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02.11.2022
02.11.2022 14:53 Uhr

Grosse Ehrung für Claudia Rütsche

Bild: Adrian Funk
Die Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur STAB verlieh den diesjährigen Preis in Höhe von 50  000 Franken an Dr. Claudia Rütsche, Direktorin Kulturama, im Rahmen einer würdigen Feier. Sie wurde für ihre grossen Verdienste rund um die Museumspädagogik geehrt.

Claudia Rütsche sitzt im Sitzungszimmer im Kulturama, dem Museum des Menschen, in Hottingen. Sie strahlt und erzählt mit viel Enthusiasmus über das Museum. Der Preis der Stiftung STAB, ­einer der bedeutendsten gesellschaftspolitischen Preise der Schweiz, sei eine grosse Freude und Ehre gewesen, aber auch eine grosse Überraschung. «Die Stiftung STAB ist ja nicht auf Museen bezogen, sondern erfüllt verschiedene Funktionen», hält sie fest. Sie hat schon ande­re Auszeichnungen erhalten, aber diese bedeute ihr besonders viel, weil der STAB-Jahrespreis an Menschen oder Organisationen unterschiedlichster Ausrichtung geht: «eine besondere Wertschätzung». Gleichzeitig sei die Auszeich­nung ein Erfolg fürs Kulturama. «Das Museum wird wahrgenommen», freut sich Rütsche. Es gebe zahlreiche Museen, vor allem in der Stadt Zürich. Das Angebot sei gross, da helfe der Preis, aufs Kulturama aufmerksam zu machen. Die Auszeichnung übergab ihr Martin Vollenwyder, Präsident der Stiftung STAB, in Anwesenheit von Regierungsrätin Silvia Steiner und anderen Gästen. Die Laudatio hielt Frank Rühli, Dekan an der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich.

Bildungsinstitution für alle

Das Kulturama geht auf die private Initiative von Paul Muggler zurück. Rütsche und Muggler haben es nach Hottingen an die Englischviertelstrasse gezügelt und die Neukonzeption des Museums gestartet. Unter der Leitung von Rütsche erfolgten drei weitere Ausbauetappen. «Insgesamt habe ich vier Bauetappen bei laufendem Betrieb erlebt», fasst sie zusammen. Rütsche steckt viel Herzblut in das Museum. Es gelang ihr, das Kultu­rama in der Museumslandschaft zu etablieren. Sie konnte es auf eine stabile Grundlage stellen. Ein Highlight für sie ist, dass das privat gegründete Museum in der Rechtsform einer gemeinnützigen Stiftung 2020 vom Kanton Zürich als Institution für Aus- und Weiterbildung anerkannt wurde. «Jede Ausstellung ist aber ein Highlight für mich», erklärt Rütsche. Sie hat insgesamt 4 Dauerausstellungen und 15 Sonderausstellungen konzipiert. Weitere 19 Ausstellungen Dritter hat sie kuratiert. Hervorzuheben ist zudem, dass Rütsche Weiterbildungen im Auftrag der pädagogischen Hochschule Zürich durchführen kann.
Das Kulturama leistet einen aussergewöhnlichen Beitrag für die Gesellschaft. «Das Museum vermittelt Wissen an eine breite Bevölkerung», hält Rütsche fest. Es wendet sich an alle. Rütsche liegt die niederschwellige verständliche Vermittlung von Wissen und Wissenschaft über den Menschen an Menschen jeden Alters und jeder Vorbildung am Herzen. «Wir erklären Wissenschaft für alle», betont sie. «So wird ein wichtiger Beitrag an die Bildung geleistet.» Digitale Medien werden selbstverständlich auch im Kulturama eingesetzt. «Verschiedene Möglichkeiten der Digitalisierung werden genutzt», erläutert Rütsche. «Die Digitalisierung ist für mich aber ein Hilfsmittel.» Sie sei überzeugt, dass die Leute ins Museum kommen und etwas erleben wollten. Das könne das Digitale alleine nicht bieten. «Persönliche Begegnungen sind wichtig», ist Rütsche überzeugt. Es brauche eine persönliche Beziehung. Zudem sei der Austausch wichtig. Kopfhörer für die Museumsbesuchenden soll es im Kulturama nicht geben. Rütsche besucht selber viele Museen im In- und Ausland. Das Fazit: Das Kulturama hat eine einzigartige Konzeption, die einmalig sei. Fachpersonen aus dem In- und Ausland würden es deshalb besuchen.

Steter Wandel

Rütsche schaut positiv in die Zukunft. Viele Schulen würden das Kulturama besuchen. Der Standort sei gut, die Nähe zum Kunsthaus und im Hochschulgebiet. Und nicht zuletzt: «Wir haben tolle Ausstellungen.» Trotzdem bringt die Zukunft Neues. Die Hauptausstellungen sollen inhaltlich überarbeitet und neugestaltet werden. Die Realisierung ist von 2024 bis 2026 vorgesehen, bei laufendem Betrieb.

www.kulturama.ch, Kulturama Museum des Menschen, Englischviertelstrasse 9, 8032 Zürich. Telefon 044 260 60 44 mail@kulturama.ch, Öffnungszeiten Di/Do/Fr 13–17 Uhr, Mi 13–20 Uhr, Sa/So 13–18 Uhr, Vormittags und abends für Gruppen mit Führung nach Vereinbarung. «Wie wir lernen»: Sa/So geöffnet

Claudia Rütsche
Claudia Rütsche studierte an der Universität Zürich (UZH) Geschichte, Paläontologie, Ur- und Frühgeschichte sowie Anthropologie. Mitbestimmend für diese Fächerkombination war ihr Kontakt mit dem Kulturama Museum des Menschen anlässlich einer Fossilienexkursion im Alter von 13 Jahren. Museumsgründer Paul Muggler gewann sie als freiwillige Mitarbeiterin und schon in der Gymnasial- und Studienzeit arbeitete sie an Ausstellungen mit und führte Gruppen durch das Museum. Mit 25 Jahren reichte sie ihre Dissertation über die früheste ­Museumsgeschichte der Schweiz ein mit dem Titel «Die Kunstkammer in der Zürcher Wasserkirche. Öffentliche Sammeltätigkeit einer gelehrten Bürgerschaft im 17. und 18. Jahrhundert aus museumsgeschichtlicher Sicht». Rütsche übernahm 1996 die Museumsleitung des Kulturama von Mugg­ler. In der Folge planten beide gemeinsam den Umzug und die Neukonzeption des Museums am heutigen Standort an der Englischviertelstrasse 9 in Hottingen. Seitdem entwickelte Rütsche das Museum sukzessive weiter. Unter ihrer Leitung erfolgten bei stetig laufendem Betrieb drei weitere Ausbauetappen zum aktuellen Museum mit rund 1400 Quadratmetern Ausstellungsfläche, verteilt auf vier permanente Ausstellungsbereiche und ein Wechselausstellungsgeschoss. Rütsche machte das Kulturama in Bildung und Vermittlung zu einem der aktivsten Museen der Schweiz. (pm.)

Pia Meier