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Zürich 2
26.10.2022
02.11.2022 17:55 Uhr

Hans Suters neuer Krimi: Zwiebel als Corpus Delicti

Trotz 82 Jahren hat Hans Suter noch viele literarische Pläne.
Trotz 82 Jahren hat Hans Suter noch viele literarische Pläne. Bild: Karin Steiner
In «Berner Zwiebel-Rache» schickt der Autor Hans Suter sein Ermittler-Duo Kommissar Freuler und Petra Coric zum vierten Mal auf Tätersuche. An einer Lesung am 6. November in Wollishofen bekommt das Publikum ein Müsterchen des spannenden Krimis zu hören.

Karin Steiner

Im botanischen Garten in Bern wird eine männliche Leiche entdeckt. Mord oder Selbstmord? Und wieso ist der Mund des Mannes, wie die erste Untersuchung ergab, mit Zwiebeln vollgestopft? War es ein brutaler Ritualmord oder eine Tat unter Drogeneinfluss? Der Tote jedenfalls hatte 1,5 Promille Alkohol im Blut. Drei Monate später finden Kinder im Wäldchen oberhalb des Aareufers die Knochen einer weiteren Leiche. Kommissar Freuler und Petra Coric stehen vor einer schwierigen Aufgabe.

«In dem Buch geht es darum, dass sich zwei Väter für ihre Kinder rächen», erzählt Hans Suter. «Bei dem einen Fall handelt es sich um Fahrerflucht. Das Kind hätte überleben können, wenn ihm sofort geholfen worden wäre. Beim zweiten Fall wurde ein junges Mädchen brutal vergewaltigt. Weil dem Täter der Geschlechtsakt misslang, stopfte er ihren Intimbereich mit Zwiebeln voll. Die junge Frau überlebte zwar, wird aber keine Kinder mehr bekommen können.»

Die beiden Täter wurden gefasst und müssen ihre Taten im Gefängnis verbüssen. Per Zufall lernen sich die Väter der beiden Opfer beim Krafttraining kennen und beschliessen, die Taten zu rächen. Doch nicht selbst, sondern jeder soll sich den Täter des anderen Opfers vorknöpfen. Dabei läuft jedoch so einiges schief. Für Kommissar Freuler und Petra Coric kommt erschwerend dazu, dass eine «Böllersekte» im Umfeld des berühmten «Zibelemärits» ihr brutales Unwesen treibt, weil sie sich daran stösst, dass die Zwiebel, die im Alten Testament nur einmal vorkommt, auf dem Markt in solchen Mengen und gar noch zu Zöpfen geflochten feilgeboten werden.

Minutiöse Recherchen

Nach «Basler Farben», «Berner Affären» und «Berner Verhängnis» ist «Berner Zwiebel-Rache» der vierte Fall für das Ermittler-Duo Kommissar Freuler und Petra Coric. «Alle meine Bücher basieren auf einer Grundidee und entwickeln sich von da aus von selbst», sagt Hans Suter. «Man könnte meinen, ich habe nur schreckliche Dinge im Kopf», ergänzt er lachend, «aber es kann auch sein, dass ich etwas Furchtbares höre und daraus eine Geschichte entsteht.

Zum Beispiel vernahm ich, dass in Deutschland Rechtsextreme sich einen Spass daraus machen, Obdachlose im Schlaf anzuzünden. In einem meiner Bücher betrügt eine Frau ihren Mann mit einem Asylbewerber, in einem anderen wurde versehentlich anstelle des Adoptivkindes eines reichen Fabrikanten das Kind von Asylbewerbern entführt.»

Hans Suter stellt einen hohen Anspruch an sich selbst, dass in seinen Büchern inhaltlich alles stimmt. So hat er zum Beispiel in Zusammenhang mit dem Vergewaltigungsopfer mit einer Gynäkologin und einer Gerichtsmedizinerin gesprochen. «Auch bei der Polizei und je nachdem bei anderen Dienststellen frage ich nach und will alles bis ins Detail wissen. Alle sind immer sehr hilfsbereit, nie habe ich eine abweisende Haltung erlebt. Ich glaube, die Leute freuen sich, wenn man sich für ihre Arbeit interessiert.»

Stetige Entwicklung

Die Protagonisten in Hans Suters Krimis, Kommissar Freuler und Petra Coric, entwickeln sich von Buch zu Buch stetig weiter. «Sie haben auch eine Familiengeschichte», so der Autor. «Freuler zum Beispiel hat einen Sohn, der in den USA Kriminalistik studiert hat und nach Zürich zurückkehrt, um hier die Polizeischule zu absolvieren. Ich überlege mir, ob er vielleicht in Zürich einen nächsten Fall übernimmt und seinen Vater ablöst, der in Pension geht. Doch dann bräuchte er eine neue Assistentin an seiner Seite.» Dass Freuler seine Arbeit niederlegt, ist gar nicht so abwegig, neigt der Kommissar doch zu depressiver Stimmung und sehnt sich nicht nur nach einer nächsten Zigarette, sondern auch nach dem Ruhestand. Auch Petra Coric macht eine private Wandlung durch. Sie entdeckt im neuen Buch, dass sie sich mehr zu Frauen als zu Männern hingezogen fühlt. Dass die Frau, die diese Gefühle in ihr geweckt hat, ohne es zu ahnen ausgerechnet das Opfer im aktuellen Fall ist, macht es für sie nicht einfacher.

Hans Suter hat sich sein Leben lang mit der Sprache beschäftigt und hatte es immer mit Buchstaben zu tun. Erst hat er Schriftenmaler gelernt, dann wurde er Schauspieler und später Autor. Die Freude am Schreiben wurde bei ihm geweckt, als er für seine Beschreibung einer Theaterrolle grosses Lob erntete. Fortan schrieb er Hörspiele für Radio DRS, den SWR und den WDR, verfasste satirische Texte für «Satiramisu» und «Spasspartout» bei Radio DRS, schrieb jahrelang satirische Kolumnen für «Zürich 2» und gab 2009 sein erstes Satirebuch heraus. Er ist ein scharfer Beobachter und liebt es, sich über das Gesehene zu mokieren und es ad absurdum zu führen. Er entdecke überall Situationen, die sich eignen, angeprangert zu werden, sagt der 82-Jährige.

An einer Lesung am Sonntag, 6. November um 11 Uhr im  Gemeinschaftsraum an der Balberstrasse  47 in Wollishofen bekommt das interessierte Publikum nicht nur Müsterchen von Hans Suters satirischem Werk zu hören, sondern auch Ausschnitte aus dem neuen Krimi «Berner Zwiebel-Rache». Die Veranstaltung ist kostenlos.

Karin Steiner