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Züriberg
27.10.2022
28.10.2022 14:39 Uhr

Der SlowUp soll 2023 wieder nach Zürich führen

Sozusagen als Auftaktevent zur Rad-WM von 2024 soll am 24. September 2023 der slowUp Zürichsee auch zwischen Zürich und Meilen stattfinden. So, wie dies schon einmal 2004 der Fall war. Bild zvg / slowup Zürichsee
Sozusagen als Auftaktevent zur Rad-WM von 2024 soll am 24. September 2023 der slowUp Zürichsee auch zwischen Zürich und Meilen stattfinden. So, wie dies schon einmal 2004 der Fall war. Bild zvg / slowup Zürichsee Bild: zVg
Exklusiv: Der slowUp Zürichsee (Schmerikon–Meilen) soll 2023 wie vor 18 Jahren bis nach Zürich führen. OK-Präsident Hans Länzlinger erhofft sich dadurch einen Sensibilisierungsschub für die ein Jahr später stattfindende Radweltmeisterschaft in und um Zürich.

Der slowUp Zürichsee wird in Zürich nicht gross wahrgenommen. Ist das der Grund, warum Sie expandieren wollen?
Hans Länzlinger: Nein, die Teilnehmerzahl liegt im Durchschnitt so bei 35 000. Wir richten uns bei der Bewerbung grundsätzlich an die Bevölkerung der ­beteiligten Gemeinden und der Nachbargemeinden. Es handelt sich beim slowUp Zürichsee um den einzigen Anlass dieser Art mit Gegenverkehr. Alle andern slow-Ups sind Rundkurse (Ausnahme slowUp Albula). Da macht es keinen Sinn, weiterzuwachsen, ohne dabei auch an die Sicherheit der Teilnehmenden zu denken. Der erste slowUp Zürichsee begann übrigens in Zürich und führte bis Rapperswil. Noch heute hat es jeweils viele Teilnehmende, die auf der nicht gesperrten Strasse von Zürich und den weiteren Gemeinden am unteren Zürichsee bis zum Streckenbeginn nach Meilen fahren.

Dann bietet sich eine Ausdehnung tatsächlich an. Also scheint es nur logisch, dass der slowUp 2023 wieder nach Zürich führen soll. Wer hatte die Idee dazu?
Die Stadt Zürich hat den Zuschlag für die Rad-WM 2024 erhalten. Ein Anlass, der die Strassen über zwei Wochen exklusiv für die Teilnehmenden der Radsportveranstaltung beansprucht. Die Projektleitung der Stadt Zürich suchte Möglichkeiten, um mit Side-Events gezielt auch die Be­völkerung in irgendeiner Form ebenfalls aktiv teilhaben zu lassen. Diese Partizipation sollte aber vor allem auch nachhaltig sein. Da bietet sich der slowUp geradezu an. Da wir bereits mit dem allerersten ­slow­Up Zürichsee einmal ab Zürich unterwegs waren, nutzen wir die Gelegenheit, den Abschnitt Zürich – Meilen erneut aufzugreifen. Warum schon 2023? Das Austragungsdatum wäre genau ein Jahr vor der Rad-WM. So könnte die Bevölkerung bereits für den Grossanlass sensibilisiert werden. Im Stadtratsbeschluss zur Rad-WM 2024 sind explizit Side-Events und auch Mittel für deren Durchführung vorgesehen. Ausserdem war es auch der Wunsch des Radsportweltverbandes, dass Anlässe entstehen, die über die Rad-
WM hinaus das Velofahren populär machen.

Wie waren die bisherigen Reaktionen der betroffenen Gemeinden zum verlängerten slowUp?
Als Präsident des slowUp Zürichsee hatte ich die Gelegenheit, das Projekt an der ­Behördenkonferenz des Bezirks Meilen vorzustellen. Alle betroffenen Gemeinden waren durch ihre Präsidien vertreten. Die Idee wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen. Nun beraten die Gemeinden in ihren Räten im Grundsatz zur Verlängerung nach Zürich.

