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Zürich Nord
31.10.2022
31.10.2022 10:46 Uhr

Streit um Mitgliederbeiträge beim FC Oerlikon/Polizei

Zieht sich zurück: Guido De Martin
Zieht sich zurück: Guido De Martin Bild: zvg.
An der Generalversammlung des FC Oerlikon/Polizei kam es zum Paukenschlag. Grund waren die von den Anwesenden nicht akzeptierten Mitglieder-Beitragserhöhungen. Eine Auslegeordnung vor der ausserordentlichen GV am 8. November.

Guido De Martin wohnt mit seiner Familie seit über 30 Jahren in Oerlikon. Er ist wohl einer der am besten vernetzten Oerliker. «Der Zusammenhalt im Quartier soll im Zentrum meines Handelns sein», schreibt er auf der Website der lokalen SP-Sektion, der er seit 1987 angehört. Er hat das Oerliker Fäscht 2018 mitorganisiert, ist im Vorstand einer Wohnbaugenossenschaft, hat sich bei der Venusbar als Mitbesitzer beteiligt und ist Eigner einer erfolgeichen IT-Firma. Und – er ist Präsident des in der zweiten Liga spielenden Fussballclubs Oerlikon/Polizei.

Doch an der ausser­ordentlichen Generalversammlung vom 8. November wird er zurücktreten. Ad ­interim ist er noch dabei, weil es an der ­ordentlichen GV vom 15. September zum Eklat gekommen war und sich auf die Schnelle kein Präsident finden liess. Grund des Streits: Die anwesenden 75 Mitglieder wollten dem Traktandum einer Erhöhung der Mitgliederbeiträge nicht folgen. Neben Guido De Martin zogen aufgrund der Ablehnung der Mitgliederbeitragserhöhung zudem Micaela Winter und Sofia Bösch ihre Kandidatur für die Ressorts ­Finanzen und Spielbetrieb zurück.

Konkret ging es um folgenden Antrag: Erhöhung der Mitgliederbeiträge 690 Franken für Aktive (bisher 490), 350 Franken für Senioren sowie 540 Franken für alle anderen. Zudem sollten neu auch die Spieler des Fanionteams (Team Männer 1) ebenfalls den Jahresbeitrag von 690 Franken entrichten. Während die Idee der Erhöhung der Mitgliederbeiträge mit gut 90 Prozent Stimmenanteil abgelehnt wurde, kam der zweite Antrag mit einer Zweidrittelmehrheit durch. Künftig müssten also die Elitespieler auch etwas bezahlen für ihr Kicken beim sportlich gut in der Meisterschaft stehenden Zweitligisten FCOP.

90 000 Franken für die Fanionteams

Auf Anfrage sagt Guido De Martin, ohne Erhöhung der Mitgliederbeiträge sei ein Wirtschaften nicht mehr möglich. Der 55-Jährige rechnet vor, dass allein die ersten Teams der Männer und Frauen – die Frauen spielen in der Nationalliga B und werden von einem ehemaligen Profispieler und -trainer gecoacht – je 45 000 Franken pro Jahre kosten würden.

Der ehemalige Internationale bekommt übrigens lediglich 16 500 Franken pro Jahr für sein Engagement. Das ist sicher keine überhöhte Entschädigung. Dabei ist es laut Experten durchaus üblich, dass auch in den Amateurligen Spielerlöhne bezahlt werden, oft einfach verdeckt via Spesen, Wohnungsmieten oder Autoleasing-Raten.

Der FC OP machte schon im September Schlagzeilen, weil er per Inserat Juniorentrainer suchte. Die Entlöhnung für den Job liege zwischen 5000 und 6000 Franken jährlich, berichtete der «Tages-Anzeiger». Das sei durchaus normal, sagt Guido De Martin, und Marc Caprez pflichtet ihm bei. Der Präsident des in der gleichen Liga spielenden FC Seefeld versteht das Anliegen von De Martin bestens. «Dass Trainer bei ihrem Riesenengagement bezahlt werden, ist normal und richtig.

Mit Blick auf den grossen Aufwand der Trainerinnen und Trainer handelt es sich sowieso um eine eher symbolische Entschädigung», sagt Caprez auf Anfrage. Auch der Wunsch nach höheren Mitgliederbeiträgen versteht er. «Die Fussballclubs tun extrem viel für die Spielerinnen und Spieler im Verhältnis zu den Jahresbeiträgen. Ein billigeres Freizeitvergnügen für die Jungen gibt es kaum», so Caprez. Er rechnet vor, dass man als Vereinsmitglied schnell auf 200 Stunden Betreuung pro Jahr komme. Bei Mitgliederbeiträgen um die 500 Franken kostet die Stunde also rund 2.50 Franken – das ist tatsächlich günstig. 

«Null Musikgehör»

Und Guido De Martin? Er hat die Freude am FC Oerlikon/Polizei ein wenig ver­loren und tritt nun zurück. «Man hatte null Musikgehör für mein Anliegen», sagt er. Dabei vermisst er das Engagement vieler Klubmitglieder. «Wie beim Fitnessabo will man nur profitieren.» De Martin ist aber überzeugt, dass wieder jemand aufstehen wird und den Club führen will. Für Guido De Martin aber ist das Kapitel FC OP abgeschlossen nach der ausserordent­lichen Generalversammlung, die er noch leiten wird. 

Lorenz Steinmann