auf der Strasse ihre Frisur zu richten», lacht er. Nächstes Jahr werde es bei den Meisterschaften noch schwieriger, etwas zu erreichen. Rinitis Ziel ist es, die Schweiz so gut als möglich zu repräsentieren und sein Bestes zu geben. Zuletzt richtet er noch seinen Dank an seine Familie, Coiffure Suisse und den Trainer E. Di Giorgio für die Unterstützung.

Rahel Köppel und Monika Abdel Meseh