Wo harzt es noch?
Die Organisation verlangt vom OK einiges ab. Es sind alles berufstätige Personen, welche diese Aufgabe in ihrer Freizeit ­bewältigen. Es gilt nun, die Unterstützung durch die Gemeinden und weitere Freiwillige zu sichern. Auch neue OK-Mitglieder werden noch gesucht. Die grösste Herausforderung ist aber das Sponsoring. Die Kosten für Verkehrssicherheit, Werbung und Information der Anwohnenden sind hoch und können bzw. ­müssen durch Sponsorings finanziert werden. Der slowUp ist eine Veranstaltung ohne Eintritts- oder Nutzungs­gebühren. Er finanziert sich einzig durch die erbrachten Werkdienstleistungen der Gemeinden und private Sponsoren. Sponsoren sind aber gerade in der jetzigen Zeit nicht mehr so leicht zu finden. Immerhin: Ein Teil der Kosten soll aus dem Budget der Rad-WM finanziert werden. Dort sind explizit Mittel für Side-Events vor­gesehen.

Wie steht es um das Bewilligungs­verfahren mit der Stadt Zürich?
Sobald wir die Rückmeldungen der Gemeinden zwischen Meilen und Zürich ­haben, werden wir uns wieder mit der Projektleitung der Stadt Zürich in Verbindung setzen und das Bewilligungsver­fahren einleiten. Der allererste slowUp Zürichsee 2004 fand wie gesagt bereits zwischen Zürich und Rapperswil statt. ­Insofern gehen wir davon aus, dass der Anlass bewilligungsfähig sein dürfte.

Haben Sie keine Bedenken, dass es Grundsatzdiskussionen gibt wie bei der geplanten temporären Umwandlung von zwei Fahrspuren am Utoquai in Velowege?
Beim slowUp handelt es sich um einen Anlass, der grundsätzlich der Gesundheitsförderung dient. Daher ist das Pa­tronat auch bei Gesundheitsförderung Schweiz. Der Bevölkerung wird während sieben Stunden (10 bis 17 Uhr) an einem einzigen Sonntag im September die Gelegenheit geboten, sich auf der für den ­motorisierten Verkehr gesperrten Strasse zwischen Zürich und Schmerikon aus ­eigener Muskelkraft zu bewegen, ob zu Fuss, per Velo oder Skater. Die übrigen 364 Tage und 17 Stunden gehört die Strasse wieder dem Verkehr. Die Verlängerung der slowUp-Strecke macht durchaus Sinn. An den vergangenen slowUps nutzten jeweils viele Teilnehmende aus der Stadt Zürich bereits die nicht gesperrte Seestrasse, um nach Meilen an den slow­-Up und wieder zurück zu gelangen. Auch Familien waren dabei. Das birgt Unfall­gefahr, welche mit einer Sperrung bzw. Integration des Abschnittes Meilen – Zürich in den Anlass beseitigt werden kann.

Was planen Sie während der Rad-WM 2024? Dann ist ja das Gebiet rund um den Sechseläutenplatz während zweier Wochen schon «besetzt».
Genau. Daher der «Vorevent» im Jahr 2023. 2024 wird der slowUp, welcher zur gleichen Zeit stattfindet, auf der kürzeren Strecke zwischen Schmerikon und Meilen stattfinden. Das gibt der Bevölkerung der oberen Seegemeinden die einmalige Chance, aus eigener Muskelkraft an die Rad-WM zu gelangen.

Demnach soll ab 2025 der slowUp Zürichsee permanent Zürich einbinden?
Ja, das ist die Idee. Die Stadt Zürich möchte im Projekt «Rad-WM» speziell nachhaltige Ideen verfolgen. Der slowUp Zürichsee hat in den letzten 17 Jahren bewiesen, dass er nachhaltig und gesundheitsfördernd ist: ein Anlass für Jung und Alt gleichermassen und ein Treffpunkt für alle. Bei schönem Wetter würde der slowUp Zürichsee mit knapp 40 Kilo­metern Distanz damit wohl zum längs­ten Volksfest der Schweiz werden. Viele Vereine er­halten damit auch die Gelegenheit, sich entlang der Strecke mit Aktivitäten oder Beizli gratis zu präsentieren. slowUp Zürichsee würde sich sehr dar­über freuen.

 

Wie weit sind die Side-Events zur Rad-WM von Zürich im September 2024?

Der Artikel von Radsportexperte Emil Bischofberger im «Tages-Anzeiger» vom 12. Juni 2022 sorgte bei den Beteiligten der Rad-WM für grosse Aufmerksamkeit. Die Stossrichtung des Artikels: Zwei Jahre vor dem Start des Radsport-Megaanlasses in und um Zürich sei noch nichts davon zu spüren. Dabei habe der Radsportweltverband bei der Vergabe gewünscht, dass Anlässe entstehen, die über die Rad-WM hinaus das Velofahren populär machen. Im März 2019, als Zürich den Zuschlag für die WM-Ausrichtung bekam, sagte Regierungsrat Mario Fehr in die Mikrofone: «Wir haben jetzt fünf Jahre Zeit, die WM auch zu begleiten, mit Breitensportveranstaltungen, mit einer noch besseren Förderung der Velofahrerinnen und Velofahrer.» Er wiederholte damit Kernsätze aus dem Bewerbungsdossier, in dem Zürich herausgestrichen hatte, die fünfjährige Zeitspanne bis zur WM für die generelle Veloförderung nutzen zu wollen.

Als speziellen Event gibt es seither einzig das Zuricrit, ein durchaus spektakuläres Rundstreckenrennen. Es findet jeweils im August im Kreis 4 statt. Einen Dornröschenschlaf geniesst hingegen weiterhin die vor Jahrzehnten sehr populäre «Züri-Metzgete» – ein Radrennen mit Weltcup-Status, das auch allen Junioren-, Amateur- und Hobbykategorien einen Startplatz bot und so viel zum Radsportfieber in Zürich beitrug. Immerhin: Dank einer Gruppe Radsport-Enthusiasten blüht das  Bahnradangebot auf der über 100-jährigen Offenen Rennbahn in Oerlikon. Dem Vernehmen nach sollen darum die Starts der Zeitfahrkategorien der Rad-WM 2024 in Zürich-Oerlikon stattfinden. Das Zielgelände wird sich beim Sechseläutenplatz befinden. 

slowUp und «Zürich multimobil»

Ebenfalls seinen Beitrag zur öffentlichen Wahrnehmung des Langsamverkehrs, also auch des Velos, machte zwischen 1999 und 2013 der Aktionstag «Zürich multimobil». Sein Ziel: auf spielerische Art und ohne Mahnfinger aufzeigen, wie schön die Fortbewegung zu Fuss oder mit dem Velo in der Stadt sein kann. Der Tag zog bei schönem Wetter bis 10 000 Leute an und galt zu seiner Zeit durchaus als Erfolgsstory. Im Rahmen dieses Aktionstages fand 2004 der erste slowUp Zürichsee statt. Er führte am Sonntag, 26. September, von Zürich nach Rapperswil, die Strasse blieb für den Langsamverkehr reserviert. Weil jedoch das Wetter garstig war, kam wenig Volk. Die Gemeinden von Zollikon bis Herrliberg wollten dann 2005 wegen eines zweiten Anlasses eine Woche vor dem geplanten slowUp auf der Strecke nicht mehr teilnehmen. 

Gegründet wurde der slowUp Zürichsee 2004. Seine Geschäftsstelle wurde bei Rapperswil Zürichsee Tourismus angegliedert. Gründungsmitglieder waren u. a.  Daniel Leupi, heutiger Stadtrat von Zürich (Grüne), sowie Lorenz Steinmann, Autor dieser Zeitungsseite. (ls.)

Lorenz Steinmann